HörgerÀte, Demenz

HörgerÀte und Demenz: ACHIEVE-Studie zeigt 48 Prozent weniger geistigen Abbau

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Hörminderung mit kognitivem Abbau; HörgerÀte verlangsamten in einer Untersuchung den geistigen Abbau bei Risikopersonen.
Abstrakte Nahaufnahme einer geschichteten, labyrinthartigen Stein-Struktur als Symbol fĂŒr die Anatomie des Innenohrs. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen weisen verstĂ€rkt darauf hin, wie wichtig eine frĂŒhzeitige Diagnose und Therapie von altersbedingtem Hörverlust ist. Eine rechtzeitige Intervention schĂŒtzt nicht nur vor sozialem RĂŒckzug, sondern kann auch das Risiko fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen und Demenzerkrankungen maßgeblich beeinflussen.

Hohe Verbreitung im höheren Lebensalter

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist eine von drei Personen ĂŒber 65 Jahren eine Hörminderung auf. Nach Erkenntnissen des US-amerikanischen National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) leben in den USA rund 48 Millionen Erwachsene mit Hörproblemen, wobei die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) die hĂ€ufigste Ursache darstellt und die Mehrheit der Menschen ab 50 Jahren betrifft.

Laut Daten des französischen Forschungsinstituts Inserm sind 65 Prozent der ĂŒber 65-JĂ€hrigen von Presbyakusis betroffen, wĂ€hrend lediglich eine von fĂŒnf betroffenen Personen mit einem HörgerĂ€t versorgt ist.

Nach EinschĂ€tzung von Nish Mehta vom Royal National ENT Hospital in London setzt der schleichende Verschleiß des Gehörs bereits ab einem Alter von etwa acht Jahren ein. Neben genetischen Faktoren beeinflussen auch Umweltbelastungen wie extremer LĂ€rm den Verlauf. Allein im Vereinigten Königreich sind rund 18 Millionen Menschen von einer Hörminderung betroffen.

Kognitiver Abbau und Demenzrisiko

Ein unbehandelter Hörverlust gilt laut Dr. Stephanie Rogers von der UCSF School of Medicine als der bedeutendste vermeidbare Risikofaktor fĂŒr Demenz. Als zugrundeliegende Mechanismen gelten die erhöhte kognitive Belastung des Gehirns, Hirnatrophie sowie soziale Isolation.

Insgesamt können 14 beeinflussbare Risikofaktoren, zu denen neben Schwerhörigkeit auch Bewegungsmangel, soziale Isolation, Diabetes und Bluthochdruck zÀhlen, das Demenzrisiko um rund 45 Prozent steigern.

Beobachtungsdaten zeigen bei Menschen mit Hörverlust ein um rund 35 Prozent höheres Risiko fĂŒr eine Demenz-Neuerkrankung (Hazard Ratio 1,35), wenngleich eine direkte KausalitĂ€t damit nicht abschließend bewiesen ist.

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Dr. David Pérez von der Sociedad Española de Neurologia erlÀuterte, dass bereits eine leichte Schwerhörigkeit das Demenzrisiko verdoppeln und eine schwere AusprÀgung dieses bis auf das Sechsfache ansteigen lassen kann.

Ein Bericht der Fachzeitschrift The Lancet aus dem Jahr 2024 fĂŒhrt 7 bis 8 Prozent aller weltweiten DemenzfĂ€lle auf Schwerhörigkeit in mittleren Lebensjahren zurĂŒck. Nach Angaben von Dr. MarĂ­a JosĂ© Lavilla von der Fachgesellschaft SEORL verdoppelt sich das Risiko bereits bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit von 40 Dezibel ohne entsprechende Hilfsmittel.

Eine Intervention zeigt hingegen messbare Effekte: In der sogenannten ACHIEVE-Studie verlangsamte eine HörgerĂ€te-Versorgung bei Ă€lteren Personen mit bestehenden kognitiven Risiken den geistigen Abbau ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren um 48 Prozent.

DarĂŒber hinaus ergab eine Metaanalyse im Fachjournal The Lancet Healthy Longevity mit 13.851 Teilnehmern und einem Durchschnittsalter von 61,8 Jahren, dass Hörverlust mit einer erhöhten Gesamt- und kardiovaskulĂ€ren MortalitĂ€t einhergeht. Die aktuelle Nutzung von HörgerĂ€ten war in diesen Beobachtungsdaten wiederum mit einer reduzierten MortalitĂ€t assoziiert.

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Schwellenwerte, Screening und VersorgungsrealitÀt

Eine Hörschwelle ĂŒber 25 Dezibel gilt medizinisch als Schwerhörigkeit. Nach der Klassifikation der Korea Disease Control and Prevention Agency reichen die Abstufungen von leicht (26 bis 40 Dezibel) ĂŒber mittel (41 bis 55 Dezibel) bis hin zu hochgradig ab 90 Dezibel.

Ab Werten ĂŒber 50 Dezibel raten Fachleute zu HörgerĂ€ten; bei beidseitigen Werten ab 70 Dezibel und stark eingeschrĂ€nkter SatzverstĂ€ndlichkeit kommen Cochlea-Implantate infrage.

Fachleute raten zu regelmĂ€ĂŸigen Kontrollen: Ab 60 Jahren wird ein audiometrischer Check alle zwei bis drei Jahre empfohlen, auch ohne vorliegende Beschwerden. Die American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery empfiehlt Screenings ab einem Alter von 50 Jahren alle drei bis fĂŒnf Jahre sowie ab 65 Jahren alle ein bis drei Jahre.

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