Hörschäden, Diabetes

Hörschäden durch Diabetes: Risiko für Jüngere unter 60 verdreifacht

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Übersichtsarbeit verbindet Diabetes mit Hörminderungen und empfiehlt regelmäßige Hörkontrollen für Betroffene.
Ein gläsernes Modell der menschlichen Cochlea in einer medizinischen Umgebung bei sanfter Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen einen engen Zusammenhang zwischen Stoffwechselerkrankungen und der Funktion des Gehörs. Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit, die 29 Studien aus dem Zeitraum von 2000 bis 2025 ausgewertet hat, belegt die Tragweite dieser Verbindung: Demnach weisen 24 Prozent der Erwachsenen mit Diabetes einen Hörverlust von mindestens 40 Dezibel auf, wie aus 23 der untersuchten Arbeiten hervorgeht. Zudem ist die Stoffwechselerkrankung mit einer 2,41-fach höheren Chance auf moderate bis schwere Hörverluste verbunden.

Jüngere Erwachsene weisen ein besonders hohes Risiko auf

Die Auswertung der Daten offenbart deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen. Bei Erwachsenen unter 60 Jahren ist das Risiko für eine entsprechende Hörminderung 3-fach erhöht. Bei über 60-Jährigen hingegen erwies sich die Assoziation zwischen Diabetes und Hörverlust als statistisch nicht signifikant, da in dieser Altersgruppe altersbedingte Prozesse die Effekte überlagern können.

Auch die Dauer der Stoffwechselstörung spielt eine Rolle bei der Entstehung von Hörschäden. Bei Patienten, die seit weniger als zehn Jahren an Diabetes leiden, trat ein Hörverlust 2,68-fach häufiger auf als in Vergleichsgruppen. Zwar stellte eine einzelne Studie bei einer Krankheitsdauer von mehr als zehn Jahren eine noch größere Assoziation fest, allerdings gilt die wissenschaftliche Datenlage für diesen längeren Zeitraum noch als unzureichend.

Durchblutung und Nervenbahnen der Cochlea im Fokus

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Als primäre Ursache für die beobachteten Beeinträchtigungen vermuten die Studienautoren funktionelle Schäden im Innenohr: Erhöhte Glukosewerte im Blut schädigen nach ihrer Hypothese die feinen Blutgefäße sowie die Nervenstrukturen der Cochlea. Diese Annahme deckt sich mit Erkenntnissen zur Altersschwerhörigkeit, wonach eine veränderte Durchblutung des Ohrs infolge von Herzkrankheiten oder Diabetes maßgeblich zu Hörverlusten beiträgt.

Medizinische Fachberichte führen Diabetes neben dauerhafter Lärmbelastung, hoher Lautstärke bei der Nutzung von Kopfhörern, Nierenleiden, Bluthochdruck sowie bestimmten ototoxischen Medikamenten als einen wesentlichen Einflussfaktor für Hörschäden an.

Forderung nach routinemäßigen Hörprüfungen in der Vorsorge

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Die Relevanz der Thematik zeigt sich auch an internationalen Vergleichsdaten. In Indien, wo über 100 Millionen Menschen mit Diabetes leben, sind Betroffene laut Berichten etwa doppelt so häufig von Hörverlusten betroffen wie die übrige Bevölkerung.

Angesichts dieser Risiken sprechen sich die Autoren der systematischen Übersichtsarbeit sowie weitere Fachleute dafür aus, routinemäßige Hörtests verbindlich in die Nachsorge von Diabetikern zu integrieren.

Während in allgemeinen Empfehlungen zur Hörpflege für Personen ab einem Alter von 50 Jahren eine Audiometrie im Abstand von drei Jahren nahegelegt wird, raten Experten bei Risikogruppen mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes zu jährlichen Kontrolluntersuchungen. Ein frühzeitiges Screening könnte dazu beitragen, irreversible Schäden am Gehör rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

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