Hörversorgung, Shanghai

Hörversorgung in Shanghai: 77 Prozent der Senioren haben Hörprobleme

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie verbindet HörgerĂ€te bei Ă€lteren Menschen mit hĂ€ufiger kognitiver Normalisierung; zugleich bleibt der Zugang zur Hörversorgung lĂŒckenhaft.
Ein sonnendurchfluteter, historischer Innenhof mit alten Backsteinmauern und Rundbögen in Piacenza. Illustration mit AI erstellt.

Beim Hearring-Meeting in Piacenza sind rund 100 Fachleute aus allen Kontinenten zusammengekommen, um ĂŒber zukĂŒnftige BehandlungsansĂ€tze bei Taubheit zu beraten. Die zweitĂ€gige Fachveranstaltung rĂŒckte das italienische Piacenza in der Berichterstattung als weltweites Zentrum des Hörens in den Fokus.

Die dort diskutierten AnsĂ€tze spiegeln die aktuellen weltweiten Entwicklungen in der Audiologie wider, die von Fortschritten in der Implantatforschung ĂŒber kognitive Langzeiteffekte bis hin zu gravierenden LĂŒcken in der Versorgung reichen.

Kognitive Effekte und gravierende VersorgungslĂŒcken

Die Bedeutung einer konsequenten audiologischen Versorgung wird durch die randomisierte kontrollierte Studie „China Hearing and Cognitive Health“ unterstrichen, die unter Leitung von Wu Hao am Shanghai Ninth People's Hospital durchgefĂŒhrt und in JAMA Neurology veröffentlicht wurde.

Zwischen 2020 und 2024 wurden 703 Personen ab 60 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 74,5 Jahren untersucht, die an mittel- bis hochgradigem Hörverlust sowie leichten kognitiven BeeintrÀchtigungen litten.

Nach zwei Jahren zeigte sich bei 15,34 Prozent der Teilnehmer mit HörgerĂ€t eine kognitive Normalisierung, gegenĂŒber 2,36 Prozent in der Kontrollgruppe ohne HörgerĂ€t – ein etwa sechsfacher Unterschied. Bei der Demenzrate ergab sich hingegen kein statistisch signifikanter Unterschied.

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Ein begleitendes Screening von ĂŒber 35.000 Senioren in Shanghai, Jiangsu und Hainan verdeutlichte das Ausmaß des Handlungsbedarfs: Rund 77 Prozent der ĂŒber 60-JĂ€hrigen wiesen Hörprobleme auf, fast 30 Prozent mittel- bis hochgradige. Dennoch lag die Nutzungsrate von HörgerĂ€ten bei lediglich 3,5 Prozent, und der Anteil von Cochlea-Implantaten bei hochgradiger Taubheit betrug lediglich 0,47 Prozent.

Finanzielle HĂŒrden stellen international einen wesentlichen Engpass dar. Laut einer in JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery publizierten Untersuchung auf Basis von Daten von mehr als 50 Millionen Menschen entwickelte sich die Pflichtdeckung fĂŒr HörgerĂ€te in den USA unterschiedlich: WĂ€hrend sie zwischen 2008 und 2023 bei Kindern unter 18 Jahren von 34,1 Prozent auf 52,5 Prozent und bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren von 10,2 Prozent auf 19,2 Prozent stieg, sank sie bei Personen ab 65 Jahren von 18,5 Prozent auf 16,9 Prozent.

Medicaid gilt dabei als Haupttreiber bei Kindern und ErwerbsfÀhigen, wohingegen das traditionelle Medicare keine HörgerÀte abdeckt. Ohne Versicherung betragen die Kosten 2.000 bis 7.000 US-Dollar pro HörgerÀte-Set. Unterhalb der Armutsgrenze fehlte 2023 bei 63,5 Prozent der 18- bis 64-JÀhrigen und bei 71,3 Prozent der Senioren ab 65 Jahren eine entsprechende Pflichtdeckung.

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Fortschritte bei Implantaten und Forschungsinfrastruktur

Gleichzeitig verzeichnen medizinische Verfahren deutliche Fortschritte. Eine im August in The Laryngoscope veröffentlichte Multicenter-Studie von Lurie Children's in Chicago analysierte den Einsatz von Cochlea-Implantaten bei Kindern unter zwölf Monaten sowie bei Kindern mit Resthörvermögen.

Über 80 Prozent der prospektiven und 88 Prozent der retrospektiven Gruppe erreichten die Erfolgsmaße innerhalb eines Jahres, ohne dass gehĂ€ufte Komplikationen vor dem ersten Geburtstag auftraten. Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage fĂŒr eine erweiterte Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA fĂŒr Implantate des Herstellers MED-EL mit Zugang ab einem Alter von sieben Monaten.

Auch die geriatrische Infrastruktur wird international erweitert. Am Forschungszentrum des Institut universitaire de gĂ©riatrie de MontrĂ©al entstand mit dem Labor «Reconnecter» – Famille Joly eine Einrichtung zur Erforschung altersbedingter Hör- und Gleichgewichtsstörungen, finanziert durch eine Spende ĂŒber 630.000 Kanadische Dollar.

Dem Institut zufolge ist ab 65 Jahren jeder Dritte und ab 75 Jahren jeder Zweite von HörbeeintrĂ€chtigungen betroffen. Flankiert werden diese Initiativen von internationalen Kooperationen wie Programmen an der Jordan University of Science and Technology zur Sprachrehabilitation sowie technologieorientierten Tagungen zu Robotik und KI-gestĂŒtzten Systemen, die die zukĂŒnftige Versorgung hörgeschĂ€digter Patienten prĂ€gen.

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