Herz-Checks in der EU: Kommission schlÀgt Kontrollen ab 35 Jahren vor
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen in den 27 Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr TodesfĂ€lle und Behinderungen dar. Etwa ein Drittel aller SterbefĂ€lle in der EU ist auf diese Krankheitsbilder zurĂŒckzufĂŒhren.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission einen Vorschlag fĂŒr einen unverbindlichen, gemeinsamen Rahmen fĂŒr systematische Herz-Kreislauf-Checks vorgelegt. Das Vorhaben muss nun noch vom Rat beraten und angenommen werden.
Systematische Screenings fĂŒr verschiedene Altersgruppen
Der Entwurf der EU-Kommission sieht vor, die PrĂ€vention durch regelmĂ€Ăige Messungen von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin zu intensivieren. Dabei werden konkrete Intervalle fĂŒr unterschiedliche Lebensphasen empfohlen. FĂŒr Personen unter 35 Jahren ist mindestens ein Check vorgesehen.
In der Altersgruppe der 35- bis 64-JĂ€hrigen sollen umfassendere Kontrollen mindestens alle fĂŒnf Jahre stattfinden. Diese umfassen neben den klinischen Werten auch Aspekte des Lebensstils, der Atemfunktion sowie der reproduktiven und psychischen Gesundheit.
FĂŒr Menschen ab 65 Jahren wird eine engmaschigere Ăberwachung im Abstand von drei bis fĂŒnf Jahren vorgeschlagen. Bei Vorliegen eines höheren Risikos sieht das Konzept hĂ€ufigere oder individuell angepasste Kontrollen vor. Um die Erreichbarkeit dieser VorsorgemaĂnahmen zu erhöhen, sollen die Checks nicht nur in Arztpraxen, sondern auch ĂŒber Apotheken, Gemeindezentren und mobile Einheiten zugĂ€nglich gemacht werden.
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Wirtschaftliche Belastung und gesundheitspolitische Ziele
Die Relevanz einer verstĂ€rkten Vorsorge wird durch aktuelle Daten zur Krankheitslast unterstrichen. Laut Berichten vom 28. September 2026 verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen jĂ€hrlich rund 1,7 Millionen TodesfĂ€lle in der EU und betreffen etwa 62 Millionen Menschen. Die wirtschaftlichen Kosten werden auf ĂŒber 282 Milliarden Euro pro Jahr geschĂ€tzt, wovon rund 47 Milliarden Euro auf ProduktivitĂ€tsverluste entfallen.
Mit dem sogenannten âSafe Hearts Planâ verfolgt die EU-Kommission das Ziel, die Zahl der vorzeitigen kardiovaskulĂ€ren TodesfĂ€lle bis zum Jahr 2035 um 25 Prozent zu senken.
Nach EinschĂ€tzung der Kommission wĂ€ren 80 Prozent dieser Erkrankungen durch die gezielte BekĂ€mpfung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel, erhöhtem Blutzucker und Ăbergewicht vermeidbar. Der aktuelle Vorschlag beinhaltet daher neben den Screenings auch personalisierte PrĂ€ventions- und Impfberatungen.
Technologische UnterstĂŒtzung und regionale Umsetzung
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Rahmens ist die Einbindung moderner Technologien. Die EU-Kommission sieht die Nutzung evidenzbasierter kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) zur UnterstĂŒtzung der Diagnostik vor, sofern diese unter menschlicher Aufsicht erfolgt.
Trotz des gemeinsamen Rahmens liegt die endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die Umsetzung der Empfehlungen bei den einzelnen Mitgliedstaaten. Derzeit verfĂŒgen weniger als die HĂ€lfte der EU-Staaten ĂŒber entsprechende systematische Screening-Programme.
Flankiert wird die Initiative durch die Kampagne âKnow Your Numbersâ. Im Rahmen einer ersten EU-Screening-Woche, die fĂŒr den Zeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 angesetzt wurde, stehen europaweit ĂŒber 800 Screening-Zentren zur VerfĂŒgung. In BrĂŒssel werden zudem bis zum 2. Oktober kostenlose Kontrolluntersuchungen angeboten.
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EU-Gesundheitskommissar OlivĂ©r VĂĄrhelyi betonte die Notwendigkeit eines stĂ€rkeren Fokus auf PrĂ€vention. Er verwies auf die Problematik von Rauchen, Vaping, Ăbergewicht und Bewegungsmangel, insbesondere bei jungen Menschen.
Nach Angaben von VĂĄrhelyi leidet fast die HĂ€lfte der europĂ€ischen Bevölkerung an Bluthochdruck; zudem sei etwa jeder vierte Diabetes-Patient sich seiner Erkrankung nicht bewusst. Die neuen Leitlinien sollen dazu beitragen, solche unentdeckten Risiken frĂŒhzeitig zu identifizieren.
