Helios: AMDs Supercomputer-Architektur mit 2,9 Exaflops startet
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 09:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Chipkonzern AMD hat auf seiner Hausmesse „Advancing AI 2026“ eine Reihe spektakulärer Ankündigungen gemacht. Mit milliardenschweren Partnerschaften und einer neuen Rechnerarchitektur namens Helios will AMD dem Branchenprimus Nvidia den Kampf ansagen.
15-Jahres-Deal mit Core Scientific
Das Herzstück der Offensive ist ein langfristiges Abkommen mit dem Rechenzentrumsbetreiber Core Scientific. AMD sichert sich für 15 Jahre Zugriff auf rund 530 Megawatt Rechenleistung an fünf Standorten in den US-Bundesstaaten Alabama, Georgia, Oklahoma und Texas. Der Vertrag bringt Core Scientific voraussichtlich mehr als 14 Milliarden Euro an Grundeinnahmen. AMD hat zudem die Option, die Kapazität auf bis zu 2,5 Gigawatt auszubauen.
Die ersten AMD-Systeme sollen 2027 in Betrieb gehen. Als Teil des Deals erhielt AMD zudem Optionsscheine auf 30 Millionen Core-Scientific-Aktien zu einem Preis von rund 22 Euro pro Stück. Core Scientific selbst meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 155 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Fünf Milliarden für KI-Entwickler
Parallel dazu investiert AMD massiv in die KI-Forschung. Der Konzern beteiligt sich mit bis zu 4,7 Milliarden Euro am Unternehmen Anthropic, das hinter dem KI-Modell Claude steckt. Im Gegenzug plant Anthropic, bis zu zwei Gigawatt an AMD-GPUs des Typs Instinct MI450 Series in Helios-Systemen zu verbauen. Die erste Tranche soll in der ersten Jahreshälfte 2027 ausgeliefert werden. Beide Firmen wollen zudem gemeinsam die AMD-Softwareplattform ROCm mit Hilfe von Claude optimieren.
Helios: Ein Supercomputer im Rack-Format
Die technische Basis für AMDs Angriff auf die KI-Spitze heißt Helios. Ein Standard-Rack dieser Architektur enthält 72 Instinct MI455X-GPUs und erreicht eine Rechenleistung von 2,9 Exaflops (FP4). Dazu kommen 31 Terabyte HBM4-Arbeitsspeicher. Der Stromverbrauch pro Rack liegt bei 140 Kilowatt – gekühlt wird mit modernster Flüssigtechnik.
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Die Kosten sind happig: Analysten schätzen den Preis pro Helios-Rack auf 4,7 bis 5,2 Millionen Euro. Dafür bietet die Architektur laut AMD 15 Prozent mehr FP4-Rechenleistung und 50 Prozent mehr Speicherbandbreite als vergleichbare Systeme der Konkurrenz.
Um die extrem dichten Racks überhaupt betreiben zu können, haben AMD und der Energiespezialist Schneider Electric ein Referenzdesign für 10,4-Megawatt-Cluster vorgelegt. Die Anlage erreicht eine Energieeffizienz (PUE) von etwa 1,12 – die Flüssigkühlung soll 84 Prozent der Abwärme abführen.
Microsoft, Meta und Vultr steigen ein
Die großen Cloud-Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. Microsoft kündigte an, Helios auf Azure für KI-Inferenz einzusetzen. Zudem kommen zwei neue virtuelle Maschinen mit AMDs 6. Generation der EPYC-„Venice“-Prozessoren. Auch die Pensando-Datenverarbeitungseinheiten von AMD werden in Azure Boost integriert.
Meta baut seine KI-Infrastruktur gemeinsam mit AMD auf – geplant sind bis zu sechs Gigawatt GPU-Kapazität. Meta gilt als erster Großkunde für die EPYC-Venice-Chips und plant zudem eine eigene Version der Instinct-MI450-GPU.
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Der Cloud-Spezialist Vultr hat bereits Vorbestellungen für Helios-Systeme und MI455X-GPUs geöffnet. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für das vierte Quartal 2026 angekündigt.
Cerebras-Partnerschaft: Neue Wege bei der KI-Berechnung
Neben den klassischen Rack-Lösungen verfolgt AMD mit dem chip-Startup Cerebras einen speziellen Ansatz. Die Partner setzen auf disaggregierte Inferenz: AMD Helios übernimmt die rechenintensive Vorverarbeitung („Pre-fill“), während Cerebras‘ Wafer-Scale Engine für die eigentliche Textgenerierung („Decode“) zuständig ist.
Laut ersten Tests liefert diese Kombination die fünffache Leistung pro Watt im Vergleich zu Standardkonfigurationen. Cerebras will noch 2026 erste AMD-Helios-Systeme in eigenen Rechenzentren installieren.
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