Hirnstimulation bei Depression: Personalisierte Steuerung senkt MADRS-Werte stÀrker
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerfahren der nicht-invasiven Hirnstimulation stehen zunehmend im Fokus der psychiatrischen und neurowissenschaftlichen Forschung. Aktuelle Studien und klinische Projekte untersuchen, inwieweit Methoden wie die transkranielle Gleichstromstimulation oder die repetitive transkranielle Magnetstimulation dazu beitragen können, Symptome psychischer Erkrankungen gezielter zu lindern.
Im Mittelpunkt stehen dabei differenzierte AnsÀtze, die von der Emotionsregulation bei Jugendlichen bis zur individuellen Netzwerkmodellierung bei schwer behandelbaren Depressionen reichen.
Gleichstromstimulation bei Jugendlichen zur StÀrkung der Emotionsregulation
Am ABC BRAIN Lab der Medizinischen UniversitĂ€t Wien untersucht das vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderte Projekt «eBrain» (Laufzeit 2021â2026) unter der Leitung von Lilian Konicar den Einsatz transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS).
Ziel ist es, die Emotionsregulation bei 13- bis 18-JĂ€hrigen mit psychischen Erkrankungen zu verbessern. Dabei wird der ventromediale prĂ€frontale Cortex stimuliert, wĂ€hrend den Jugendlichen Filmausschnitte aus «Inside Out» gezeigt werden, ergĂ€nzt durch ein adaptives computergestĂŒtztes Emotionstraining.
Die Untersuchung folgt einem dreifach verblindeten Design und umfasst zwei intensive Behandlungswochen. Messungen erfolgen vor und nach der Intervention sowie nach einem und drei Monaten mittels Fragebögen, Eye-Tracking, Elektroenzephalografie (EEG) und Magnetresonanztomografie (MRT).
Wie aus einem Bericht vom 2. November 2026 hervorgeht, haben bereits mehr als 90 Jugendliche die Studie absolviert, wÀhrend die Datenerhebung kurz vor dem Abschluss steht.
Neurofeedback als Ansatz bei chronischer Fatigue
Aufbauend auf diesen Arbeiten widmet sich das FWF-Folgeprojekt «INSPIRE» am selben Institut einem weiteren neurobiologischen Ansatz. Untersucht wird der Einsatz von Neurofeedback bei 60 Jugendlichen und Erwachsenen mit Myalgischer Enzephalomyelitis beziehungsweise chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS).
Die Teilnehmenden absolvieren zwei bis drei Sitzungen pro Woche. Zu den erfassten Endpunkten zÀhlen neben der LebensqualitÀt, Erschöpfung, SchlafqualitÀt und Schmerzen auch depressive Symptome, Griffkraft und VerÀnderungen im Ruhe-EEG.
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Grenzen kognitiver VerstÀrkung bei bipolarer Störung
Dass Stimulationsprotokolle nicht in jeder Kombination den erhofften Mehrwert liefern, verdeutlicht eine explorative, randomisierte und scheinkontrollierte Studie, ĂŒber die «Nature Molecular Psychiatry» Ende Oktober 2026 berichtete.
Darin erhielten 96 euthyme Patientinnen und Patienten mit bipolarer Störung Typ II und subjektiver kognitiver BeeintrĂ€chtigung eine aktive oder scheinkontrollierte 10-Hz-rTMS ĂŒber dem linken inferioren Parietallobulus, kombiniert mit einer komplexen oder einfachen kognitiven Aufgabe. Insgesamt 83 Teilnehmende schlossen die zehn Sitzungen an fĂŒnf Tagen ab.
In der Gesamtauswertung (Intention-to-treat) zeigte sich nach statistischer Korrektur keine signifikante Wechselwirkung zwischen Stimulation und kognitiver Aufgabe. Die Werte fĂŒr wahrgenommene kognitive Defizite sanken in allen vier Gruppen gleichermaĂen.
Das Forschungsteam schlussfolgerte, dass keine statistisch robuste Evidenz dafĂŒr vorliege, dass eine komplexe kognitive Aufgabe die akuten Effekte der Stimulation auf das ArbeitsgedĂ€chtnis verstĂ€rkt.
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Fortschritte beim personalisierten Targeting gegen Depressionen
Gleichzeitig deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die Wirksamkeit der Magnetstimulation bei therapieresistenter Depression durch eine prÀzisere Zielsteuerung verbessert werden kann.
In einer Studie in «JAMA Psychiatry» aus dem Juni 2026 zeigte sich bei 40 Erwachsenen mit behandlungsresistenter Depression ein Vorteil einer netzwerkbasierten Steuerung: Die mediane Reduktion auf der Depressionsskala MADRS lag nach einem Monat bei 24 Punkten unter konnektivitĂ€tsgefĂŒhrter Stimulation gegenĂŒber 18 Punkten bei konventioneller Platzierung (p = 0,02).
ErgĂ€nzend dazu beschrieb eine 2026 in «Imaging Neuroscience» veröffentlichte Arbeit (unter Beteiligung von Leon Ooi) einen Algorithmus fĂŒr personalisierte TMS, der funktionelle KonnektivitĂ€t und die NĂ€he zur Kopfhaut gemeinsam berĂŒcksichtigt.
Modellrechnungen zufolge ermöglicht dieser Ansatz gĂŒnstigere Targeting-Eigenschaften und hypothetisch rund 15 Prozent beziehungsweise 5 Prozent geringere StimulationsintensitĂ€ten als zwei Alternativverfahren.
