Hegemann, Nagel und Deisseroth: Nobelpreis für lichtgesteuerte Neuronen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Karolinska-Institut vergibt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 gemeinsam an Karl Deisseroth von der Stanford University und dem Howard Hughes Medical Institute, Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Georg Nagel von der Universität Würzburg.
Die Auszeichnung honoriert grundlegende Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und die Entwicklung der Optogenetik. Das Preisgeld beläuft sich auf 12 Mio. schwedische Kronen (rund 1 Mio. Euro bzw. rund 1,06–1,2 Mio. US-Dollar), das die drei Wissenschaftler zu gleichen Teilen erhalten. Die feierliche Verleihung findet am 10. Dezember statt.
Von Algenproteinen zur gezielten Steuerung von Neuronen
Die biologische Grundlage der Methode legten Peter Hegemann und Georg Nagel Anfang der 2000er-Jahre. Sie entdeckten Channelrhodopsin in der einzelligen Grünalge Chlamydomonas. Das Protein fungiert als lichtgesteuerter Ionenkanal: Fällt blaues Licht auf das Molekül, öffnet sich der Kanal und löst elektrische Impulse aus.
Karl Deisseroth nutzte diesen Mechanismus, um Nervenzellen mit Licht präzise zu steuern. Er brachte die Proteine mithilfe eines Virus in Nervenzellen ein und machte sie so durch Lichtreize aktivierbar. Im Jahr 2005 gelang ihm die Aktivierung von Rattenneuronen, gefolgt von der Steuerung von Nervenzellen im Gehirn lebender Mäuse im Jahr 2007.
Weltweiter Laboreinsatz und therapeutische Perspektiven
Die Optogenetik verknüpft Verfahren der Optik und der Genetik. Sie ermöglicht es, die Aktivität einzelner Nervenzellen im lebenden Gehirn gezielt an- oder abzuschalten, um neuronale Schaltkreise zu erforschen. Nach Angaben des Nobelkomitees wird das Verfahren mittlerweile weltweit in Forschungslaboren eingesetzt.
Die Optogenetik macht Nervenzellen mit Licht gezielt an- und abschaltbar — von Channelrhodopsin in der Grünalge bis zur Steuerung von Neuronen im lebenden Gehirn. Dieser kostenlose Praxisleitfaden führt Sie in drei Schritten durch die Grundlagen und zeigt, welche klinischen Anwendungen aktuell untersucht werden. Kostenlosen Praxisleitfaden Optogenetik anfordern
Über die Grundlagenforschung hinaus werden Einsatzmöglichkeiten in der Medizin untersucht. In einer Machbarkeitsstudie verhalf eine optogenetische Therapie einem seit Jahrzehnten blinden Patienten mit Retinitis pigmentosa zu rudimentärem Sehen. Klinische Studien zur teilweisen Wiederherstellung des Sehvermögens laufen bereits.
Zudem wird erforscht, ob Optogenetik für eine präzisere Stimulation von Cochlea-Implantaten genutzt werden kann; entsprechende klinische Studien werden für noch in diesem Jahrzehnt oder Anfang des nächsten Jahrzehnts erhofft. Mögliche Perspektiven bestehen zudem für Anwendungen bei Parkinson und Epilepsie, wobei es sich hierbei bislang um Forschungsansätze und keine etablierte Therapie handelt.
Klinische Studien zur optogenetischen Wiederherstellung des Sehvermögens laufen, und in Berlin ist ein neues Optobiologie-Forschungsgebäude vorgesehen. Wer jetzt Forschungsgelder und Infrastruktur plant, braucht einen klaren Überblick. Der kostenlose Leitfaden bündelt Förder- und Infrastruktur-Update sowie den Stand der klinischen Studien. Förder- und Infrastruktur-Update jetzt sichern
Ausbau der Forschungsinfrastruktur
Parallel zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung wird auch die institutionelle Infrastruktur erweitert. In Berlin ist in Zusammenarbeit von Humboldt-Universität und Charité ein Optobiologie-Forschungsgebäude mit einem Volumen von rund 69 Mio. Euro und etwa 3.400 m² Fläche vorgesehen, für dessen Förderung sich der Wissenschaftsrat ausgesprochen hat. Ergänzend dazu setzt der seit 2007 bestehende Exzellenzcluster NeuroCure seine Arbeit fort und startet 2026 in seine vierte Förderperiode.
