Hitzeschutz, Apotheken

Hitzeschutz in Apotheken: Knapp 88 Prozent erwarten mehr betroffene Kunden

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Apothekenfachkräfte beobachten mehr hitzebedingte Beschwerden und sehen besonders bei älteren Menschen sowie Herzkranken erhöhte Risiken.
Ein ausgetrockneter, sonnenverbrannter Park während einer Hitzewelle mit rissigem Boden und flirrender Hitze. Illustration mit AI erstellt.

Steigende Temperaturen stellen die Arzneimitteltherapie und die Versorgung von Patientinnen und Patienten vor wachsende Herausforderungen. Eine Befragung des Marktforschungsinstituts Aposcope im Auftrag der Apotheken Umschau unter rund 1.000 Apothekerinnen, Apothekern und pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTAs) verdeutlicht das Ausmaß: 66 Prozent der Teilnehmenden verzeichneten in den vergangenen drei Jahren eine zunahme hitzebedingter Beschwerden in der Kundschaft, überwiegend Schwindel sowie Herz-Kreislauf-Probleme. Für die kommenden drei Jahre erwarten knapp 88 Prozent einen weiteren Anstieg betroffener Personen in den Offizinen.

Hohe Gefährdung für vulnerable Gruppen

Besondere Gefahren bestehen für Risikogruppen. Gut 90 Prozent der befragten Fachkräfte schätzen das Risiko für medikationsbedingte Komplikationen bei älteren Menschen während sommerlicher Hitzeperioden als hoch ein.

Bei Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stufen 85 Prozent das Risiko als hoch ein. Rund 74 Prozent der Befragten sehen die gezielte Aufklärung über hitzebedingte Gefahren an erster Stelle der notwendigen Maßnahmen.

Die physiologischen Folgen extremer Wärme sind vielschichtig. Die Deutsche Hochdruckliga und die Deutsche Herzstiftung weisen darauf hin, dass Hitze den Blutdruck sowohl absenken als auch steigern kann.

Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung hält bei einem systolischen Wert von unter 100 mmHg einen Arztbesuch für ratsam, da mitunter eine Dosisanpassung erforderlich sei. Auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie betont, dass Extremhitze die Herzfrequenz sowie die Herzarbeit steigere.

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Durch Flüssigkeitsverlust könne das Risiko für Arrhythmien und Ischämien steigen, während dickflüssigeres Blut die Thrombeneigung erhöhe. Neben älteren Menschen sind insbesondere Personen mit vorbestehenden Herzkrankheiten, Hypertonie, Diabetes, Nierenfunktionsstörungen sowie Anwendende von Blutdruckmedikamenten oder Diuretika gefährdet.

Wissenschaftliche Erhebungen stützen diese Einschätzungen. Eine in JAMA Network Open veröffentlichte Analyse von über 4,2 Millionen Sommer-Praxisbesuchen belegt, dass kurzzeitige Hitzeextreme mit leichten Rückgängen des systolischen und diastolischen Blutdrucks einhergingen.

Dieser Effekt zeigte sich am deutlichsten bei Erwachsenen ab 65 Jahren sowie bei Personen mit Hypertonie, unabhängig von einer bestehenden Medikation. Die stärksten Rückgänge traten am Tag der Hitzebelastung und am Vortag auf; die langfristigen kardiovaskulären Folgen bleiben unklar.

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Eine im Fachjournal BMC Geriatrics publizierte Untersuchung an 680 Patienten ab 65 Jahren im türkischen Zonguldak (Untersuchungszeitraum Juni bis August 2026, Durchschnittsalter 71,3 Jahre, 48,1 Prozent Frauen) ergab, dass 75,9 Prozent unter mindestens zwei hitzebedingten Symptomen litten, während 52,1 Prozent eine Verschlechterung ihres Zustands und 82,4 Prozent eine unzureichende Kühlung verzeichneten.

Lagerung, Transport und strukturierte Medikationsanalysen

Neben körperlichen Reaktionen birgt der Umgang mit Arzneimitteln bei hohen Temperaturen Risiken. In der Aposcope-Umfrage bewerteten knapp 70 Prozent den Versandhandel als riskantesten Transportweg für temperaturempfindliche Präparate. Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg empfiehlt grundsätzlich eine Lagerung von Medikamenten bei 15 bis 25 Grad.

Angela Thiel-Bodenstaff vom Uniklinikum Homburg mahnt, Arzneimittel keinesfalls eigenmächtig abzusetzen, sondern Dosierungen ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache anzupassen. Sie rät zu einer zusätzlichen Flüssigkeitszufuhr von ein bis zwei Litern, zur Beachtung des Elektrolythaushalts sowie zur kühlen Lagerung der Präparate.

Forschungsgruppen wie die Heat and Medications Task Force der University of Arizona unter Leitung von Mona Arora heben zudem hervor, dass zahlreiche Wirkstoffe von Antidepressiva bis hin zu rezeptfreien Mitteln die Hitzeempfindlichkeit verstärken können – etwa durch vermindertes Schwitzen, veränderte Flüssigkeitsretention oder erhöhte Lichtempfindlichkeit.

Eine strukturierte Medikationsanalyse in Apotheken, die verschreibungspflichtige und freiverkäufliche Präparate sowie Nahrungsergänzungsmittel umfasst und etwa eine Stunde inklusive Vorbereitung in Anspruch nimmt, bietet einen Ansatz, um Risiken frühzeitig zu identifizieren.

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