Herzinfarkt-FrĂŒherkennung, Dual-Imaging-Katheter

Herzinfarkt-FrĂŒherkennung: Neuer Dual-Imaging-Katheter erfolgreich getestet

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein neuer Katheter kombiniert zwei Bildgebungsverfahren; CT-Marker und Biomarker liefern zusÀtzliche AnsÀtze zur EinschÀtzung kardialer Risiken.
Ein klinischer Untersuchungsraum mit medizinischer AusrĂŒstung in steriler, ruhiger AtmosphĂ€re. Illustration mit AI erstellt.

Die frĂŒhzeitige Erkennung von GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen und HerzmuskelschĂ€den gewinnt in der kardiologischen Diagnostik zunehmend an Bedeutung. Forscher setzen verstĂ€rkt auf hochentwickelte optische und radiologische Technologien, um vulnerable Ablagerungen und GewebeverĂ€nderungen prĂ€zise zu charakterisieren, noch bevor lebensbedrohliche GefĂ€ĂŸverschlĂŒsse auftreten. Ein wesentlicher Fortschritt gelang dabei an der University of California, Davis.

Erster Test eines kombinierten Bildgebungskatheters am Menschen

Das Center for Biophotonics (NCIBT) der UC Davis schloss im August 2026 die erste Erprobung eines neuartigen flexiblen Dual-Imaging-Katheters am Menschen ab. Das Instrument vereint zwei optische Verfahren: die zeitaufgelöste Fluoreszenzspektroskopie (Fluorescence Lifetime Imaging, FLIm) und die polarisationssensitive optische KohÀrenztomographie (PS-OCT).

Ziel dieser Kombination ist es, sowohl die mikroskopische Struktur als auch die biochemische Zusammensetzung von Plaques in den Koronararterien in Echtzeit sichtbar zu machen.

FĂŒr die klinische Untersuchung lag eine Genehmigung der US-Arzneimittelbehörde FDA fĂŒr ein PrĂŒfprodukt bei zehn Patienten vor. Die Bildgebung des letzten Patienten wurde im August 2026 abgeschlossen, nachdem das System zuvor in Tiermodellen und an menschlichen Koronararterien erprobt worden war.

Der Katheter liefert bei einem einzigen RĂŒckzug hochauflösende Echtzeit-Farbbilder der Arterienwand und erfasst ein Segment von 80 Millimetern LĂ€nge in zwei Sekunden.

Durch die detaillierten Daten soll das Plaque-Risiko bereits vor dem Auftreten relevanter Stenosen ermittelt werden, um therapeutische Entscheidungen wie Stent-Implantationen oder medikamentöse Therapien gezielter zu steuern. Eine Ausweitung der Studie auf eine grĂ¶ĂŸere Patientengruppe ist vorgesehen.

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FrĂŒherkennung bei Patienten ohne typische Risikofaktoren

Die Notwendigkeit verbesserter Diagnostik verdeutlichen auch Untersuchungen aus Australien. Nach Angaben des Royal North Shore Hospital und der University of Sydney weist mehr als ein Viertel der Patienten, die einen ersten Herzinfarkt erleiden, keine bekannten Risikofaktoren auf.

Die Kardiologin Gemma Figtree wies darauf hin, dass koronare Erkrankungen auch junge und sportliche Menschen betreffen können, wobei ein plötzlicher Herztod nicht selten die erste Manifestation darstellt.

Ein dokumentierter Fall ist der von Jennifer Tucker, bei der im Alter von 33 Jahren eine 90-prozentige Blockade der linken vorderen Koronararterie festgestellt wurde; nach einer Stent-Implantation im Jahr 2011 ist sie heute 48 Jahre alt und beschwerdefrei.

Um gefĂ€hrdete Personen frĂŒher zu identifizieren, entwickelt ein Team um Figtree ein Screening-Verfahren, das Blutbiomarker mit computertomographischer Bildgebung kombiniert. In einer Studie mit ĂŒber 5.000 Teilnehmenden identifizierten die Forscher fĂŒnf Biomarker, die als Filter fĂŒr weiterfĂŒhrende CT-Untersuchungen dienen sollen.

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Um das Verfahren in klinischen Studien zu validieren und entsprechende Tests fĂŒr HausĂ€rzte bereitzustellen, wirbt die Initiative um 8 Mio. AUD. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf lĂ€ndlichen Regionen, in denen die Herzinfarktrate ĂŒberdurchschnittlich hoch ist.

So liegt die Herzinfarktrate bei indigenen Erwachsenen fast dreimal so hoch wie bei Nicht-Indigenen. Der Allgemeinmediziner Mark Tattersall aus Bourke im Bundesstaat New South Wales berichtete, dass zwei Drittel der dortigen indigenen Patienten an signifikanter koronarer Herzkrankheit leiden und wiederholt TodesfÀlle bereits Mitte vierzig auftreten.

Risikostratifizierung mittels verzögerter Computertomographie

Parallel zur intrakoronaren Kathetertechnik und Blutanalytik liefern nicht-invasive radiologische Methoden zusÀtzliche Einblicke in myokardiale SchÀdigungen.

Forschende der UniversitÀt Kumamoto um Yasuhiro Izumiya und Kenichi Tsujita untersuchten den diagnostischen Nutzen der SpÀtphase kardialer CT-Aufnahmen. Dabei dienen das sogenannte Late Iodine Enhancement (LIE) zum Nachweis umschriebener Narben und das ExtrazellulÀre Volumen (ECV) zur Erfassung diffuser SchÀden als entscheidende Parameter.

Eine im Fachjournal European Heart Journal - Cardiovascular Imaging veröffentlichte Untersuchung mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 26,0±19,1 Monaten belegt die Aussagekraft dieser Methodik.

Bei Patienten mit gleichzeitigem Nachweis von LIE und erhöhtem ECV zeigte sich eine Hazard Ratio von 1,81 (95%-Konfidenzintervall 1,17–2,81; P=0,008) fĂŒr den kombinierten Endpunkt sowie von 2,40 (95%-Konfidenzintervall 1,14–5,07; P=0,022) fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse.

Von 49 neu diagnostizierten FĂ€llen nicht-ischĂ€mischer Kardiomyopathie entfielen 73,4 Prozent auf die Gruppe mit positivem LIE und erhöhtem ECV. Nach Ansicht der Autoren ermöglicht die Methodik eine verlĂ€ssliche Risikovorhersage und stellt eine rasch durchfĂŒhrbare, leicht verfĂŒgbare Alternative zur kardialen Magnetresonanztomographie dar.

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