Hitze-Rekorde: 41,7 Grad in Brandenburg – wie Wohnungen kühl bleiben
30.06.2026 - 01:48:38 | boerse-global.de
Ende Juni 2026 wurden in Neißemünde (Brandenburg) 41,7 Grad gemessen, in Berlin-Tempelhof 39,9 Grad. Für viele Bewohner wird die Frage drängend: Wie hält man die Wohnung kühl – ohne teure Umbauten?
Fachleute und Politiker diskutieren verschiedene Ansätze. Die Palette reicht von technischer Nachrüstung bis zu passiven Strategien. Ein Überblick.
Split-Klimaanlagen: Effizient, aber kompliziert
Split-Klimaanlagen gelten als effiziente Lösung. Doch ihr Einbau ist oft mit Hürden verbunden. In Eigentümergemeinschaften braucht es in der Regel einen Mehrheitsbeschluss der Wohnungseigentümer (WEG). Ein Urteil des Amtsgerichts Ludwigshafen aus dem Jahr 2022 zeigt zudem: Selbst wenn der Einbau zulässig ist, kann der Betrieb bei Lärmbelästigung eingeschränkt werden.
Bei Mietwohnungen sieht der Gesetzgeber vor: Vermieter können acht Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete umlegen. Die laufenden Stromkosten sind dagegen ohne explizite Vereinbarung nicht umlagefähig.
Die Branche steht vor einem Wandel. Das Kältemittel R36 steht vor einem Verbot, bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz. Moderne mobile Geräte nutzen vermehrt R290 (Propan) und erreichen Energieeffizienzklasse A. Sie eignen sich für Räume bis 27 Quadratmeter und leisten zwischen 2,1 und 2,9 Kilowatt.
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Politisch wird über Förderungen diskutiert. Die Grünen-Fraktionsspitze forderte Ende Juni ein Sofortprogramm für kombinierte Klima-Solar-Anlagen. Besonders soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kitas und Schulen sollen profitieren.
Passive Kühlung: Was wirklich hilft
Nicht jeder kann oder will eine Klimaanlage einbauen. Experten empfehlen einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen:
- Betten von Außenwänden abrücken, die nachmittags in der Sonne liegen
- Außenrollos konsequent nutzen, um Hitzeeintrag zu minimieren
- Ungenutzte Elektrogeräte ausschalten – sie sind interne Wärmequellen
- In kühlen Nacht- oder Morgenstunden querlüften
- Ventilatoren so positionieren, dass sie warme Luft nach draußen befördern
Auch die Küche spielt eine Rolle. Wer auf kalte Speisen umstellt, vermeidet die zusätzliche Erwärmung durch Herd oder Backofen.
In Extremsituationen greifen Institutionen zu Sofortmaßnahmen. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) beschaffte während der Hitzewelle 3.000 Kühltücher.
Fernkälte und Tiny Forests: Kühlung im großen Stil
Über die einzelne Wohnung hinaus gewinnen großflächige Konzepte an Bedeutung. In Österreich wächst der Fernkälte-Sektor rasant. Das Netz ist rund 45 Kilometer lang, die Leistung beträgt 211 Megawatt. Der Absatz hat sich seit 2009 fast verzehnfacht. In Wien sind über 200 Gebäude an zentrale Kältezentralen angeschlossen. Bis 2035 sind Investitionen von über 190 Millionen Euro geplant.
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Ein ökologischer Ansatz sind „Tiny Forests“ nach der Miyawaki-Methode. In Frankfurt entstand ein solcher Mini-Wald auf 700 Quadratmetern mit rund 1.000 Pflanzen. Die Kosten: etwa 60.000 Euro. Die Flächen kühlen durch Verdunstung und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel.
Experten weisen allerdings darauf hin: Alte, große Bäume leisten deutlich mehr Kühlung als Neuanpflanzungen.
Der NABU betont die Bedeutung der Grünflächenpflege. Selteneres Mähen und das Belassen von Blühwiesen helfen dem Boden, Feuchtigkeit zu speichern. Die Umgebungstemperatur bleibt niedriger als bei kurz geschorenem Rasen.
