Herz-Kreislauf-Risiko, Großes

Herz-Kreislauf-Risiko: Großes Bauchmaß erhöht es selbst bei Normalgewicht

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute beschreiben die Verbreitung von MASLD, gesundheitliche Folgen, neue Erkenntnisse zu THBS1 und verfügbare Diagnoseverfahren.
Eine detaillierte Darstellung der menschlichen Leber in einer klinischen Umgebung zur Veranschaulichung leberbezogener Erkrankungen. Illustration mit AI erstellt.

Viszerales Bauchfett gilt in der Medizin zunehmend als eigenständiges Risikofeld für den Stoffwechsel. Wie Fachleute, darunter Dr. Katherine Bustamante vom Hospiten Bellevue, betonen, befeuert dieses tief in der Bauchhöhle liegende Fettgewebe entzündliche Prozesse. Es kann gänzlich ohne Alkoholkonsum über Jahre hinweg unbemerkt zu einer metabolischen dysfunktionsassoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD, ehemals Fettleber) führen.

Neben Übergewicht, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz, erhöhtem Cholesterin, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung sind auch schlanke Menschen mit erhöhtem Viszeralschmalz gefährdet.

Hohe Verbreitung und unterschätzte Gefahren

Die Dimension der Erkrankung spiegelt sich in aktuellen epidemiologischen Einschätzungen wider. Stefan Zeuzem vom Leberzentrum der Universitätsklinik Frankfurt hebt hervor, dass in Deutschland etwa jeder dritte Mensch betroffen sei.

Drei Viertel der Patienten mit MASLD versterben demnach nicht an einem Leberversagen, sondern an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut Prof. Dr. Münevver Demir von der Charité Berlin leidet in der Bundesrepublik etwa jeder von vierte Erwachsene an einer metabolischen Fettleber, die anfänglich meist schmerzlos verläuft.

Auch internationale Zahlen unterstreichen das Problem: In Österreich sind nach Angaben von Petra Wolfinger, Gastroenterologin am Ordensklinikum Linz, rund 60 Prozent der erwachsenen Männer übergewichtig und rund 18 Prozent von Adipositas betroffen. Lukas Van Melkebeke vom Universitätsklinikum Leuven berichtet, dass etwa ein Drittel der Belgier eine Fettleber aufweise.

Nach Daten des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) stellt MASLD mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Lebertransplantationen dar. In Regionen wie Südamerika und Nordafrika liegt die Prävalenz sogar bei bis zu 40 Prozent.

Kritische Grenzwerte und neue molekulare Mechanismen

Das Gefahrenpotenzial viszeralen Fetts reicht weit über die Leber hinaus. Dr. Jens Aberle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verweist darauf, dass dieses Fettgewebe die Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch steigere.

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Als kritische Schwellenwerte für den Bauchumfang gelten bei Frauen Werte ab 80 Zentimeter (kritisch ab 88 Zentimeter) und bei Männern ab 94 Zentimeter (kritisch ab 102 Zentimeter). Bei Personen unter 40 Jahren sei zudem ein Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße über 0,5 medizinisch bedenklich.

Daten der Britischen Menopause-Gesellschaft zeigen ergänzend, dass der Anteil viszeralen Fetts bei Frauen nach den Wechseljahren von 5 bis 8 Prozent auf bis zu 15 Prozent des Körpergewichts anwachsen kann.

Eine Übersichtsarbeit mit mehr als 260.000 Menschen belegt zudem, dass selbst Normalgewichtige mit großem Bauchumfang ein um bis zu 50 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

Forschungsgruppen analysieren die biologischen Treiber dieser Entwicklung. Ein südkoreanisches Team um Choi Seong-hui, Moon Jun-ho und Kim Jong-kyung publizierte Ende Oktober 2026 eine Untersuchung in Nature Communications: Durch eine Analyse von rund 86.000 Zellen aus Gewebeproben von 21 Probanden identifizierten die Forscher das Protein THBS1, das viszerales Fett verhärtet und Entzündungen auslöst.

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Ein entsprechender Antikörper gegen dieses Protein senkte im Experiment die Aktivität von Fibrose- und Entzündungsgenen. Eine Studie der Universität Freiburg zeigte zudem Anfang November 2026, dass per MRT erfasstes viszerales Fett deutlich präziser mit Entzündungswerten und dem Blutzucker korreliert als der reine Body-Mass-Index.

Diagnostik, Subtypen und therapeutische Optionen

MASLD kann laut Bustamante über entzündliche Formen (MASH) und Fibrose bis hin zur Leberzirrhose oder zu Leberkrebs voranschreiten. Forschende der Mayo Clinic unterteilten die Erkrankung in fünf Subtypen: Subtyp 1 (30,5 Prozent) betrifft ältere Personen mit Bluthochdruck bei höchstem Leberkrebsrisiko, während Subtyp 2 (26,8 Prozent) vor allem Männer mit schwerem Diabetes und Organrisiken umfasst.

Subtyp 3 (24,1 Prozent) ist durch erhöhten BMI und Depression geprägt, während die seltenen genetischen Subtypen 4 (9,1 Prozent) und 5 (9,5 Prozent) extreme Risiken für Transplantationen oder akutes Leberversagen tragen. Rund die Hälfte des Risikos ist genetisch bedingt; die PNPLA3-Variante tritt bei etwa der Hälfte der deutschen Betroffenen auf.

Für die Früherkennung stehen nicht-invasive Verfahren wie der FIB-4-Index oder Fibroscan-Ultraschalluntersuchungen zur Verfügung. Therapeutisch sind inzwischen Wirkstoffe wie der Agonist Resmetirom sowie Semaglutid gegen Leberfibrose zugelassen.

Zudem zeigte eine chinesische Laborstudie, dass die Substanz Magnoflorin über die Aktivierung von AMPK? Fettablagerungen in der Leber abbauen kann. Als zentrale Säule der Prävention raten Fachleute jedoch übereinstimmend zu einem Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent, regelmäßiger Bewegung, Vollkornprodukten und einer zuckerarmen Ernährung.

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