Hitzebelastung: Frauen leiden doppelt so stark wie Männer
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 14:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
In nur einer Woche starben mehr als 10.000 Menschen zusätzlich. Besonders betroffen: ältere Menschen über 65.
Übersterblichkeit erreicht alarmierende Werte
Das Netzwerk EuroMOMO zählte für die Woche vom 22. bis 28. Juni 10.650 zusätzliche Todesfälle in 27 europäischen Ländern. Über 9.000 davon entfielen auf die Altersgruppe der über 65-Jährigen. Frankreich und Belgien meldeten eine besonders hohe Übersterblichkeit.
Forscher der World Weather Attribution sehen einen klaren Zusammenhang: Ohne den Klimawandel wären solche Hitzewellen praktisch unmöglich.
Deutschland: 5.100 Hitzetote im Juni
Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle für Juni auf rund 5.100. Die Berechnung basiert auf einem Vergleich: In einer Hitzewoche starben 24.000 Menschen, der Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025 lag bei 18.000.
Allein in Nordrhein-Westfalen registrierte das RKI bis zum 28. Juni 1.230 Hitzetote. In England und Wales starben im Mai und Juni 2.700 Menschen durch Hitze – 42 Prozent dieser Fälle gehen auf den Klimawandel zurück.
Frauen leiden stärker unter Hitze
Ein Hitzereport der DAK zeigt deutliche Unterschiede: 40 Prozent der befragten Frauen klagten über hitzebedingte Beschwerden, bei Männern waren es nur 21 Prozent. Die Forsa-Umfrage mit 1.519 Teilnehmern lief vom 22. Juni bis 1. Juli.
Die häufigsten Symptome: Müdigkeit (71 Prozent), Schlafprobleme (68 Prozent), Kreislaufbeschwerden (64 Prozent) und Kopfschmerzen (52 Prozent).
Hitze belastet auch die Psyche
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Extreme Temperaturen beeinträchtigen die kognitive Leistungsfähigkeit. Ab 32 Grad Celsius zeigen Menschen schlechtere Ergebnisse in Mathematiktests. Das belegen aktuelle Studien.
Hitze verstärkt zudem bestehende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Schizophrenie. Experten warnen: Bestimmte Medikamente – darunter Antidepressiva, Betablocker und Diuretika – stören die körpereigene Hitzeregulation zusätzlich. Eine Meta-Studie in Nature Health bestätigt: Nach Hitzeperioden steigen die Klinikeinweisungen wegen psychischer Störungen.
Krankenhäuser am Limit
Das Klinikum Darmstadt meldete eine enorme Auslastung der Notaufnahme – vor allem durch Patienten mit Kreislaufproblemen. In Nordrhein-Westfalen kündigte das Gesundheitsministerium ein flächendeckendes Warnsystem für Kliniken an. Hintergrund: In einem Krankenhaus in Leverkusen starben zwölf Menschen im Zusammenhang mit der Hitze.
Doch zusätzliche Förderprogramme scheitern derzeit an fehlenden Haushaltsmitteln.
Schulen überhitzt, Gebäude unzureichend
In Baden-Württemberg maßen Lehrer in Klassenzimmern Temperaturen von bis zu 39 Grad. Das löste Diskussionen aus: Dürfen Schulen private Ventilatoren erlauben? Und wie steht es um die Arbeitsstättenverordnung?
Der Deutsche Anlage-Immobilien Verbund (DAVE) fordert Mitte Juli eine nationale Hitzeschutzstrategie für Gebäude. Zwar hat sich der Anteil der Neubauten mit Kühlanlagen 2025 auf 4,3 Prozent verdoppelt – im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt. Doch Forscher warnen vor einer rein technischen Lösung.
Klimaanlagen: Keine Patentlösung
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Das Projekt CryoCultures zeigt: Klimaanlagen kühlen zwar Innenräume, heizen die Städte aber weiter auf. Sie können die Außentemperatur um bis zu 2,5 Grad Celsius erhöhen. Gleichzeitig sind sie für über 20 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich.
Die Lösung liegt woanders: mehr Begrünung, intelligentes Wassermanagement und bessere Gebäudedämmung.
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