Herzinsuffizienz: Arzneimittelkosten stiegen um 94% in zehn Jahren
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Versorgung von Volkskrankheiten wie Herzinsuffizienz und Asthma bronchiale stellt das deutsche Gesundheitssystem vor wachsende finanzielle Herausforderungen. Wie der in Berlin vorgestellte Barmer Arzneimittelreport 2026 zeigt, stiegen die Ausgaben für Herzinsuffizienz-Patienten ab 50 Jahren im Zehnjahreszeitraum von 2014 bis 2024 um 94 Prozent von 1.176 auf 2.283 Euro je Patient.
Bei erwachsenen Asthma-Patienten ab 18 Jahren erhöhten sich die Aufwendungen im selben Zeitraum um jährlich acht Prozent und damit um insgesamt rund 80 Prozent von 770 auf 1.351 Euro pro Kopf.
Treiber Patentarzneimittel und wachsende Schere zur Einnahmenbasis
Hauptursache der Kostenentwicklung sind moderne Therapien. Bei der Herzinsuffizienz kletterten die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel zwischen 2014 und 2024 um 183 Prozent, während die Aufwendungen für Generika um 22 Prozent zulegten. Bei Asthma verzeichneten patentgeschützte Medikamente ein Plus von 106 Prozent.
Zugleich nahm die Zahl der Behandelten zu: Die Patientenzahl wuchs bei Asthma um drei Prozent und bei Herzinsuffizienz um 14 Prozent. Demgegenüber stiegen die Beitragseinnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung im selben Zeitraum um lediglich 3,1 Prozent pro Jahr.
Barmer-Chef Straub forderte vor diesem Hintergrund eine Weiterentwicklung der frühen Nutzenbewertung sowie ein Überdenken der Sonderregeln für Arzneimittel gegen seltene Krankheiten (Orphan Drugs).
Gleichzeitig unterstrich der Bericht den therapeutischen Gewinn: Reportautor Grandt verwies auf einen Überlebensgewinn von sechs Jahren bei 55-jährigen und fünf Jahren bei 70-jährigen Herzinsuffizienz-Patienten.
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Studien belegen zudem einen Rückgang von Asthma-Exazerbationen um 44 Prozent und von Krankenhausaufnahmen um 60 Prozent. Zudem lasse sich Herzinsuffizienz durch gezielte Prävention verzögern.
Reformdebatte um das AMNOG-Verfahren
Die pharmazeutische Industrie drängt derweil auf andere Rahmenbedingungen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), der nach eigenen Angaben 50 führende Hersteller vertritt, legte in Berlin ein Reformkonzept für das Erstattungsverfahren nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vor.
Der Verband forderte unter anderem, das AMNOG als Versorgungs- und Standortfaktor zu begreifen, Vertraulichkeitsoptionen bei Erstattungsbeträgen zu entfristen und auszuweiten sowie das Preisniveau in den USA in Verhandlungen einzubeziehen.
Zudem verlangt der Verband die Streichung des zusätzlichen Herstellerabschlags, von Rabattverträgen für patentgeschützte Arzneimittel und von Preis-Mengen-Regelungen.
Verbandspräsident Han Steutel erklärte, man benötige kein neues System, sondern ein zeitgemäßes AMNOG. Gesetzliche Eingriffe hätten die Orientierung der Preisbildung am medizinischen Nutzen ausgehöhlt, während deutsche Preise weit über die Landesgrenzen hinaus wirkten.
Hohe Krankheitslast und regionale Unterschiede
Wie drängend die Versorgungsproblematik bleibt, unterstreichen Erhebungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Vorfeld des Weltherztags am 29. September. Bundesweit lebten 2024 mehr als drei Millionen Menschen mit Herzinsuffizienz.
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Die Erkrankung wurde bei fast vier Prozent aller Sterbefälle dokumentiert; die Krankheitskosten beliefen sich laut Statistischem Bundesamt auf 9,2 Milliarden Euro, was knapp zwei Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht.
Auffällig sind ausgeprägte regionale und soziale Diskrepanzen: Sachsen-Anhalt wies 2024 mit 8,9 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren die höchste Herzinsuffizienz-Prävalenz aller Bundesländer auf, angeführt vom Landkreis Mansfeld-Südharz mit 13,9 Prozent.
Den bundesweit niedrigsten Wert verzeichnete Hamburg mit 3,8 Prozent. Laut WIdO und Robert Koch-Institut weisen sozial deprivierte Regionen eine durchschnittliche Quote von 6,8 Prozent auf, während der Wert in am wenigsten deprivierten Gebieten bei 4,4 Prozent liegt.
