HörgerÀte bei leichter kognitiver Störung: CHOICE-Studie zeigt sechsmal hÀufigere Erholung
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Schwerhörigkeit gilt in der Altersmedizin als einer der zentralen Ansatzpunkte, um geistigem Verfall vorzubeugen. Eine am 28. September 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Neurology publizierte Untersuchung aus China liefert nun differenzierte Erkenntnisse ĂŒber diesen Zusammenhang: Die sogenannte CHOICE-Studie untersuchte den Einfluss einer HörgerĂ€teversorgung bei Ă€lteren Menschen, die bereits unter einer leichten kognitiven Störung sowie unter Hörverlust litten. Das primĂ€re Ziel, das Auftreten einer Demenzerkrankung vollstĂ€ndig zu verhindern, verfehlte die Intervention zwar. Bei den sekundĂ€ren Endpunkten zeigte sich jedoch ein beachtlicher Teilerfolg.
Teilerfolge bei GedÀchtnisleistung und kognitiver Erholung
Nach einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren wiesen die Ergebnisse der CHOICE-Studie signifikante Unterschiede zwischen den Probandengruppen auf. Teilnehmende mit HörgerÀten erreichten rund sechsmal hÀufiger wieder ein normales kognitives Niveau als jene in der Kontrollgruppe ohne entsprechende Versorgung. Dabei profitierte insbesondere das GedÀchtnis von den akustischen Hilfsmitteln.
Die Ergebnisse ordnen sich in eine Reihe internationaler Forschungsarbeiten ein. Hörverlust gilt in der Wissenschaft als wichtigster modifizierbarer Risikofaktor fĂŒr Demenz. FrĂŒhere Untersuchungen wie die ACHIEVE-Studie hatten bei kognitiv gesunden Ă€lteren Personen keinen generellen Schutzeffekt durch HörgerĂ€te nachweisen können, sondern lediglich in einer spezifischen Hochrisiko-Subgruppe einen Nutzen dokumentiert.
Fachleute weisen darauf hin, dass Hörprobleme im Alter hĂ€ufig fĂ€lschlicherweise fĂŒr einen primĂ€ren geistigen Abbau gehalten werden. Bei einer Altersschwerhörigkeit erhĂ€lt das Gehirn verzerrte oder zu leise Signale, was erhebliche kognitive Ressourcen bindet. Zudem kann sensorische Deprivation zum Atrophieren neuronaler Bahnen fĂŒhren.
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Modifizierbare Risikofaktoren und die Rolle des Gehörs
Internationale Berichte verdeutlichen die Dimension des Problems. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit etwa 1,5 Milliarden Menschen mit Hörverlust, wobei altersbedingte Schwerhörigkeit die hÀufigste Ursache darstellt und typischerweise in hohen Frequenzbereichen beginnt.
Ein Bericht der Fachzeitschrift The Lancet aus dem Jahr 2022 bezifferte den Beitrag von Hörverlust als gröĂten beeinflussbaren Demenzrisikofaktor auf 9 Prozent. GegenĂŒber Normalhörenden steigt das demenzrisiko demnach bei leichtem Hörverlust auf das Zweifache, bei mittlerem auf das Dreifache und bei schwerem Hörverlust auf das FĂŒnffache.
Die Lancet-Kommission von 2024 identifizierte insgesamt 14 modifizierbare Faktoren, darunter auch Ăbergewicht, hohen Alkoholkonsum und Typ-2-Diabetes. Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative gehen weltweit 45 Prozent aller Demenzerkrankungen auf verĂ€nderbare Faktoren zurĂŒck.
Auch regionale Erhebungen unterstreichen dieses Potenzial: Im Rahmen eines Screeningtags in Bayern wurde hervorgehoben, dass bis zu 40 Prozent der DemenzfĂ€lle durch prĂ€ventive MaĂnahmen verhindert oder hinausgezögert werden könnten â wozu auch das konsequente Tragen von HörgerĂ€ten zĂ€hlt.
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FrĂŒherkennung und rechtzeitige Versorgung
VerbĂ€nde wie der Sozialverband VdK Baden-WĂŒrttemberg betonen, dass Gehirnverbindungen umso stĂ€rker abbauen, je lĂ€nger eine Schwerhörigkeit unbehandelt bleibt. Zu den typischen Anzeichen gehören das Empfinden, dass Mitmenschen undeutlich sprechen, hĂ€ufiges Nachfragen, Probleme beim Sprachverstehen in lauten Umgebungen sowie ein schlechteres Wahrnehmen hoher Töne.
FachverbĂ€nde und Initiativen wie die spanische FIAPAS fordern daher eine stĂ€rkere Verankerung der Hörgesundheit in der Seniorenpolitik und plĂ€dieren fĂŒr regelmĂ€Ăige Hörchecks ab dem 50. Lebensjahr. Eine rechtzeitige Diagnose und der Einsatz passender Hilfsmittel zielen darauf ab, Sprachklarheit wiederherzustellen, kognitive Ăberlastungen zu reduzieren und soziale Isolation im Alter zu vermeiden.
