Hitze-Risiko: 61% der Deutschen trinken in Hitzewellen zu wenig
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 10:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Durchschnittstemperatur lag bei 20,74 Grad – drei Grad über dem Referenzwert der Jahre 1991 bis 2020. Das meldet der europäische Klimawandeldienst Copernicus.
In Deutschland wurde am 27. Juni ein neuer Hitzerekord aufgestellt: In Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) kletterte das Thermometer auf 41,8 Grad. Insgesamt meldeten 46 Stationen des Deutschen Wetterdienstes an diesem Tag Temperaturen von über 40 Grad.
Wenn die Nacht keine Erholung bringt
Städte heizen sich besonders auf. Der sogenannte Wärmeinsel-Effekt sorgt dafür, dass urbane Ballungsräume nachts kaum abkühlen. Die Folge: Der Körper findet keine Erholungsphase.
Ein Beispiel zeigt das Ausmaß: In der Nacht zum 28. Juni wurden in der Münchener Innenstadt 25,2 Grad gemessen, während es am Flughafen nur 16,8 Grad waren – eine Differenz von fast zehn Grad. In Freiburg registrierten die Messstationen 13 aufeinanderfolgende Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel.
Paradox: Klimaanlagen verstärken den Effekt sogar. Eine Modellrechnung für Paris zeigte, dass die Außentemperatur durch den massiven Einsatz von Kühlgeräten um bis zu zwei Grad steigen kann.
Flüssigkeitsmangel als unterschätzter Risikofaktor
Die Hitze wird durch ein weit verbreitetes Trinkdefizit verschärft. Rund 61 Prozent der Menschen in Deutschland decken ihren Flüssigkeitsbedarf während Hitzewellen nicht. Besonders betroffen sind Frauen: Nur 36,5 Prozent von ihnen trinken ausreichend, bei den Männern sind es 40,7 Prozent.
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Die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen hat mit einem Defizit von 0,44 Litern pro Tag die größten Probleme. In Hessen liegt das durchschnittliche Minus bei 0,17 Litern täglich.
Dehydrierung setzt den Körper zusätzlich unter Stress. Das kann die hormonelle Balance stören – und damit auch den Menstruationszyklus beeinflussen. Schätzungsweise 410 Millionen Europäer waren zwischen dem 15. und 30. Juni Temperaturen von über 35 Grad ausgesetzt.
Hitzetote: Die traurige Bilanz
Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Das Robert Koch-Institut schätzt für die Zeit von April bis zum 28. Juni 2026 insgesamt 5.120 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland. Allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni wurden 4.310 Todesfälle auf die Hitze zurückgeführt.
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Das Statistische Bundesamt registrierte in dieser Woche eine Übersterblichkeit von rund 6.800 Fällen – etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gefährdet sind ältere Menschen: In der Gruppe der über 85-Jährigen gab es 2.950 Opfer, bei den 75- bis 84-Jährigen waren es 1.320.
Milliarden für den Hitzeschutz gefordert
Patientenschützer schlagen Alarm. Sie fordern ein 30-Milliarden-Euro-Programm, um Pflegeheime und Kliniken besser auszurüsten. Der Grund: Nur 14,5 Prozent der Neubauten im Sozialwesen verfügen über eine Kühlung. Ungekühlte Patientenzimmer sind in Krankenhäusern noch immer die Regel.
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