Herzstillstand, Minute

Herzstillstand im Sport: Pro Minute sinkt Überlebenschance um 10%

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umfragen zeigen Unsicherheit bei der Reanimation. Leitlinien, Trainingsangebote und digitale Helfersysteme sollen schnelle Hilfe im Sport fördern.

Erste Hilfe im Sport: Warum Auffrischung Leben retten kann
Leere Sporthalle mit glänzendem Holzboden und Spielfeldmarkierungen bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Der Tag der Ersten Hilfe rückt die medizinische Notfallversorgung bei sportlichen Aktivitäten in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Berichte zu diesem Anlass thematisieren insbesondere die Risiken von Herzstillständen während des Vereinssports und die notwendigen Reaktionen durch Ersthelfende.

Da die Überlebenschance bei einem Herzstillstand laut Angaben der Bayerischen Landesunfallkasse pro Minute ohne Wiederbelebung um zehn Prozent sinkt, spielt die unmittelbare Intervention eine entscheidende Rolle.

Diskrepanz zwischen Problembewusstsein und Handlungssicherheit

Daten der Johanniter-Unfall-Hilfe verdeutlichen eine Lücke zwischen der theoretischen Anerkennung von Erster Hilfe und der praktischen Anwendungskompetenz. Laut einer forsa-Befragung aus dem Jahr 2025 schätzen 97 Prozent der Bürger Erste-Hilfe-Schulungen als relevant ein.

Zwar haben 95 Prozent der Befragten bereits mindestens einen Kurs absolviert, bei 24 Prozent liegt dieser jedoch länger als 20 Jahre zurück. Eine weitere forsa-Umfrage unter 1002 Personen im Auftrag der Johanniter ergab zudem, dass mehr als ein Drittel der Befragten lediglich einmal einen Kurs besuchte und keine Auffrischung vornahm.

Diese mangelnde Routine spiegelt sich im subjektiven Sicherheitsempfinden wider: Lediglich 15 Prozent der Befragten fühlen sich bei der Durchführung einer Herzdruckmassage sehr sicher, während 46 Prozent angaben, sich eher oder sehr unsicher zu fühlen.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe empfiehlt daher eine Auffrischung der Kenntnisse alle zwei Jahre. Im Großraum Hannover bietet die Organisation beispielsweise neunstündige Kurse für 65 Euro sowie digitale Kurztrainings für 19 Euro an.

Aktuelle medizinische Leitlinien und statistische Einordnung

Für die Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen geben Fachorganisationen konkrete Parameter vor. Die Bayerische Landesunfallkasse beziffert die notwendige Tiefe der Herzdruckmassage bei Erwachsenen auf fünf bis sechs Zentimeter.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) verweist zudem auf die Reanimations-Leitlinien 2025 des Deutschen Rates für Wiederbelebung. Diese sehen für bewusstlose Personen mit normaler Atmung die Seitenlage vor, wobei die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes regelmäßig kontrolliert werden muss. Bei fehlender normaler Atmung müsse sofort mit Herzdruckmassage und Beatmung begonnen werden.

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Die Relevanz dieser Maßnahmen wird durch nationale Statistiken unterstrichen. Laut Professor Cesnjevar von der Universitätsklinik Erlangen ereignen sich in Deutschland jährlich rund 65.000 plötzliche Herztode. Die Sana Kliniken Landkreis Leipzig und das Klinikum Ludwigshafen beziffern die Zahl der Herz-Kreislauf-Stillstände außerhalb von Krankenhäusern auf jährlich rund 70.000 Fälle.

Professor Uwe Zeymer von der Stiftung Herzinfarktforschung am Klinikum Ludwigshafen erläuterte, dass über 60 Prozent dieser Vorfälle im privaten Bereich und etwa 15 Prozent in der Öffentlichkeit geschehen. Ab der achten bis neunten Minute seien bleibende Hirnschäden möglich.

Initiativen zur Steigerung der Überlebensraten

Um die Hilfeleistungen im Ernstfall zu beschleunigen, setzen medizinische Einrichtungen auf gezielte Schulungen und technologische Unterstützung. Die Sana Kliniken Landkreis Leipzig bieten in der Woche der Wiederbelebung vom 21. September bis zum 27. September 2026 kostenlose Laienreanimationstrainings für Sportvereine an. Die zweistündigen Termine finden in Grimma, Zwenkau, Wurzen und Borna statt.

In der Region Ludwigshafen und Mannheim wird zudem die „Katretter-App“ beworben, ein System zur Alarmierung registrierter Ersthelfender in der Nähe eines Notfallortes. Laut Berichten beträgt die durchschnittliche Zeit von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in Deutschland 6 Min. 40 Sek. In Ludwigshafen sind rund 900 Ersthelfende in der App registriert, von denen etwa 90 direkt im Stadtgebiet wohnen.

Ein praktisches Beispiel für den Erfolg schneller Erster Hilfe im Sport ist der Fall von Willibald Zauper, der im März 2026 beim Gehfußball in Burgfarrnbach einen Herzstillstand erlitt.

Durch Reanimationsmaßnahmen von Ersthelfenden und den dreimaligen Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED) konnte er gerettet werden. Im Anschluss wurden ihm an der Universitätsklinik Erlangen drei Bypässe gelegt. Laut Professor Cesnjevar werden in Deutschland jährlich über 30.000 solcher Operationen durchgeführt.

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Nur 15 Prozent der Befragten fühlen sich bei der Herzdruckmassage sehr sicher — und bei jedem vierten liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs über 20 Jahre zurück. Mit einer Auffrischungs-Checkliste alle zwei Jahre bringen Sie Ihr Trainerteam zurück auf Stand. Auffrischungs-Checkliste jetzt herunterladen

Neben der Akutversorgung spielt auch die Prävention eine Rolle. Das Land Hessen führt beispielsweise das Programm „Hessen lernt Schwimmen“ im Jahr 2026 fort. Im vorangegangenen Jahr konnten so über 1.200 Kindern und Jugendlichen Schwimmfähigkeiten vermittelt werden, um Unfällen im Wasser vorzubeugen.

Ersthelfende und Nothelfende stehen dabei unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wie unter anderem die Bayerische Landesunfallkasse und die DGUV betonen. Im Jahr 2024 qualifizierten sich über 2,4 Millionen Menschen über ihre Betriebe oder Einrichtungen in Erster Hilfe.

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