Herz-Kreislauf-Risiko, Taillenumfang

Herz-Kreislauf-Risiko: Taillenumfang schlägt BMI um 50%

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue JACC-Studie: Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis sagen Herzrisiko präziser voraus als der BMI. Forscher fordern Umdenken in der Diagnostik.

Bauchfett als Risikomarker: Studie empfiehlt Taillenumfang statt BMI
Eine Person misst mit einem Maßband ihren Taillenumfang, um die Fettverteilung am Bauch zu kontrollieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der kardiologischen Diagnostik gewinnt die Verteilung des Körperfetts zunehmend an Bedeutung gegenüber der reinen Bestimmung des Körpergewichts. Eine am 11. August 2026 im Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlichte Studie der Johns Hopkins University legt dar, dass der Taillenumfang sowie das Taille-Hüft-Verhältnis eine präzisere Vorhersage über das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erlauben als der weit verbreitete Body-Mass-Index (BMI). Die Untersuchung unterstreicht die Relevanz des viszeralen Fetts als entscheidenden Faktor für die kardiovaskuläre Gesundheit.

Die Grenzen des Body-Mass-Index in der Risikobewertung

Lange Zeit galt der BMI als primärer Indikator für gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit Übergewicht. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht jedoch eine signifikante Schwäche dieses Indexes: Er unterscheidet nicht zwischen Muskelmasse und Fettgewebe sowie zwischen verschiedenen Fettdepots im Körper.

Laut den Ergebnissen der Johns Hopkins University verbessern der Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis die Risikoneuklassifizierung über den BMI hinaus erheblich.

Besonders deutlich wird dies bei Personen, die laut BMI als normalgewichtig eingestuft werden, aber eine ungünstige Fettverteilung aufweisen. Die Studie belegt, dass bei Normalgewichtigen mit einem hohen Taillenumfang das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 50 % erhöht ist.

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Im Gegensatz dazu zeigen die Daten, dass bei adipösen Personen mit einem niedrigen Taillenumfang kein entsprechend erhöhtes Risiko besteht. Dies deutet darauf hin, dass die Lage des Fetts – insbesondere das tiefliegende Bauchfett – eine wichtigere Rolle spielt als das absolute Gewicht.

Langzeitbeobachtung untermauert klinische Relevanz

Die Analyse stützt sich auf eine breite Datenbasis von 259.351 Erwachsenen. Über einen Beobachtungszeitraum von 20 Jahren verfolgten die Forscher die gesundheitliche Entwicklung der Probanden. Dabei zeigte sich, dass eine ungünstige Fettverteilung bei normal- oder übergewichtigen Personen das Risiko für schwerwiegende Ereignisse um 15–50 % steigt. Zu den identifizierten Gefahren gehören unter anderem Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern.

Die Untersuchung gibt zudem Aufschluss über die Verbreitung dieser Risikokonstellationen in der Bevölkerung. Demnach wiesen etwa 5 % der Normalgewichtigen einen hohen Taillenumfang auf, während 18 % ein hohes Taille-Hüft-Verhältnis besaßen. Bei den als übergewichtig eingestuften Teilnehmern lagen diese Werte deutlich höher: Hier hatten 39 % einen hohen Taillenumfang und 40 % ein ungünstiges Taille-Hüft-Verhältnis.

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Empfehlungen für die medizinische Praxis

Auf Basis dieser Erkenntnisse plädieren die Autoren der Studie dafür, die Fettverteilung konsequent in die klinische Risikobewertung einzubeziehen. Die Messung des Taillenumfangs und des Taille-Hüft-Verhältnisses sollte als Standardergänzung zum BMI etabliert werden, um Patienten mit einem versteckten Risiko besser identifizieren zu können.

Experten raten dazu, diese Messwerte regelmäßig zu erfassen, da sie eine genauere Einschätzung der individuellen Gefährdung erlauben. Eine frühzeitige Erkennung von viszeralem Fettgewebe könnte präventive Maßnahmen ermöglichen, noch bevor klinische Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auftreten. Damit markiert die Studie einen wichtigen Schritt weg von einer rein gewichtsbasierten hin zu einer verteilungsbasierten Diagnostik in der inneren Medizin.

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