Hilfe annehmen: Warum UnterstĂŒtzung laut Steffen HĂ€fner vor Burnout schĂŒtzen kann
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deHilfe anzunehmen fĂ€llt vielen Menschen schwer, obwohl das Einbinden des Umfelds eine wesentliche Strategie zur BewĂ€ltigung von Belastungen darstellt. Laut Steffen HĂ€fner, Facharzt fĂŒr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ărztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos, bedeutet das Akzeptieren von Beistand keineswegs einen Verlust der eigenen FĂ€higkeiten. Vielmehr gehe es darum, nicht jede Herausforderung zwingend allein bewĂ€ltigen zu mĂŒssen.
Ursachen fĂŒr ZurĂŒckhaltung und das Risiko von Ăberlastung
Hinter dem Zögern, UnterstĂŒtzung einzufordern, steht hĂ€ufig die Sorge, anderen zur Last zu fallen oder im sozialen Umfeld als schwach wahrgenommen zu werden. Wie HĂ€fner darlegt, wenden sich viele Betroffene aus genau diesem Grund oft erst sehr spĂ€t an Mitmenschen.
Als wesentliche Ursachen fĂŒr diese ZurĂŒckhaltung benennt der Facharzt prĂ€gende Erfahrungen aus der Kindheit, SchamgefĂŒhle sowie die Furcht vor EnttĂ€uschungen. Hinzu kommen Ăngste vor einem Verlust der persönlichen Kontrolle oder dem Entstehen von AbhĂ€ngigkeiten.
Am 22. Oktober 2026 verwies HÀfner zudem auf gesellschaftliche Faktoren: In vielen Lebensbereichen gelten UnabhÀngigkeit und ausgeprÀgte SelbststÀndigkeit nach wie vor als vorrangig positive Eigenschaften.
Wer UnterstĂŒtzung jedoch kategorisch zurĂŒckweist, obwohl sie sachlich geboten oder dringend erforderlich wĂ€re, setzt sich nach EinschĂ€tzung des Mediziners unnötig unter Druck. Ein solches Verhalten bilde einen NĂ€hrboden fĂŒr die Entstehung eines Burnouts.
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Autonomie und Vertrauen im Gleichgewicht
Nach HĂ€fners Auffassung bilden Autonomie und HilfsbedĂŒrftigkeit keine GegensĂ€tze. Um Beistand zu bitten, könne vielmehr Ausdruck einer selbstbewussten Haltung sein. DarĂŒber hinaus vermittle der Schritt der angesprochenen Person WertschĂ€tzung und Vertrauen. Es handele sich um eine StĂ€rke, von der letztlich alle Beteiligten profitieren können.
Gleichzeitig komme es auf die richtige Balance an: Externe UnterstĂŒtzung entlastet im Alltag, das Erarbeiten eigenstĂ€ndiger LösungsansĂ€tze bleibt daneben jedoch weiterhin ein wesentlicher Faktor fĂŒr die persönliche StabilitĂ€t.
EvolutionÀre Denkmuster und der Umgang mit Belastung
ErgĂ€nzend zu den individuellen Hemmschwellen beeinflussen evolutionĂ€re Wahrnehmungsmuster, wie Belastungen bewĂ€ltigt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heben hervor, dass Menschen dazu neigen, ihre Aufmerksamkeit vor allem auf einzelne Dinge zu richten, die misslingen â selbst wenn zur gleichen Zeit zahlreiche Aufgaben gelingen.
Diese stĂ€rkere Ausrichtung auf Gefahren und Risiken stellt ein Relikt aus frĂŒheren Entwicklungsphasen dar, in denen das frĂŒhzeitige Erkennen von Bedrohungen einen evolutionĂ€ren Vorteil bot. In der Gegenwart fĂŒhrt dies dazu, dass sich Menschen an gleichbleibend positive UmstĂ€nde gewöhnen und diese als selbstverstĂ€ndlich hinnehmen, wĂ€hrend negative Ereignisse sofort ins Auge springen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen darauf hin, dass dieser intensive Fokus auf Probleme heute nicht mehr erforderlich sei, um Zufriedenheit und beruflichen Erfolg zu sichern. Einem solchen Negativtrend lasse sich gezielt entgegenwirken.
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Durch ein geschĂ€rftes Bewusstsein, Achtsamkeit und kontinuierliches Training â etwa ĂŒber das tĂ€gliche Befolgen von drei einfachen Alltagsregeln â lasse sich die Wahrnehmung stabilisieren und die Belastbarkeit im Alltag stĂ€rken.
