Hörtechnik: Phonak bringt im November ein KI-Fernmikrofon auf den Markt
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Alltag und beim Medienkonsum stellt ein nachlassendes Hörvermögen viele Betroffene vor praktische Herausforderungen. Aktuelle technische Entwicklungen, die von kĂŒnstlicher Intelligenz bis hin zu spezialisierten Audio-Lösungen fĂŒr den Fernseher reichen, zielen darauf ab, die SprachverstĂ€ndlichkeit in gerĂ€uschvollen Umgebungen und bei der Mediennutzung zu verbessern.
KI-gestĂŒtzte Filterung von Sprache und StörgerĂ€uschen
Im Bereich der Hörtechnologie kĂŒndigte der Hersteller Phonak das Roger On Sphere an. Das GerĂ€t gilt als das weltweit erste Fernmikrofon mit einem Deep Neural Network (DNN) zur Trennung von Sprache und UmgebungsgerĂ€uschen in Echtzeit. Der Marktstart ist fĂŒr Mitte November 2026 in den meisten MĂ€rkten vorgesehen.
Nach Angaben des Herstellers bietet das Modell einen zusÀtzlichen Signal-Rausch-Abstand-Vorteil von 3 Dezibel im Vergleich zur VorgÀngergeneration. Dies entspreche nÀherungsweise einer halbierten StörgerÀuschleistung oder ermögliche die VerstÀndigung bei einem doppelt so hohen Störpegel.
Ebenfalls auf maschinelles Lernen setzt Phonak bei den HörgerÀten Audéo EON Sphere. Das System nutzt den HYPERSONIC-Chip sowie die Software Spheric Speech Clarity 3.0, um NutzgerÀusche und Sprache in Echtzeit voneinander zu trennen.
Das GehĂ€use fĂ€llt laut Hersteller um 25 Prozent kleiner und um 20 Prozent leichter aus als bei der VorgĂ€ngergeneration. Das in acht Farben erhĂ€ltliche Modell erreicht je nach Einsatz eine Akkulaufzeit von bis zu 38 Stunden und unterstĂŒtzt Bluetooth sowie Auracast, wobei Letzteres in Ăsterreich noch nicht zur VerfĂŒgung steht.
Das Hörakustikunternehmen Hansaton, das wie Phonak zur weltweit in ĂŒber 100 LĂ€ndern aktiven Sonova Gruppe gehört, bietet die Phonak-Modelle zur individuellen Anpassung und zum kostenlosen Probetragen an.
Versorgungsstand und Anpassung bei Hörminderungen
Trotz technischer Fortschritte bleibt die Inanspruchnahme von Hilfsmitteln oft verzögert. Aus Daten der EuroTrak-Studie 2025 geht hervor, dass sich in Deutschland ĂŒber neun Millionen Menschen fĂŒr hörgemindert halten, von denen knapp die HĂ€lfte ein Hörsystem nutzt.
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Im Schnitt vergehen laut der Erhebung rund drei Jahre von den ersten Anzeichen bis zur Anschaffung eines GerĂ€ts; eine US-Langzeitstudie bezifferte die Spanne ab dem laut Hörtest sinnvollen Versorgungszeitpunkt sogar auf knapp neun Jahre. Unter den tatsĂ€chlichen TrĂ€gern bedauern 64 Prozent dieses lange Zögern, wĂ€hrend 97 Prozent ĂŒber eine gestiegene LebensqualitĂ€t berichten.
Finanziell unterstĂŒtzen die gesetzlichen Krankenkassen die Versorgung mit FestbetrĂ€gen. So zahlt etwa die Techniker Krankenkasse fĂŒr GerĂ€t und OhrpassstĂŒck rund 722 Euro pro Ohr, wobei derzeit eine gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro anfĂ€llt, die ab 2027 auf 15 Euro steigen soll.
Fachleute weisen zudem auf die Bedeutung einer prĂ€zisen Abstimmung hin: Eine Ăbersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Trends in Hearing aus dem Jahr 2021 zeigte, dass herstellerseitige Standardeinstellungen hĂ€ufig von wissenschaftlichen Zielwerten abweichen.
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Messungen direkt im Gehörgang können das Sprachverstehen demnach messbar verbessern. Fachgesellschaften wie die ASHA raten dazu, neue GerĂ€te wĂ€hrend des GroĂteils der wachen Zeit zu tragen.
Alternative Bauformen und Lösungen fĂŒr den Fernsehton
Neben klassischen HörgerĂ€ten existieren alternative Bauformen wie Hörbrillen, die fĂŒr leichte bis mittlere EinschrĂ€nkungen konzipiert sind. Bei diesen Modellen sitzt die Technik in den BĂŒgeln und ĂŒbertrĂ€gt den Ton ĂŒber eine Open-Ear-Luftleitung oder per Knochenleitung, was bei chronischen EntzĂŒndungen oder Gehörgangsatresien genutzt wird. Diese rezeptfrei im Fachhandel erhĂ€ltlichen Brillen verzichten auf mehrkanalige Einstellungen und werden im Regelfall nicht von den Krankenkassen bezuschusst, die fĂŒr medizinische GerĂ€te sonst bis zu 700 bis 800 Euro pro Ohr beisteuern.
Beim Fernsehen greifen viele Betroffene auf separate Lautsprecher zurĂŒck. Das laute Einstellen des Fernsehers rĂŒhrt hĂ€ufig daher, dass hohe Töne und Konsonanten im Alter schlechter wahrgenommen werden.
Kabellose oder kabelgebundene Zusatzlautsprecher von Anbietern wie Sony, Audio-Technica, Yamazen oder Mirai Speaker werden meist an die Kopfhörerbuchse des Fernsehers angeschlossen und bringen das Audiosignal mit speziellen SprachverstÀrkern direkt an den Sitzplatz.
Fachleute betonen jedoch, dass bei wiederkehrenden VerstÀndnisschwierigkeiten im persönlichen GesprÀch eine Untersuchung in der HNO-Praxis erfolgen sollte.
