Herzinsuffizienz: Ejektionsfraktion unter 35% erhöht Sterblichkeitsrisiko deutlich
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:21 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Pumpleistung des Herzens ist ein zentraler Parameter fĂŒr die Diagnose und Prognose kardiovaskulĂ€rer Erkrankungen. Medizinische FachbeitrĂ€ge verdeutlichen die Bedeutung der sogenannten Ejektionsfraktion (EF) fĂŒr die Einordnung von HerzschwĂ€che. FĂ€llt dieser Wert dauerhaft unter 35 Prozent, steigt das Risiko fĂŒr schwerwiegende Komplikationen erheblich.
In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund 4 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz, die bei ĂŒber 65-JĂ€hrigen die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Krankenhausaufenthalte darstellt und in ihrer Sterblichkeit mit schweren Tumorerkrankungen vergleichbar ist.
Klassifikation und klinische Schwellenwerte
Die linksventrikulÀre Ejektionsfraktion gibt an, wie viel Prozent des im Herzen vorhandenen Blutes mit jedem Schlag in den Körper gepumpt werden. Ein normaler Wert liegt im Bereich von 55 bis 70 Prozent, wobei Frauen hÀufig leicht höhere Basiswerte aufweisen als MÀnner.
Eine Ejektionsfraktion zwischen 41 und 54 Prozent gilt als leichtgradig eingeschrÀnkt, wÀhrend Werte von 35 bis 40 Prozent als mittelgradig eingeschrÀnkt klassifiziert werden. FÀllt der Messwert unter 35 Prozent, liegt eine hochgradig schwere BeeintrÀchtigung vor.
In der klinischen Einteilung wird die Herzinsuffizienz anhand dieser Schwellenwerte in drei Hauptgruppen unterteilt: Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF, EF maximal 40 Prozent), mĂ€Ăiggradig eingeschrĂ€nkter Funktion (HFmrEF, 41 bis 49 Prozent) sowie erhaltener Funktion (HFpEF, mindestens 50 Prozent). Typische Warnsignale fĂŒr eine abnehmende Herzleistung sind ein plötzlicher Belastungsabfall, Atemnot und Wassereinlagerungen.
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Risiken bei schwer reduzierter Pumpleistung
Ein Wert von 30 Prozent markiert eine stark ausgeprĂ€gte Herzinsuffizienz im Bereich der HFrEF. FĂ€llt die Herzleistung unter 35 Prozent, steigt insbesondere das Risiko fĂŒr einen plötzlichen Herztod deutlich an. Leitlinien sehen daher vor, dass bei Patienten, deren EF trotz dreimonatiger optimierter medikamentöser Therapie stabil unter 35 Prozent verbleibt, hĂ€ufig die Implantation eines Defibrillators (ICD) geprĂŒft werden sollte.
Neben der Ejektionsfraktion liefert auch der Pulsdruck diagnostische Hinweise: Die Differenz zwischen dem systolischen und diastolischen Blutdruck liegt in Ruhe idealerweise bei 40 bis 65 mmHg.
Sinkt der Pulsdruck unter 30 mmHg, weist dies auf eine HerzschwĂ€che oder eine Verengung der Aortenklappe hin. Ein dauerhafter Wert ĂŒber 65 mmHg gilt hingegen als Risikomarker fĂŒr Durchblutungsstörungen; jede weitere Zunahme um 10 mmHg erhöht das kardiovaskulĂ€re Komplikationsrisiko um 23 Prozent.
Moderne TherapieansÀtze und Alltagsmanagement
Moderne medikamentöse Behandlungen bieten wirksame Möglichkeiten, den Verlauf zu bremsen. Die etablierte Vierfach-Therapie â bestehend aus Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), Betablockern, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) und SGLT2-Inhibitoren â senkt sowohl die Sterblichkeit als auch die Rate an Krankenhausaufenthalten um rund 50 Prozent.
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Bei einer neu diagnostizierten HFrEF kann die Pumpfunktion nach 90 Tagen von im Schnitt 23 Prozent wieder auf durchschnittlich 34 Prozent ansteigen. Diese als reverses Remodeling bezeichnete funktionelle Erholung bedeutet meist eine Remission anstelle einer vollstĂ€ndigen Heilung, wobei die Aussichten bei akuten Auslösern wie dem Takotsubo-Syndrom, AlkoholtoxizitĂ€t oder Tachykardiomyopathien am gĂŒnstigsten sind.
Im Alltag erfordert die Erkrankung zudem Disziplin beim FlĂŒssigkeitshaushalt. Die tĂ€gliche Trinkmenge wird meist strikt auf 1,5 bis höchstens 2 Liter begrenzt, da eine zu hohe Zufuhr die Wirkung entwĂ€ssernder Medikamente behindern kann.
Ein Gewichtsanstieg von mehr als 1 bis 1,5 Kilogramm innerhalb von 24 Stunden gilt als Warnsignal fĂŒr akute Wassereinlagerungen. Gleichzeitig birgt eine Dehydration Gefahren: Sie lĂ€sst die Herzfrequenz um etwa 20 SchlĂ€ge pro Minute ansteigen und kann bei chronischem Mangel das Risiko fĂŒr Bluthochdruck verstĂ€rken.
