Spanien, Frankreich

Warum die BrÀnde in Frankreich und Spanien Rekorde brechen

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 05:00 Uhr | dpa.de

Hitze, Trockenheit, Verbuschung: Feuer haben es in SĂŒdwesteuropa zunehmend leicht, zum Flammen-Inferno zu werden. Ausgerechnet Regen hat die Gemengelage in diesem Jahr noch verschĂ€rft.

  • Die BrĂ€nde in Spanien und Frankreich ... - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
    Die BrÀnde in Spanien und Frankreich ... - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
  • In Frankreich und Spanien wĂŒten in diesem Jahr besonders gewaltige BrĂ€nde, wĂ€hrend es in Italien und Griechenland noch wenige große BrĂ€nde gab. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa
    In Frankreich und Spanien wĂŒten in diesem Jahr besonders gewaltige BrĂ€nde, wĂ€hrend es in Italien und Griechenland noch wenige große BrĂ€nde gab. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa
  • Die wesentliche GesundheitsgefĂ€hrdung bei einem Waldbrand entsteht durch die Feinstaubbelastung, sagt das Umweltbundesamt. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa
    Die wesentliche GesundheitsgefÀhrdung bei einem Waldbrand entsteht durch die Feinstaubbelastung, sagt das Umweltbundesamt. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa
  • Nur auf Feuer zu reagieren, reiche nicht, sagen Fachleute vom Wissenschaftsnetzwerk EASAC.  - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
    Nur auf Feuer zu reagieren, reiche nicht, sagen Fachleute vom Wissenschaftsnetzwerk EASAC. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
Die BrĂ€nde in Spanien und Frankreich ... - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa In Frankreich und Spanien wĂŒten in diesem Jahr besonders gewaltige BrĂ€nde, wĂ€hrend es in Italien und Griechenland noch wenige große BrĂ€nde gab. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa Die wesentliche GesundheitsgefĂ€hrdung bei einem Waldbrand entsteht durch die Feinstaubbelastung, sagt das Umweltbundesamt. - Bild: Alberto Ortega/EUROPA PRESS/dpa Nur auf Feuer zu reagieren, reiche nicht, sagen Fachleute vom Wissenschaftsnetzwerk EASAC.  - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa

In Spanien wĂŒtet der grĂ¶ĂŸte Waldbrand in der jĂŒngeren Geschichte des Landes. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter FlĂ€che seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert. Dabei ist die Waldbrand-Saison noch lange nicht vorbei - im Gegenteil, eigentlich geht sie im August erst so richtig los. 

Warum sind die WaldbrÀnde in Frankreich und Spanien so gewaltig?

Ein wichtiger Faktor waren die starken NiederschlĂ€ge im Januar und Februar. Damals brach ein Wintersturm nach dem nĂ€chsten ĂŒber die beiden LĂ€nder herein: Felder wurden ĂŒberschwemmt, Autos in braunen Fluten davongerissen, unzĂ€hlige Strommasten gekippt.

«Nach feuchten Wintern gibt es in SĂŒdwesteuropa beste Wachstumsbedingungen fĂŒr die Pflanzen», sagt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut fĂŒr Schnee- und Lawinenforschung SLF. GrĂ€ser, StrĂ€ucher und Unterholz schossen in die Höhe. «Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich BrĂ€nde schnell und stark ausbreiten können, sobald eine ZĂŒndquelle auftritt.»

Welche Rolle spielen Wolken und Winde?

TatsĂ€chlich sind die BrĂ€nde so heftig, dass sie teilweise wohl ihr eigenes Wetter erzeugten: Über besonders heißen und großen WaldbrĂ€nden können spezielle Gewitterwolken entstehen, Pyrocumulonimbus genannt. Diese Feuerwolken sorgen fĂŒr gewaltige Windböen, was die BrĂ€nde weiter anfacht, und aus ihrem Inneren können Blitze zum Boden zucken. 

Möglicherweise sind bei den immensen BrĂ€nden in der NĂ€he von Bordeaux in Frankreich solche Wolken entstanden - was absolut außergewöhnlich wĂ€re. «Sie sind in Europa sehr selten», sagte Jason MĂŒller, der am Leibniz-Institut fĂŒr TroposphĂ€renforschung in Leipzig diese Wolkenform erforscht. In Portugal habe es 2017 welche gegeben, sonst seien keine bekannt. 

Laut Christophe Chantepy, einem Brandschutz-Experten beim Nationalen Forstamt Frankreichs, sind diese Art von Wolken auch deswegen so gefĂ€hrlich, weil sie das Feuer unberechenbar machten. «Neue BrĂ€nde sind viel wahrscheinlicher, da glĂŒhende TrĂŒmmer, also brennende Pflanzenreste, aus der KonvektionssĂ€ule herausgeschleudert werden können», sagte er der Zeitung «Le Monde».

Was steht SĂŒdwesteuropa noch bevor?

«Jede weitere Hitzewelle macht die Situation nicht besser», sagt Miller, die gerade eine Studie zu sich gegenseitig verstĂ€rkenden Waldbrandrisiken veröffentlicht hat. Sie habe eine Skizze gemalt, welche die Lage illustriert: «Eine Sonne mit einem Strohhalm, mit dem sie die Feuchtigkeit aus Boden und Pflanzen zieht.» Je wĂ€rmer es sei, desto mehr Feuchtigkeit könne die AtmosphĂ€re aufnehmen, und desto schneller ziehe sie die Feuchtigkeit aus Seen, FlĂŒssen, Pflanzen und Boden.

Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der EuropĂ€ischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel FlĂ€che abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fĂŒnffache FlĂ€che. 

Miller geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere schlimme WaldbrĂ€nde folgen. «Wir brĂ€uchten Feuchtigkeit in der Vegetation und im Boden, damit WaldbrĂ€nde sich weniger schnell ausbreiten können.» Aber unter den derzeitigen Bedingungen wachse nichts nach. Selbst wenn es jetzt mal kurz regne, wĂŒrden Boden und Pflanzen nur oberflĂ€chlich angefeuchtet. «Wenn es weiter so heiß und trocken bleibt, kann man da vorerst nicht mit Entspannung rechnen.»

Wie stark trÀgt der Klimawandel zu der Eskalation bei?

Eine so extreme BodendĂŒrre wie in diesem Jahr in Westeuropa sei etwa fĂŒnfmal wahrscheinlicher als ohne die menschengemachte KlimaerwĂ€rmung, heißt es in einer jĂŒngst vorgestellten Analyse der World Weather Attribution (WWA). Niederschlagsdefizite, die frĂŒher keine DĂŒrre ausgelöst hĂ€tten, wĂŒrden heute zu DĂŒrrebedingungen fĂŒhren. Denn ausschlaggebend sei nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung.

Derzeit liegt die Erde bei einer KlimaerwĂ€rmung von etwa 1,4 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. «Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und DĂŒrren wie diese zu einem regelmĂ€ĂŸigen Ereignis machen», sagte Mariam Zachariah vom Imperial College London und der WWA vergangene Woche.

Ihr Kollege Theo Keeping gibt aktuell zu bedenken, dass die wahren Kosten der BrĂ€nde unterschĂ€tzt wĂŒrden, weil die Rauchbelastung zu zahlreichen zusĂ€tzlichen TodesfĂ€llen fĂŒhre. Laut Umweltbundesamt entsteht die wesentliche GesundheitsgefĂ€hrdung bei BrĂ€nden durch die hohe Feinstaubbelastung.

Was kann man gegen diese Entwicklung tun? 

Langfristig sei natĂŒrlich eine Begrenzung des Klimawandels zentral, meint Forscherin Miller. Doch klar sei: In den kommenden Jahren verschlimmere sich die Feuerwetterlage weiter. «Deswegen mĂŒssen wir auf jeden Fall auch stĂ€rker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen.» 

Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, mahnte im vergangenen Jahr ebenfalls eine verĂ€nderte BrandbekĂ€mpfung an. Wichtig sei es nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern die Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten von BrĂ€nden begĂŒnstigen - etwa durch verbesserte Landschaftsplanung.

In Spanien beklagen Fachleute auch, dass WĂ€lder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt wĂŒrden und sich dadurch große Mengen brennbaren Materials ansammelten. «Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen», betont Forstexperte Paco Castañares in der Zeitung «El Español». Dabei geht es um das WegrĂ€umen ausgetrockneter Vegetation und das Errichten von Schutzstreifen als Feuerbarrieren vor allem in der NĂ€he von bewohnten Gebieten. 

Auch ist die Landflucht ein Problem: Weil viele Menschen in die StÀdte ziehen und Dörfer leerstehen, werden landwirtschaftliche FlÀchen aufgegeben - die Verbuschung nimmt dadurch zu. Auch fehlt Fachleuten zufolge in vielen Landschaften im Mittelmeerraum die Beweidung durch Ziegen und Schafe, wodurch die FlÀchen zuwachsen.

Der US-Waldbrandexperte Lindon Pronto sprach sich dafĂŒr aus, in besonders gefĂ€hrdeten Gebieten Vegetation gezielt abzubrennen. «Das heißt vor allem, mildes Feuer einsetzen» - das bedeute, nicht im Hochsommer, sondern zu anderen Jahreszeiten kontrolliert Feuer zu legen, um «ganz sanft» die Brennmaterialschicht zu verringern. Die WaldbrĂ€nde im Sommer wĂ€ren dann nicht so intensiv und folgenreich wie jetzt etwa in Frankreich und Spanien, erlĂ€uterte der MitbegrĂŒnder der Initiative Waldbrand-Klima-Resilienz im Westdeutschen Rundfunk (WDR5).

MĂŒssen solche BrĂ€nde auch in Deutschland befĂŒrchtet werden?

«Im Zuge des Klimawandels werden sich wĂ€rmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europĂ€ischen Breiten ausdehnen», heißt es in einer im Dezember erschienenen Studie im Fachjournal «Communications Earth and Environment». Das verstĂ€rke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer WaldbrĂ€nde auch dort steige.

Eine weitere Studie, die sich gezielt mit den Einzugsgebieten von Donau, Main und Elbe beschĂ€ftigt, kommt zu dem Ergebnis, dass die Waldbrandgefahr im Laufe des Jahrhunderts ĂŒberall deutlich zunimmt - vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. «Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.»

Die Umweltorganisationen WWF weist darauf hin, dass es solche WĂ€lder wie in der NĂ€he von Bordeaux, nĂ€mlich gepflanzte Kiefern-Monokulturen auf Sandboden, auch in Deutschland vielfach gibt. «Es ist kein Alarmismus davor zu warnen, dass solche BrĂ€nde in Zeiten der Klimakrise auch in Deutschland möglich sind», erklĂ€rte Peer Cyriacks, Programmleiter Wald beim WWF Deutschland. Die WĂ€lder mĂŒssten dringend zu MischwĂ€ldern aus Laub- und NadelbĂ€umen umgebaut werden.

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