Hernien-Informationstag am 3. November: Wann ein Bruch operiert werden muss
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deHernien zählen zu den häufigsten chirurgischen Krankheitsbildern, werfen bei Betroffenen jedoch regelmäßig Fragen nach dem richtigen Behandlungszeitpunkt und geeigneten Operationsmethoden auf.
Anlässlich des bundesweiten Tags der Hernien veranstalten die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg, das Städtische Krankenhaus Pirmasens und die Hernien-Selbsthilfe Deutschland e.V. am 3. November 2026 einen Informationstag.
Unter dem Titel „Leistenbruch, Nabelbruch, Narbenbruch – wann ist eine Operation notwendig?“ bietet die Veranstaltung im Saal 7 des Kinos Cineplex in Neustadt an der Weinstraße zwischen 15 und 19 Uhr Aufklärung über aktuelle Therapiestandards.
Häufigkeit und Ursachen von Bauchwandbrüchen
Ein Leistenbruch betrifft im Laufe des Lebens etwa jeden vierten Mann und 2 % der Frauen. Medizinisch handelt es sich bei einer Hernie um eine Lücke in der Bauchwand, durch die Gewebe oder Organe wie Dünndarm, Dickdarm oder Blase sowie Fettgewebe nach außen treten können. Neben Leistenhernien treten Nabelbrüche, Narbenbrüche, Femoralhernien sowie seltenere Formen wie die Spiegel-Hernie auf.
Zu den wesentlichen Auslösern zählen ein geschwächtes Bindegewebe und ein erhöhter Druck im Bauchraum. Begünstigt wird die Entstehung unter anderem durch chronischen Husten, Verstopfung, starkes Heben, Adipositas, raschen Gewichtsverlust, mehrere Schwangerschaften sowie altersbedingte Gewebeveränderungen.
Bei Erwachsenen heilen Hernien nicht spontan aus; konservative Maßnahmen wie Bauchbinden oder Bruchbänder können Beschwerden allenfalls zeitweise überbrücken, den Defekt jedoch nicht beheben.
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Kriterien für die operative Behandlung
Die operative Versorgung erfolgt häufig durch den Einsatz eines Kunststoffnetzes, das die geschwächte Bauchwand stabilisiert. Ob und wann ein Eingriff erfolgen sollte, richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden sowie dem individuellen Komplikationsrisiko.
Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder starkes Übergewicht fließen dabei in die medizinische Abwägung ein. Das Motto des Aktionstages im Jahr 2026 lautet „Mut steht am Anfang, Vertrauen am Ziel“, wie auch ein Informationspodcast des St. Josef-Krankenhauses Kupferdreh und der Hernien-Selbsthilfe Deutschland e.V. thematisiert.
Dringender Handlungsbedarf besteht bei einer Einklemmung von Gewebe oder Darmabschnitten. Eine sogenannte Inkarzeration geht mit plötzlich einsetzenden starken Schmerzen, einer harten und nicht mehr zurückdrängbaren Schwellung, Rötungen sowie Übelkeit oder Erbrechen einher. Da die unterbrochene Blutzufuhr innerhalb weniger Stunden zu Gewebsuntergängen führen kann, erfordert diese Situation eine umgehende notfallmedizinische Versorgung.
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Etablierte und moderne Operationsverfahren
Für die elektive Versorgung stehen offene und minimalinvasive Methoden zur Verfügung. Eine Übersichtsarbeit zu den endoskopischen Techniken TAPP und TEP zeigt, dass diese bei erfahrenen Operationsteams ähnlich niedrige Rezidivraten wie offene Netzverfahren aufweisen, jedoch mit weniger frühen Schmerzen und einem geringeren Risiko chronischer postoperativer Schmerzen einhergehen.
Ein Cochrane-Update aus 23 Studien mit 2266 Teilnehmenden belegte bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen keine wesentlichen Unterschiede zwischen TAPP und TEP, wenngleich Verfahrenswechsel bei TEP häufiger dokumentiert wurden.
Zunehmend kommen auch robotisch assistierte Systeme zum Einsatz. Am Fakultätskrankenhaus AGEL Košice-Šaca werden robotische Systeme wie da Vinci für Leisten- und Ventralhernien genutzt, um durch 3D-Visualisierung und bewegliche Instrumente das Operationstrauma gering zu halten.
Eine Untersuchung aus vier israelischen Zentren an 39 Patienten mit anspruchsvollen seitlichen Bauchwandbrüchen berichtete über geringe Schmerzwerte und Entlassungen oft schon am Folgetag.
Unabhängig von der Technik verlangen Hernienoperationen ein sorgfältiges Schmerzmanagement: Daten des deutschen QUIPS-Registers zeigen, dass bestimmte Hernieneingriffe zu den Operationen mit den stärksten Schmerzen am ersten postoperativen Tag zählen können.
