Herzinsuffizienz, Ibuprofen

Herzinsuffizienz: Warum Ibuprofen und Diclofenac gefährlich werden können

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Entzündungshemmende Schmerzmittel können bei Herzschwäche Nieren und Kreislauf belasten; Fachleute nennen Risiken, Wechselwirkungen und Alternativen.
Anatomisches Modell eines menschlichen Herzens auf einem medizinischen Untersuchungstisch in einem hellen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachkreise raten Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz dringend von der Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac ab. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) gehören weltweit zu den am häufigsten genutzten Medikamenten gegen Schmerzen und Entzündungen.

Bei einer bestehenden Herzschwäche können diese Wirkstoffe jedoch schwerwiegende Komplikationen auslösen, die Nierenfunktion beeinträchtigen und das Herz-Kreislauf-System akut überlasten.

Risiken für Nierendurchblutung und Blutdruck

Laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie sollen NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Ketoprofen, Meloxicam und Celecoxib bei einer Herzinsuffizienz möglichst gemieden werden. Die Substanzen gelten als relativ kontraindiziert, da sie das Risiko für eine Nierenfunktionsverschlechterung und eine akute kardiale Dekompensation steigern.

Wirkstoffe dieser Gruppe hemmen Prostaglandine, die bei einem verminderten Blutfluss im Nierengewebe als schützender Mechanismus dienen. Wird dieser Prozess blockiert, kann die Durchblutung der Nieren massiv absinken. Zudem fördern diese Schmerzmittel die Natrium- sowie Wasserretention im Körper.

Auch auf den Blutdruck haben die Präparate messbare Auswirkungen. Laut der Deutschen Herzstiftung ist Ibuprofen unter anderem bei unbehandeltem Bluthochdruck sowie bei schwerer Herzschwäche kontraindiziert.

Eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 an 444 Personen mit KHK oder erhöhtem kardiovaskulärem Risiko – darunter 408 mit Arthrose und 36 mit rheumatoider Arthritis – zeigte deutliche Unterschiede: Während Celecoxib (zweimal 100 bis 200 mg pro Tag) den Blutdruck nach vier Monaten um 0,3 mmHg senkte, stieg dieser unter Ibuprofen (dreimal 600 bis 800 mg pro Tag) um 3,7 mmHg und unter Naproxen (zweimal 375 bis 500 mg pro Tag) um 1,6 mmHg.

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Berichten aus der Herzmedizin zufolge besteht bei einer regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen über einen Zeitraum von einem bis sieben Tagen bereits eine Risikozunahme von 100 Prozent für einen Herzinfarkt.

Kritische Kombinationen und kardiorenales Syndrom

Besondere Gefahren bestehen durch Wechselwirkungen mit bestehenden Therapien. NSAR schwächen die entwässernde Wirkung von Diuretika wie Furosemid ab. Eine gleichzeitige Behandlung mit Diuretika, ACE-Hemmern oder Sartanen und NSAR gilt in der Praxis als besonders kritisch.

Bei schwerer Niereninsuffizienz mit einer Kreatinin-Clearance von unter 30 mL/min dürfen ACE-Hemmer und ARB nur unter äußerster Vorsicht angewendet werden; zudem können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate nephrotoxisch wirken.

Die Schnittstelle zwischen Herz und Niere ist ohnehin sensibel: Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz weist zugleich eine Nierenerkrankung im Sinne eines kardiorenalen Syndroms auf.

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Fachleute aus der Kardiologie weisen darauf hin, dass NSAR die Nierendurchblutung so stark absenken können, dass dauerhafte Schädigungen drohen. Ein erhöhtes Risiko für ein akutes Nierenversagen tragen zudem ältere Personen sowie Betroffene mit Diabetes mellitus oder Flüssigkeitsmangel infolge von Fieber, Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen.

Auch topische Darreichungsformen sind nicht risikofrei. Schmerzpflaster mit Diclofenac können bei vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen im Rahmen einer Langzeitanwendung das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen. Sie sind nach kürzlich erfolgten Herzoperationen sowie bei schwerer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert.

Dosierungsfragen, Warnzeichen und Alternativen

Selbst eine Einzeldosis gegen leichte Beschwerden erfordert bei Herzschwäche eine strikte ärztliche Abwägung nach Dosis, Begleitmedikation und Nierenstatus.

Fachleute aus der Pharmazie heben hervor, dass Ibuprofen in Dosen von 400 mg und 600 mg bei gewöhnlichen Schmerzen eine vergleichbare Wirksamkeit besitzt, die höhere Dosis jedoch mit mehr Nebenwirkungen einhergeht. Eine eigenmächtige Einnahme von 800 mg durch zwei 400-mg-Tabletten birgt erhebliche Gefahren.

Als konservative Alternativen gelten Bewegung, Wärmeanwendungen oder Physiotherapie. Bei medikamentösem Bedarf kommt Paracetamol infrage, das jedoch bei Lebererkrankungen vermieden werden muss und laut Untersuchungen der Hochdruckliga auch bei Personen mit Bluthochdruck zu Blutdrucksteigerungen führen kann. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen darf die Flüssigkeitszufuhr nicht eigenmächtig verändert werden.

Treten Warnsignale wie rasche Ödembildung, neue oder anhaltende Atemnot, Orthopnoe, plötzliche Gewichtszunahme, reduzierte Urinmenge, Schmerzen in der Brust oder Herzrhythmusstörungen auf, ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.

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de | wissenschaft | 70422003 |