Herzinfarkt und Schlaganfall: Drei erhöhte Blutwerte steigern Risiko um 144 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deHerzinfarkte und Hirninfarkte werden in der klinischen Praxis häufig getrennt voneinander behandelt. Fachberichte verdeutlichen jedoch, dass es sich hierbei nicht um voneinander isolierte Ereignisse handelt, sondern um unterschiedliche Manifestationen desselben systemischen Gefäßleidens: der atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD).
Da derselbe pathologische Prozess das gesamte Arteriensystem betrifft, rücken ganzheitliche diagnostische und therapeutische Konzepte zunehmend in den Fokus der Medizin.
Pathologische Mechanismen im gesamten Arteriensystem
Der Entstehungsmechanismus der Atherosklerose folgt an verschiedenen Stellen des Körpers denselben Gesetzmäßigkeiten. Am Anfang steht eine Schädigung des Gefäßendothels, an die sich Cholesterinablagerungen und eine fortschreitende Plaquebildung anschließen. Kommt es zu einer Plaqueruptur, bildet sich ein Thrombus, der das betroffene Gefäß verschließt.
Je nach anatomischer Lokalisation führt dieser Prozess zu unterschiedlichen klinischen Krankheitsbildern:
- Ein Verschluss der Koronararterien resultiert in einem akuten Herzinfarkt.
- Ein Verschluss der Hirngefäße verursacht einen Hirninfarkt.
- Ein Verschluss der Beinarterien führt zu einer peripheren Ischämie mit Gewebsnekrosen, die in schweren Fällen Amputationen erforderlich macht.
- Ein Verschluss der Nierenarterien zieht Nierenfunktionsstörungen oder eine therapierefraktäre Hypertonie nach sich.
Beide Erscheinungsformen teilen identische Risikofaktoren, darunter Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Adipositas, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, chronischer psychischer Stress sowie das Alter und die familiäre Vorbelastung. Entsprechend sind auch die Prinzipien von Prävention und Behandlung weitgehend deckungsgleich.
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Fachberichte unterstreichen, dass der Einsatz eines Stents lediglich eine einzelne lokale Stenose beseitigt, die systemische Atherosklerose jedoch nicht heilt. Eine dauerhafte Kontrolle aller Risikofaktoren bleibt daher auch nach erfolgreichen Eingriffen zwingend erforderlich.
Grenzen organzentrierter Behandlung und neue Versorgungsmodelle
Die traditionelle Trennung der Medizin nach einzelnen Organen und Fachdisziplinen führt in der Praxis oft zu Brüchen in der Diagnostik und Nachsorge. Auf dem Internationalen Symposium für Panvaskuläre Medizin in Shanghai wurde dargelegt, dass allein in China 330 Millionen Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen leiden.
Rund ein Viertel dieser Patienten ist von Multimorbidität betroffen, während chronische Leiden die häufigste Todesursache in der Bevölkerung darstellen.
Als Antwort auf diese Fragmentierung betrachtet das Konzept der panvaskulären Medizin das gesamte arterielle Gefäßsystem als funktionelle Einheit. Panvaskuläre Disease-Management-Center (PVMC) setzen auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kardiologie, Gefäßchirurgie, Neurologie, Endokrinologie und Metabolismus sowie Bildgebung und Labormedizin.
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Ziel ist ein geschlossener Kreislauf aus systemischem Screening, frühzeitiger Intervention und strukturierter Nachsorge, bei dem zunehmend auch KI-Großmodelle für die Bildbefundung und Risikovorhersage zum Einsatz kommen. Auch neue Leitlinien zum kardiovaskulär-renal-metabolischen Syndrom (CKM) betonen individuelle Risikoprofile und Komorbiditäten anstelle isolierter Laborparameter.
Zusammenspiel von Lipiden und Entzündungsprozessen
Moderne Risikomodelle berücksichtigen verstärkt das Zusammenwirken verschiedener Gefäßschädiger. Eine am Amsterdam UMC anhand der HELIUS-Kohorte durchgeführte JACC-Studie mit 15.676 Erwachsenen (mittleres Alter 44,4 Jahre, 56,0 % Frauen, median 8,9 Jahre Nachbeobachtung) analysierte das Auftreten von 378 ersten ASCVD-Ereignissen.
Waren LDL-Cholesterin, Lipoprotein(a) und das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) gleichzeitig erhöht, stieg das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 144 % (Faktor 2,44). Bei isolierten Paaren erhöhte sich das Risiko um den Faktor 1,79 bei LDL-C und Lp(a), um 1,89 bei LDL-C und hsCRP sowie um 1,92 bei Lp(a) und hsCRP.
Diese Daten unterstreichen, dass neben der konsequenten lipidsenkenden Therapie auch vaskuläre Entzündungsprozesse und systemische Biomarker im Rahmen des langfristigen Gefäßschutzes kontrolliert werden müssen.
