Herzinsuffizienz, GKV-Ausgaben

Herzinsuffizienz: GKV-Ausgaben für Medikamente steigen auf 441 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Patentierte Herzmedikamente treiben die GKV-Kosten stärker als Generika. Barmer verlangt Änderungen bei Nutzenbewertung und Preisbildung; der vfa widerspricht.

GKV-Ausgaben für Herzinsuffizienz-Mittel steigen auf 441 Millionen Euro
Ein steriler, menschenleerer Krankenhausflur mit einer minimalistischen Architektur und kühler Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die finanzielle Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch die Behandlung von Herzinsuffizienz hat in der vergangenen Dekade drastisch zugenommen. Wie der Barmer-Arzneimittelreport 2026 für den Zeitraum von 2014 bis 2024 belegt, stiegen die Gesamtausgaben für entsprechende Medikamente um 121 % auf 441 Mio. Euro.

Diese Entwicklung übertrifft das allgemeine Einnahmenwachstum der Krankenkassen deutlich und rückt die Preisgestaltung patentgeschützter Arzneimittel in den Fokus der gesundheitspolitischen Debatte.

Patentgeschützte Mittel als primäre Kostentreiber

Der Anstieg der Ausgaben lässt sich laut den Analysen vor allem auf die Kosten für patentgeschützte Arzneimittel zurückführen. Während die Ausgaben für Generika im Untersuchungszeitraum lediglich um 22 % zunahmen, verzeichneten patentgeschützte Herzinsuffizienz-Mittel ein Plus von 183 %.

Pro behandelter Person stiegen die Kosten in diesem Segment von 512 auf 1.451 Euro pro Jahr. Im Jahr 2024 entfielen damit bereits 64,3 % der gesamten Arzneimittelkosten bei Herzinsuffizienz auf patentierte Präparate.

Parallel dazu erhöhten sich die Nettokosten je behandelter Person insgesamt um 94 % von 1.176 auf 2.283 Euro jährlich. Ein wesentlicher Faktor für diese Dynamik ist die Einführung neuer Wirkstoffklassen.

So wurden beispielsweise SGLT2-Inhibitoren im Jahr 2020 für die Behandlung chronischer Herzinsuffizienz zugelassen. Die Apothekenpreise für diese Medikamente bewegen sich zwischen 2,36 und 2,42 Euro pro Tablette.

Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben

Die finanzielle Statik der GKV gerät durch diese Entwicklung unter Druck. Während die beitragspflichtigen Einnahmen aller Kassen im Zeitraum von 2014 bis 2024 um 57 % stiegen – was einem jährlichen Zuwachs von 3,1 % entspricht –, kletterten die Arzneimittelausgaben insgesamt um 65 %. Speziell bei der Herzinsuffizienz waren im Jahr 2024 rund 127,7 Mio. Euro der Kosten ungedeckt, was einem Anteil von 29 % entspricht.

Trotz der finanziellen Herausforderungen verweist der Report auf signifikante medizinische Fortschritte. Den Berechnungen des Reportautors Grandt zufolge führt die moderne Therapie zu einem erheblichen Überlebensgewinn: Bei 55-jährigen Patienten liegt dieser bei schätzungsweise sechs Jahren, bei 70-Jährigen bei fünf Jahren.

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Die Ausgaben für Herzinsuffizienz-Medikamente sind zwischen 2014 und 2024 um 121 Prozent auf 441 Mio. Euro gestiegen — während die beitragspflichtigen Einnahmen der Kassen nur um 57 Prozent zulegten. 2024 blieben 127,7 Mio. Euro oder 29 Prozent der Kosten ungedeckt. Unser kostenloser Report ordnet die Zahlen ein und zeigt, welche Reformvorschläge zur Preisbildung derzeit diskutiert werden. Kostenlosen Report zur GKV-Kostensteuerung anfordern

Der beobachtete Rückgang der kardiovaskulären Sterblichkeit wird zur Hälfte auf den Einsatz innovativer Arzneimittel und zur Hälfte auf die Reduktion von Risikofaktoren zurückgeführt. Gleichzeitig stieg die Zahl der behandelten Fälle von Herzinsuffizienz um 14 %.

Forderungen nach Reformen der Preisbildung

Angesichts der Zahlen forderte Barmer-Chef Christoph Straub eine grundlegende Weiterentwicklung der Nutzenbewertung sowie eine fairere Preisbildung. Die Krankenkasse setzt sich für eine Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) ein. Dabei sollten der tatsächliche Zusatznutzen und die Einsatzmenge eines Medikaments bei der Preisfestsetzung stärker berücksichtigt werden. Zudem regt die Kasse an, Preise bei veränderter Evidenzlage oder neuen Marktsituationen verpflichtend nachzuverhandeln.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) widersprach dieser Einordnung und mahnte eine Gesamtbetrachtung der Krankheitslast sowie der Folgekosten an.

Laut vfa-Analysen für acht häufige chronische Erkrankungen stiegen die Behandlungskosten zwischen 2015 und 2023 weniger stark als die allgemeinen Behandlungskosten in Deutschland. Der Anteil von Arzneimitteln und Krankenhausaufenthalten an den Gesamtkosten sei bei den untersuchten Krankheitsbildern überwiegend gesunken.

Juristische Auseinandersetzungen um Marktexklusivität

Die Debatte um die Kosten wird durch internationale juristische Verfahren flankiert, die den Markteintritt günstigerer Nachahmerprodukte betreffen. In einem Verfahren vor einem US-Bundesgericht in Manhattan wurde kürzlich zugunsten des Pharmakonzerns Novartis entschieden.

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Patentgeschützte Herzinsuffizienz-Mittel kosteten 2024 durchschnittlich 1.451 Euro je behandelter Person — ein Plus von 183 Prozent seit 2014, während Generika nur um 22 Prozent zulegten. Auf patentierte Präparate entfielen damit 64,3 Prozent der gesamten Arzneimittelkosten. Unser kostenloser Report vergleicht beide Segmente und leitet daraus konkrete Ansatzpunkte für die Ausgabensteuerung ab. Vergleich Generika und Patentmedikamente jetzt abrufen

Arzneimittelkäufer hatten dem Unternehmen vorgeworfen, ein Patent für das Herzmedikament Entresto unrechtmäßig eingetragen zu haben, um den Markteintritt von Generika um mindestens sechs Monate zu verzögern.

Der Richter bewertete die Eintragung jedoch als ordnungsgemäß. Solche Entscheidungen haben unmittelbare Auswirkungen darauf, wie lange Originalhersteller hohe Preise für versorgungsrelevante Medikamente aufrechterhalten können.

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