Herzinsuffizienz: Stammzellen-Pflaster verbessern Pumpfunktion dauerhaft
Veröffentlicht: 03.06.2026 um 04:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studienergebnisse und überarbeitete Ernährungsempfehlungen stellen bisherige Therapieansätze infrage – von der präzisen Salzrestriktion bis hin zu digitalen Gesundheitslösungen und regenerativer Medizin.
Salz – weniger ist nicht immer besser
Die empfohlenen Salzgrenzen für Herzpatienten werden zunehmend differenzierter betrachtet. Dr. Lam My Dung vom Tam-Duc-Herzkrankenhaus schlägt ein abgestuftes Modell vor: Patienten in den Stadien 1 und 2 sollten weniger als fünf Gramm Salz täglich zu sich nehmen, in Stadium 3 sinkt die Grenze auf vier Gramm. Für Patienten im fortgeschrittenen Stadium 4 gilt eine Obergrenze von zwei bis drei Gramm.
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Doch neuere Forschungsergebnisse mahnen zur Vorsicht. Eine im Juli 2022 veröffentlichte Subanalyse der TOPCAT-Studie zeigte: Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Auswurfleistung (HFpEF), die eine höhere Salzzufuhr aufwiesen, hatten ein 24 Prozent geringeres Risiko für kardiovaskulären Tod, Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche oder Herzstillstand. Experten warnen daher vor einer übermäßig strengen Salzrestriktion bei bestimmten Patientengruppen.
Ernährungsmythen auf dem Prüfstand
Bisherige Ernährungsempfehlungen geraten zunehmend unter Druck. Der Ernährungswissenschaftler PhDr. Sven-David Müller kritisiert die jahrzehntelange „Low-Fat"-Propaganda. Sie habe möglicherweise unbeabsichtigt zur Zunahme von Fettleber und Typ-2-Diabetes beigetragen. Auch die frühere Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), nur ein Ei pro Woche zu essen, wird heute als ökologische Nachhaltigkeitsempfehlung eingeordnet – nicht als medizinische Notwendigkeit. Studien belegen keinen eindeutig erhöhten kardiovaskulären Risikofaktor durch Eier.
Die Rolle von Lebensmittelzusätzen steht ebenfalls im Fokus. Eine französische Nutrinet-Santé-Studie mit rund 112.000 Teilnehmern ergab: Eine hohe Aufnahme bestimmter Antioxidantien und Konservierungsstoffe war mit einem 22 bis 29 Prozent höheren Risiko für Bluthochdruck verbunden. Forscher der Berliner Charité weisen zwar darauf hin, dass diese Effekte auch auf generell ungesunde Ernährungsmuster zurückgehen könnten. Nitrate in verarbeiteten Fleischprodukten bleiben jedoch ein plausibler Risikofaktor.
Medikamente und digitale Helfer
Die medikamentöse Therapie erweitert sich rasant. Eine 2025 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie belegt die kardiovaskulären Vorteile von GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid. Diese Präparate ermöglichen eine Gewichtsreduktion von zehn bis 20 Prozent innerhalb eines Jahres und senken nachweislich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und vorzeitigen Tod.
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Parallel dazu etablieren sich digitale Angebote als fester Bestandteil der Versorgung. Die Deutsche Hochdruckliga startet im Juni 2026 den WhatsApp-Dienst „BlutdruckImpuls". Er liefert wöchentliche Impulse zu Ernährung, Bewegung und Stressmanagement. Krankenkassen wie die AOK setzen bereits auf Online-Coaching-Tools – nicht ohne Grund: 2024 lebten in Regionen wie Recklinghausen rund 33,4 Prozent der Erwachsenen mit Bluthochdruck.
Regenerative Medizin: Herzpflaster aus dem Labor
Für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz zeichnen sich bahnbrechende Fortschritte ab. Die klinische Studie BioVAT-HF-DZHK20, 2026 im New England Journal of Medicine (NEJM) publiziert, untersuchte sogenannte Herzpflaster aus induzierten pluripotenten Stammzellen. Die Implantation von Pflastern mit bis zu 800 Millionen Zellen führte zu einer Verdickung der Herzwand und verbesserter Pumpfunktion – bei Patienten mit einer Auswurfleistung von 35 Prozent oder weniger. Die positiven Effekte hielten über mehr als vier Jahre an.
Für Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck – definiert als Werte über 140/90 mmHg trotz dreier Medikamente – bietet die renale Denervation einen chirurgischen Ausweg. Dabei werden sympathische Nervenfasern in der Nierenarterie verödet. Die Methode wird inzwischen von großen kardiovaskulären Fachgesellschaften wie der ESC und der AHA anerkannt.
Die unterschätzte Rolle von Schlafapnoe
Die Behandlung von Bluthochdruck erfordert auch den Blick auf Begleiterkrankungen. Besonders Schlafapnoe spielt eine zentrale Rolle: Bis zu 50 Prozent aller Bluthochdruckpatienten leiden darunter, bei therapieresistenten Fällen sind es sogar 80 Prozent. Der wiederholte Sauerstoffmangel und die Ausschüttung von Stresshormonen können den Blutdruck massiv destabilisieren.
Bewegung: Mehr ist mehr
Bewegung bleibt die Basis der Prävention. Die aktuellen Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche senken das kardiovaskuläre Risiko um acht bis neun Prozent. Eine britische Beobachtungsstudie mit 17.000 Teilnehmern legt jedoch nahe: Wer die Bewegung auf 560 bis 610 Minuten pro Woche steigert, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als 30 Prozent senken. Ein deutliches Signal, dass in der Prävention noch mehr möglich ist.
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