Hautkrebs-Studie: mRNA-Impfstoff senkt Rückfallrisiko um 49%
02.06.2026 - 23:31:16 | boerse-global.deNeue Langzeitdaten und personalisierte mRNA-Impfstoffe versprechen einen Durchbruch in der Behandlung.
Ältere Patienten profitieren ebenso wie Jüngere
Eine umfangreiche Analyse des ADOREG-Registers, veröffentlicht im European Journal of Cancer, hat die Behandlung von über 8.200 Melanom-Patienten in deutschen Hautkrebszentren untersucht. Der Zeitraum: 2013 bis 2023. Die Forscher verglichen 2.150 Patienten ab 75 Jahren mit einer jüngeren Vergleichsgruppe von 6.063 Patienten.
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Das Ergebnis ist eindeutig: Die Wirksamkeit von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) war in der älteren Gruppe genauso gut wie bei den Jüngeren. Weder beim progressionsfreien Überleben noch beim melanomspezifischen Überleben zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede. Ein überraschender Nebenbefund: Die Toxizitätsraten fielen bei den älteren Patienten sogar niedriger aus.
Ältere Patienten erhielten häufiger eine Anti-PD1-Monotherapie, während Jüngere öfter mit ICI-Kombinationen behandelt wurden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Alter allein kein Ausschlusskriterium für eine Immuntherapie sein sollte.
Personalisierte mRNA-Impfstoffe: Fünf-Jahres-Daten vielversprechend
Auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung in Chicago sorgten neue Daten aus der KEYNOTE-942-Studie für Aufsehen. Die Phase-IIb-Studie untersuchte 157 Patienten mit Stadium-III-Melanom nach einer Operation. Die Hälfte erhielt eine Kombination aus dem mRNA-Impfstoff Intismeran und dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab, die andere nur Pembrolizumab.
Die Fünf-Jahres-Daten sprechen eine deutliche Sprache: Die Kombinationstherapie senkte das Rückfallrisiko um 49 Prozent, das Risiko für Fernmetastasen sogar um 59 Prozent. Die rezidivfreie Überlebensrate lag in der Kombinationsgruppe bei 68,8 Prozent – gegenüber 49,1 Prozent in der Vergleichsgruppe.
Das Gesamtüberleben fiel mit 92,2 Prozent ebenfalls deutlich höher aus als die 71,3 Prozent der Kontrollgruppe. Allerdings erreichte dieser Unterschied noch keine statistische Signifikanz. Experten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sehen in den Ergebnissen dennoch einen möglichen Wendepunkt in der Melanom-Therapie.
Kritische Stimmen und offene Fragen
Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mahnen zur Vorsicht. Die geringe Teilnehmerzahl und die fehlende Verbindung der Phase-IIb-Studie schränkten die Aussagekraft ein. Ob die Ergebnisse in größeren Studien bestätigt werden können, bleibt abzuwarten.
Die Pharmaindustrie arbeitet bereits an der nächsten Stufe: Moderna und Merck führen derzeit die Phase-III-Studie INTerpath-001 mit rund 1.000 Patienten durch. Ergebnisse werden für Herbst 2026 oder 2027 erwartet – und sind entscheidend für die Zulassung.
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Kostenfaktor und Marktentwicklung
Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig. Die jährlichen Kosten für die personalisierte mRNA-Therapie werden auf 100.000 bis über 300.000 Euro pro Patient geschätzt. Pembrolizumab, der Wirkstoff in der Kombinationstherapie, war 2025 mit einem Umsatz von 27,7 Milliarden Euro bereits das weltweit umsatzstärkste Medikament.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 liefert zudem einen unerwarteten Nebenbefund: Melanom-Patienten, die innerhalb von 100 Tagen nach Beginn einer Immuntherapie eine COVID-19-Impfung erhielten, zeigten verbesserte Überlebensraten. Ein weiteres Puzzlestück im komplexen Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Krebstherapie.
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