Hörverlust, WHO

Hörverlust weltweit: WHO erwartet bis 2050 fast 2,5 Milliarden Betroffene

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Niedersachsen finanziert den Neubau mit rund 38,3 Millionen Euro; Gentherapien und lichtbasierte Cochlea-Implantate bilden Forschungsschwerpunkte.
Rohbau des neuen Instituts fĂŒr Auditorische Neurowissenschaften in Göttingen mit moderner Architektur und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung innovativer Therapien gegen Schwerhörigkeit erhĂ€lt in Niedersachsen ein neues Zentrum. An der UniversitĂ€tsmedizin Göttingen fand in der Robert-Koch-Straße 8 die Grundsteinlegung fĂŒr das Institut fĂŒr Auditorische Neurowissenschaften statt.

Zu der Veranstaltung kamen rund 200 GĂ€ste zusammen, wie Berichte vom 28. Oktober 2026 darlegen. Der geplante Neubau soll zukunftsweisende AnsĂ€tze bĂŒndeln, um HörschĂ€den mit modernen biomedizinischen Verfahren zu behandeln.

Neubau und Finanzierung des InstitutsgebÀudes

FĂŒr das Vorhaben stellt das Land Niedersachsen rund 38,3 Millionen Euro bereit. Die Mittel stammen aus dem Sondervermögen des Bundes beziehungsweise der Bundes-Schnellbauinitiative und werden ĂŒber das Land an den Wissenschaftsstandort weitergeleitet. Am 28. Oktober 2026 wurde zudem bekannt, dass das Land Niedersachsen dank Bundesfördermitteln insgesamt 627 Millionen Euro fĂŒr UniversitĂ€tsgebĂ€ude eingeplant hat.

Das neue GebĂ€ude des Göttinger Instituts wird ĂŒber knapp 1900 Quadratmeter NutzflĂ€che verfĂŒgen und dreigeschossig angelegt sein. Es dient dazu, die bislang ĂŒber den Göttingen-Campus verteilten Forschungsgruppen der Hörforschung an einem zentralen Ort zusammenzufĂŒhren.

Nach den Planungen der UniversitĂ€tsmedizin Göttingen soll der Neubau bis Ende 2028 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Der regulĂ€re Forschungsbetrieb sowie der Bezug der RĂ€umlichkeiten sind fĂŒr das Jahr 2029 vorgesehen.

Forschung an Gentherapien und optogenetischen Implantaten

Wissenschaftlich konzentriert sich die Einrichtung auf neuartige Behandlungsformen bei HörbeeintrĂ€chtigungen. Zu den Schwerpunkten zĂ€hlen gentherapeutische Verfahren sowie die Entwicklung optogenetischer Cochlea-Implantate, bei denen die SignalĂŒbertragung ĂŒber Lichtimpulse erfolgt. Die Einrichtung arbeitet dabei eng mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum fĂŒr Optogenetische Therapien zusammen.

Ein Team um den LeibnizpreistrÀger Tobias Moser erforscht spezifisch Möglichkeiten, Hörnervenzellen durch genetische Methoden lichtempfindlich zu machen. Diese Optogenetik soll eine prÀzisere Alternative zu herkömmlichen elektrischen Cochlea-Implantaten bieten. Zur Erprobung des optogenetischen Cochlea-Implantats ist eine klinische Studie vorgesehen.

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Relevanz fĂŒr die globale Hörgesundheit und DemenzprĂ€vention

Die Dringlichkeit verbesserter Therapien unterstreichen aktuelle Daten internationaler Gesundheitsorganisationen. Prognosen der Weltgesundheitsorganisation zufolge werden bis zum Jahr 2050 weltweit fast 2,5 Milliarden Menschen von Hörverlust betroffen sein. Mindestens 700 Millionen Personen dĂŒrften dann eine Hörrehabilitation benötigen.

Zudem verweist der Sozialverband VdK Baden-WĂŒrttemberg auf Untersuchungen, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer unbehandelten Schwerhörigkeit und einem gesteigerten Risiko fĂŒr kognitive EinschrĂ€nkungen sowie Demenzerkrankungen belegen. Bleibt eine Hörminderung dauerhaft unversorgt, bauen sich die dafĂŒr zustĂ€ndigen Gehirnverbindungen zunehmend ab.

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Bereits die Lancet-Demenzkommission hielt im Jahr 2024 fest, dass Hörverlust ein modifizierbarer Risikofaktor im mittleren Lebensalter darstellt und rund sieben Prozent der weltweiten DemenzfĂ€lle darauf zurĂŒckzufĂŒhren sind. Pro zehn Dezibel Hörverlust erhöht sich das Demenzrisiko laut den Kommissionsdaten um etwa 16 Prozent.

Wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen das Potenzial rechtzeitiger Behandlungen. In der ACHIEVE-Studie aus dem Jahr 2023 verlangsamten HörgerĂ€te gemeinsam mit Beratung und Rehabilitation den kognitiven Abbau bei Ă€lteren Menschen mit erhöhtem Risiko ĂŒber drei Jahre hinweg um rund 48 Prozent, wenngleich dieser Effekt nur in der Hochrisikogruppe und nicht bei gesunden Teilnehmenden auftrat.

Eine im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte chinesische CHOICE-Studie verfehlte zwar ihren primĂ€ren Endpunkt bezĂŒglich einer generellen Verhinderung des Übergangs in eine Demenz, zeigte jedoch sekundĂ€r, dass Betroffene mit leichten kognitiven Störungen nach zwei Jahren mit HörgerĂ€ten rund sechsmal hĂ€ufiger wieder normale kognitive Testwerte erreichten.

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