Hitze und Psyche: +25% Angststörungen bei Kindern in Hitzewellen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende Temperaturen erhöhen das Risiko für Angststörungen und Depressionen bei jungen Menschen massiv. Forscher der Flinders University fanden: Schon ein Grad mehr steigert das Risiko für psychische Folgeschäden bei Kindern um knapp ein Prozent. Bei Hitzewellen steigt die Gefahr für 5- bis 18-Jährige sogar um 25 Prozent.
Notaufnahmen melden mehr psychische Krisen
Die Wissenschaftler beobachten eine Zunahme von Notaufnahme-Aufenthalten wegen Angststörungen, Depressionen und Suizidversuchen. Als Schutzmaßnahmen empfehlen sie Belüftungssysteme, gekühlte Klassenzimmer und mehr Schattenplätze. Die Studie erschien im August im International Journal of Epidemiology.
Die Lage in Deutschland bestätigt den Trend. Das Robert Koch-Institut zählt für 2026 bislang rund 11.900 Hitzetote. Allein in der Woche ab dem 22. Juni starben etwa 9.600 Menschen – bei einer Wochenmitteltemperatur von 26,4 Grad.
Schulen stehen vor doppelter Herausforderung
Die psychische Verfassung von Schülern ist ohnehin angespannt. Das Schulbarometer 2025/26 zeigt: 16 Prozent der Schüler fühlen sich wenig wohl, 25 Prozent zeigen psychische Auffälligkeiten. Ein Fachbuch der Universität Leipzig und der Hochschule Hannover fordert deshalb, das Thema Wohlbefinden verbindlich in der Lehrerbildung zu verankern.
Wien denkt bereits über strukturelle Konsequenzen nach: Anfang August kam der Vorschlag auf, die Sommerferien vorzuverlegen. So sollen die heißesten Phasen nicht in den Unterricht fallen. Lehrerverbände verlangen konkrete Hitzeschutzmaßnahmen, die Politik setzt auf eine Offensive für öffentliche Gebäude.
Auch pflegende Angehörige rücken in den Fokus. Die Augustinum Klinik Bischofswiesen startete im August eine zweijährige Familienstudie mit der Universität Würzburg. Sie untersucht Belastungen und Wohlbefinden von Eltern und Pflegenden unter Hitzestress.
Hitzewellen belasten Kinder psychisch stärker als gedacht – das Risiko für Angststörungen steigt um 25 Prozent. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind mit einfachen Maßnahmen schützen können. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Warum die Gefahr verdrängt wird
Trotz belegbarer Risiken bleibt die Klimakrise hinter anderen Sorgen zurück. Die Psychologin Nadja Hirsch vom Institut für Klimapsychologie München erklärt das mit dem „Finite Pool of Worry“: Die Kapazität für Sorgen ist begrenzt. Die Bedrohung durch die Erderwärmung wird verdrängt – selbst bei akuten Hitzewellen.
Hirsch kritisiert auch die mediale Darstellung. Bilder von Menschen in Freibädern bei Extremtemperaturen untergraben die Warnsignale. Sie fördern die Verdrängung der tatsächlichen Gefahr statt sie zu bekämpfen.
Hitze kostet Milliarden
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Das Institut für Höhere Studien (IHS) prognostiziert für Österreich einen BIP-Verlust von 0,7 Prozent – knapp drei Milliarden Euro. Über globale Lieferketten könnten die indirekten Kosten binnen drei Jahren auf sechs Milliarden Euro steigen. Besonders betroffen: Bauwirtschaft und Landwirtschaft.
Wenn Ihr Kind bei Hitze gereizt oder ängstlich reagiert, sind das Warnsignale. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie die psychische Belastung erkennen und mit praktischen Tipps gegensteuern. Ratgeber für starke Nerven jetzt sichern
Was hilft? Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt Getränkevorräte – mindestens zwei Liter Wasser pro Person und Tag. Projekte wie „Cool pflegen“ in Bayern entwickeln Handlungshilfen für Pflegeeinrichtungen und Kitas.
Ein Gericht in New Mexico schickt derweil ein Signal an die Tech-Branche: Meta muss 567 Millionen US-Dollar in einen Fonds für die psychische Gesundheit Jugendlicher zahlen. Auflage: Innerhalb von fünf Jahren strukturelle Änderungen zum Schutz junger Nutzer umsetzen. Das Unternehmen kündigte bereits Rechtsmittel an.
