Herzinsuffizienz, Vierfachtherapie

Herzinsuffizienz: Vierfachtherapie hebt 3-Jahres-Überleben auf 76 Prozent

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen hängen eng zusammen; zugleich erhalten 79 Prozent keine leitliniengerechte Vierfachtherapie.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum mit weichem Tageslicht, der eine fachübergreifende medizinische Umgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung der Herzinsuffizienz wandelt sich zunehmend von der isolierten Betrachtung des Herzens hin zu einem systemischen Ansatz. Auf dem Kardiometabolischen Gesundheitskongress Mitte Oktober 2026 in Boston verdeutlichte Biykem Bozkurt vom Baylor College of Medicine die engen Verflechtungen multipler Organsysteme.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz weisen demnach rund 50 Prozent eine chronische Nierenkrankheit auf. Zudem leiden fast 50 Prozent unter Diabetes sowie Adipositas, wobei die Prävalenzen weiter zunehmen.

Überschneidung von kardiologischen und metabolischen Stadien

Bozkurt erläuterte, dass sich die Stadien der Herzinsuffizienz direkt mit den Stadien des kardiovaskulär-renalen metabolischen Syndroms decken. So entspricht das Herzinsuffizienz-Stadium A dem CKM-Stadium 2, das Stadium B dem CKM-Stadium 3 und die fortgeschrittenen Stadien C und D dem CKM-Stadium 4.

Für die Prävention und Therapie verwies Bozkurt auf zielgerichtete medikamentöse Optionen. Dazu gehören SGLT2-Hemmer bei Diabetes sowie Finerenon bei gleichzeitigem Vorliegen von Diabetes und chronischer Nierenkrankheit. Bei Adipositas oder hohem kardiovaskulärem Risiko biete sich Semaglutid an, gestützt durch Erkenntnisse der SELECT-Studie sowie der FLOW-Studie bei Diabetes und Nierenleiden.

Liegt eine Herzinsuffizienz mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von mindestens 45 Prozent und einem Body-Mass-Index ab 30 kg/m² vor, senken Semaglutid und Tirzepatid das Körpergewicht und verbessern zugleich Belastbarkeit und Lebensqualität.

Ganzheitliche Behandlung als kontinuierlicher Prozess

Die Notwendigkeit einer fachübergreifenden Versorgung unterstrich Mitte Oktober 2026 auch Darren McGuire von der UT Southwestern auf dem Herbstkongress der Koreanischen Diabetes-Gesellschaft in Seoul. McGuire forderte, Diabetes, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als zusammenhängendes Kontinuum zu therapieren, anstatt sich primär auf isolierte Einzelwerte zu konzentrieren.

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Das CKM-Syndrom gliedert sich McGuire zufolge in fünf Abschnitte: Stadium 0 ohne Risikofaktoren, Stadium 1 mit Risikofaktoren ohne Organschaden, Stadium 2 mit frühen Stoffwechselstörungen, Stadium 3 mit subklinischen Organschäden sowie Stadium 4 mit einer klinisch manifesten Erkrankung.

Passend dazu empfehlen die Leitlinien der Koreanischen Diabetes-Gesellschaft bei Typ-2-Diabetes in Verbindung mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz oder Nierenschäden vorrangig SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten.

Entzündungsrisiken und Versorgungsrealität

Welche Rolle systemische Faktoren spielen, belegt auch eine Anfang Oktober 2026 vorgestellte Subanalyse des von Novo finanzierten POSEIDON-Registers mit 317 Zentren in 18 Ländern.

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In einer US-Kohorte von 810 Herzinsuffizienz-Patienten lag bei 49 Prozent der Fälle mit erhaltener, bei 55 Prozent mit mäßiggradig reduzierter und bei 50 Prozent mit reduzierter Ejektionsfraktion ein hohes kardiovaskuläres Entzündungsrisiko vor. Dieses Risiko war über das gesamte Spektrum mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, Nierenleiden und fortgeschrittener Herzinsuffizienz assoziiert.

Gleichzeitig klafft in der Praxis weiterhin eine Lücke bei der Umsetzung von Leitlinien. Der Benchmark Report 2026 des Datenunternehmens egnite, basierend auf 47 US-Gesundheitssystemen und 15,7 Millionen Patienten, zeigt zwar einen Anstieg: Der Anteil der Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz, die eine leitliniengerechte Vierfachtherapie erhalten, stieg von 9 Prozent im Jahr 2023 auf 21 Prozent im Jahr 2026. Dennoch bleiben 79 Prozent der Patienten ohne diese Vierfachkombination – obwohl das 3-Jahres-Überleben bei vier Substanzklassen 76 Prozent gegenüber 52 Prozent ohne diese Medikation beträgt.

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