Hochleistungstraining, HIIT

Hochleistungstraining: HIIT erhĂ€lt Muskelmasse bei ĂŒber 70-JĂ€hrigen

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 14:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zu Genen, Stoffwechsel und Bewegung zeigen individuelle Alterungsprozesse, wÀhrend Beispiele aktives Leben bis ins hohe Alter belegen.

Biologisches Alter und Langlebigkeit: Was Forschung und LebenslÀufe zeigen
Nahaufnahme eines alten, texturierten Baumstamms in einem nebligen Wald, der die biologische Zeit und BestÀndigkeit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die wissenschaftliche Untersuchung des Alterns und die Dokumentation außergewöhnlicher Leistungen in verschiedenen Lebensphasen rĂŒcken verstĂ€rkt in den Fokus von Forschung und Gesellschaft.

Aktuelle Analysen verdeutlichen, dass das kalendarische Alter zunehmend an Aussagekraft verliert, wÀhrend die individuelle biologische Verfassung und aktive Lebensmodelle an Bedeutung gewinnen. Dies spiegelt sich sowohl in neuen genomischen Studien als auch in den Biografien prominenter und privater Persönlichkeiten wider.

Molekulare Marker und das Paradoxon des biologischen Alters

Die Forschung liefert neue ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr das PhĂ€nomen der extremen Langlebigkeit. Eine in der Fachzeitschrift Cell Reports Medicine behandelte Untersuchung einer im Jahr 1907 in San Francisco geborenen Frau, die ab ihrem achten Lebensjahr in Spanien lebte und bis zu ihrem Tod als Ă€lteste lebende Person galt, offenbarte ein signifikantes Alterungsparadoxon.

Trotz einer TelomerlĂ€nge von lediglich etwa 8 Kilobasen und einem Anteil von zirka 40 Prozent extrem kurzer Telomere wiesen epigenetische Uhren ein biologisches Alter aus, das 23,17 Jahre unter ihrem kalendarischen Alter lag. Die Probandin zeichnete sich zudem durch eine hohe Konzentration von Bifidobakterien und geringe EntzĂŒndungswerte aus.

Diese IndividualitĂ€t des Alterns wird durch eine im Fachmagazin Science veröffentlichte Studie des King’s College London untermauert. In einer Untersuchung von 335 Frauen der TwinsUK-Kohorte im Alter zwischen 32 und 80 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von bis zu acht Jahren wurde festgestellt, dass sich bei einem Median von sechs Jahren mehr als 5000 Gene und 181 Metabolite verĂ€nderten. Dabei sank die AktivitĂ€t des Gens TP53, wĂ€hrend die Werte des Proteins CXCL9 starke individuelle Unterschiede aufwiesen.

Auch im Bereich der VeterinĂ€rmedizin wird dieser Ansatz verfolgt: Das seit 2020 laufende „Dog Aging Project“ in den USA identifizierte bei der Untersuchung von 133 Stoffwechselprodukten 48 klare Verbindungen zum biologischen Alter, wobei insbesondere die Nierenfunktion als entscheidender Faktor hervortrat.

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Aktive Lebensgestaltung jenseits der Ruhestandsgrenzen

Parallel zur molekularen Forschung zeigen individuelle LebenslĂ€ufe eine Abkehr von klassischen Vorstellungen des Ruhestands. Die Kabarettistin Lisa Fitz, die im September 2026 ihren 75. Geburtstag begeht, gibt an, nicht an einen RĂŒckzug aus dem Berufsleben zu denken.

Ein DNA-Test habe bei ihr ein biologisches Alter von 66 Jahren ergeben. Obwohl sie ihr Pensum von frĂŒher bis zu 200 Auftritten pro Jahr reduziert hat, bleibt sie mit ihrem aktuellen Programm aktiv.

Ähnliche Tendenzen zur langjĂ€hrigen BerufsausĂŒbung zeigen sich in der Wissenschaftsadministration. Erika Fischer prĂ€gte ĂŒber 65 Jahre hinweg das Stuttgarter Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS). Sie war bereits im April 1961 unter Professor John Argyris als Programmiererin tĂ€tig und begleitete die technologische Entwicklung von der Anschaffung einer Cray-2 im Jahr 1986 bis hin zur Planung des Supercomputers „Herder“, der ab 2027 in Betrieb gehen soll.

Der Journalist Wolfgang Herles thematisiert in seinem Roman „Poseidons Zorn“ die Situation von Personen im fortgeschrittenen Alter und kritisiert eine bestehende Altersdiskriminierung im Arbeitsleben. Er vertritt die Ansicht, dass Menschen so lange arbeiten können sollten, wie sie einen Beitrag leisten möchten.

Physische LeistungsfÀhigkeit und lebenslanges Lernen

Die sportliche Belastbarkeit im Alter wird durch Beispiele wie das der 86-jĂ€hrigen Erika Rischko dokumentiert. Die Influencerin, die erst mit 55 Jahren mit dem Training begann, absolviert trotz kĂŒnstlicher Kniegelenke und vorangegangener RĂŒckenoperationen nahezu tĂ€glich intensive Einheiten.

Wissenschaftlich wird dieser Ansatz durch eine australische Studie gestĂŒtzt, die bei Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren belegte, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) den Erhalt der Muskelmasse fördert, wĂ€hrend moderates Training primĂ€r den Fettabbau unterstĂŒtzt.

Experten wie Professor Ingo Froböse raten in diesem Zusammenhang zu einer mehrmonatigen Vorbereitungsphase und Ă€rztlicher AbklĂ€rung fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankte.

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Auch im Bereich des lebenslangen Lernens und der sportlichen Ausdauer finden sich Belege fĂŒr spĂ€te Höchstleistungen:
* Arnulf Kraemer (88) plant fĂŒr Oktober 2026 die Eröffnung einer Tarock-Schule in Graz-Lieboch, nachdem er bereits eine Schule in Lieboch betreibt.
* Willy MĂŒck und BĂ€rbel Schmid-MĂŒck absolvierten eine rund 2400 Kilometer lange Strecke mit dem E-Bike von Mertingen nach Santiago de Compostela.
* Hannelore Mai (80) beendete ihre aktive Laufkarriere mit der Teilnahme am 24. Duisburger Lichterlauf.

DemgegenĂŒber stehen Rekorde am anderen Ende der Altersskala. Anfang September 2026 erreichte der neunjĂ€hrige Lelio Massimo di Roccasecca gemeinsam mit seinem Vater den Gipfel des Mont Blanc. Laut Familienangaben und einer schriftlichen BestĂ€tigung des HĂŒttenwirts Antoine Rattin ist er damit der jĂŒngste Mensch, der den 4.807 Meter hohen Berg aus eigener Kraft bestieg.

Resilienz als SchlĂŒssel zum gesunden Altern

Die Altersforscherin Daniela S. Jopp von der UniversitÀt Lausanne betont auf Basis von Daten aus Deutschland, den USA und der Schweiz, dass HundertjÀhrige oft eine hohe Resilienz aufweisen.

Ihr Wohlbefinden werde trotz bestehender Erkrankungen hĂ€ufig positiv bewertet. Als wesentliche Faktoren fĂŒr ein langes Leben nennen Experten neben moderaten Kalorien und viel Alltagsbewegung vor allem eine geistige Haltung der MĂ€ĂŸigung in allen Lebensbereichen.

Zur weiteren Erforschung dieser PhĂ€nomene sucht eine dĂ€nische Forschungsgruppe derzeit Partner fĂŒr ein Projekt zur metabolomischen PhĂ€notypisierung, um die Wirksamkeit von Interventionen fĂŒr gesundes Altern besser differenzieren zu können.

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