Hirudo-Trojaner, Android-Malware

Hirudo-Trojaner: Android-Malware ersetzt Banking-Apps durch Kopien

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 04:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schadsoftware tauscht Finanz-Apps aus, spÀht sensible Daten aus und ermöglicht Angreifern die Fernsteuerung infizierter GerÀte.
Dunkler, moderner Serverraum mit metallischen SchaltschrÀnken in einer minimalistischen, atmosphÀrischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle Akteure passen ihre Methoden beim mobilen Online-Banking grundlegend an. Wie Sicherheitsforscher des Unternehmens ThreatFabric beobachten, verzichten Angreifer zunehmend auf herkömmliche Maschen mit SMS-Codes und setzen stattdessen auf verstÀrkten psychologischen Druck sowie hochentwickelte Schadsoftware.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht der neu identifizierte Android-Banking-Trojaner Hirudo, der eine besonders aggressive Form der GerÀtemanipulation nutzt.

VollstÀndiger Austausch legitimer Finanz-Apps

Die Schadsoftware tarnt sich nach Erkenntnissen von ThreatFabric als scheinbar harmlose Shopping-, Unterhaltungs- oder Kurzvideo-Anwendung. Zu den bekannten TrÀger-Apps gehören unter anderem Programme mit Bezeichnungen wie Shopora, 1V1 X, ZoyaTV und KoiShort. Nach der Installation fordern die Anwendungen unter dem Vorwand eines Updates weitreichende Zugriffsrechte an, insbesondere den Zugriff auf die Android-Bedienungshilfen.

Sobald diese Berechtigungen erteilt wurden, geht die Malware zu einem drastischen Schritt ĂŒber: Sie entfernt die auf dem GerĂ€t installierte Original-Banking-App und ersetzt sie durch eine modifizierte Kopie.

Um SicherheitsprĂŒfungen zu unterlaufen, setzt Hirudo auf Hooking-Frameworks wie YAHFA und Dobby. Damit fĂ€lscht der Trojaner Signaturzertifikate, verbirgt die im Hintergrund aktiven Bedienungshilfen-Dienste, schaltet den systemseitigen Screenshot-Schutz ab und leitet Anfragen der Sicherheitsfunktion Play Integrity direkt an von den Angreifern kontrollierte Server weiter.

Umfangreiche Spionage- und Fernsteuerungsfunktionen

Hirudo beschrĂ€nkt sich nicht auf das bloße Abfangen von Daten, sondern kombiniert Eigenschaften klassischer Banking-Trojaner mit den Funktionen eines Remote-Access-Trojaners. Angreifer können Bankpasswörter, Zahlungs- und GerĂ€te-PINs, SMS-Nachrichten sowie Bildschirminhalte abgreifen und auf Kamera sowie Mikrofon des GerĂ€ts zugreifen.

Zudem erlaubt die Schadsoftware die vollstĂ€ndige Fernsteuerung ĂŒber die Bedienungshilfen. Gestohlene SMS-Codes werden nach Analysen der Forscher ĂŒber einen Zeitraum von 90 Tagen hinweg abgefangen.

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Die interne Registry der Schadsoftware umfasst insgesamt 42 Finanz-Apps. BestĂ€tigte App-Ersetzungen betreffen bislang acht Banking-Apps von sieben Instituten in Indonesien. DarĂŒber hinaus gibt es Hinweise auf Angriffe in weiteren LĂ€ndern, darunter China, Indien, Mexiko, Marokko und Thailand. Die genaue Gesamtzahl der Opfer ist zwar unbekannt, laut ThreatFabric dĂŒrften sich die FĂ€lle jedoch im vierstelligen Bereich bewegen.

Gezielte TĂ€uschung bei Bankanwendungen

In einem analysierten Fall nutzte Hirudo ein gefĂ€lschtes Bezahlfenster mit dem Branding des Finanzdienstleisters Maybank. Dieser manipulierte Bildschirm forderte in einer transparenten Android WebView zur PIN-Eingabe auf, unterstĂŒtzte acht verschiedene Sprachen und ĂŒbermittelte die eingegebenen Daten zusammen mit den Transaktionsdetails direkt an die Angreifer-Server, bevor eine gefĂ€lschte Erfolgsmeldung angezeigt wurde.

Allerdings gibt es nach Angaben der Forscher keinen bestÀtigten Hinweis darauf, dass die hauseigene MAE-App von Maybank selbst kompromittiert wurde oder dass Maybank-Kunden durch Hirudo finanzielle Verluste erlitten haben.

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Backend-Daten aus dem August 2026 enthielten jedoch Tausende DatensÀtze mit Zugangsdaten. Das Institut hatte bereits am 26. September 2026 mit der Versionsnummer 0.9.51 den integrierten Schutz vor Schadsoftware in seiner MAE-App erweitert.

Alarmsignale und Schutzmaßnahmen

Sicherheitsanalysten weisen auf mehrere Warnsignale hin, die auf eine Infektion hindeuten können. Dazu zĂ€hlen unbekannte Apps auf dem GerĂ€t, verdĂ€chtige Update-Aufforderungen, unerwartete Nachfragen nach Bedienungshilfen-Rechten oder eine plötzliche Neuinstallation der gewohnten Banking-App. Auch unbekannte Login-Meldungen, auffĂ€llige SMS-AktivitĂ€ten oder LeistungseinbrĂŒche des Smartphones können Anzeichen sein.

Zum Schutz vor derartigen Angriffen wird empfohlen, Anwendungen grundsĂ€tzlich nur aus offiziellen Plattformen zu beziehen und Google Play Protect aktiviert zu lassen. Zugriffsrechte fĂŒr Bedienungshilfen sollten streng beschrĂ€nkt und das Betriebssystem stets aktuell gehalten werden.

Zudem sollten Aktualisierungen von Banking-Apps ausschließlich ĂŒber verifizierte VertriebskanĂ€le erfolgen und vertrauliche Daten keinesfalls auf ungeprĂŒften Bildschirmen eingegeben werden.

Mehr zum Thema bei CHIP: „Neue Android-Malware ersetzt Banking-Apps durch manipulierte Version und greift Daten ab“

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