Heilpflanzen, Gelenkschmerzen

Heilpflanzen bei Gelenkschmerzen: Linderung um zwei bis drei Punkte möglich

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Heilpflanzen können Beschwerden lindern und den Medikamentenbedarf senken, ersetzen bei rheumatoider Arthritis aber nicht die Basistherapie.
Nahaufnahme von natürlichen Heilpflanzen wie Kurkuma, Hagebutten und Arnika auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Präparate gewinnen in der Behandlung von Gelenkerkrankungen an Aufmerksamkeit, können die schulmedizinische Basistherapie bei rheumatoider Arthritis jedoch keineswegs ersetzen. Sie bieten allerdings das Potenzial, den Bedarf an Kortison sowie nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac und Aspirin zu verringern.

Darauf verweist Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus, in einem Bericht vom 24. Oktober 2026. Zugleich ordnet der Mediziner die Wirksamkeit realistisch ein: Die Effekte von Heilpflanzen fallen schwächer aus als jene synthetischer Arzneimittel; auf einer Schmerzskala von eins bis zehn lässt sich das Schmerzniveau typischerweise lediglich um zwei bis drei Punkte senken.

Gezielter Einsatz je nach Krankheitsbild

Die Auswahl pflanzlicher Mittel hängt wesentlich von der vorliegenden Erkrankung ab. Bei Arthrose empfiehlt Michalsen äußerliche Anwendungen mit Arnika oder Beinwell sowie die innerliche Einnahme von Hagebutte oder Kurkuma. Im Fall einer rheumatoiden Arthritis rät der Chefarzt hingegen zu Kurkuma, Weihrauch und Teufelskralle.

Für Patientinnen und Patienten entstehen durch solche phytotherapeutischen Ansätze monatliche Kosten von etwa 60 bis 80 Euro. Zudem mahnt Michalsen zu therapeutischer Vorsicht und regelmäßiger Überwachung: Bei der Einnahme von Kurkuma sollten die Leberwerte nach drei Monaten ärztlich kontrolliert werden. Beinwell darf aufgrund seiner leberschädigenden Wirkung bei oraler Zufuhr ausschließlich äußerlich zur Anwendung kommen.

Wachsender Bedarf und experimentelle Wirkstoffforschung

Der Bedarf an wirksamen Behandlungsstrategien für chronisch-entzündliche Gelenkleiden nimmt weltweit zu. Wie aus einer Publikation von Dove Press vom 24. Oktober 2026 hervorgeht, waren im Jahr 2020 global rund 17,6 Millionen Menschen von rheumatoider Arthritis betroffen; Prognosen gehen von einem Anstieg um 80 Prozent auf 31,7 Millionen Betroffene bis zum Jahr 2050 aus.

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Zugleich zeigt die Übersichtsarbeit zu Substanzen wie Triptolid und Celastrol aus der Pflanze Tripterygium wilfordii, dass pflanzliche Reinstoffe im Laboratory oft durch geringe Wasserlöslichkeit, niedrige Bioverfügbarkeit und dosislimitierende Toxizität eingeschränkt sind.

Um diese Hürden zu überwinden, werden neuartige Nanotransportsysteme erforscht, die Wirkstoffe gezielter ins Gewebe bringen und systemische Nebenwirkungen senken sollen.

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Parallel dazu untersuchen Forschungsteams weitere Pflanzeninhaltsstoffe in präklinischen Versuchsreihen. So zeigte etwa Obakulakton, ein Triterpenoid aus der Rinde des Amur-Korkbaums (Phellodendri cortex), in 21-tägigen Studien an Ratten eine deutliche Reduktion von Gelenkschwellungen sowie eine Senkung von Entzündungsmarkern wie TNF-alpha, Interleukin-6 und C-reaktivem Protein.

Für den Wirkstoff Harpagosid aus der Teufelskralle ist in Labormodellen ebenfalls eine Hemmung pro-inflammatorischer Zytokine und Signalwege dokumentiert.

Fachleute betonen jedoch übereinstimmend, dass derartige Ergebnisse aus Zellkulturen und Tiermodellen nicht unbesehen auf den Menschen übertragbar sind. Ohne standardisierte Dosierungs- und Sicherheitsprüfungen bleibt die klinische Anwendung auf bereits etablierte, kontrollierte Phytotherapeutika als ergänzende Maßnahme beschränkt.

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de | wissenschaft | 70404906 |