Hormonelle Verhütung: Bestimmte Mittel erhöhen Meningeom-Risiko 4,5-fach
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 19:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das belegen umfangreiche Langzeitstudien und klinische Daten. Internationale Aufsichtsbehörden haben deshalb neue Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet.
Dänische Langzeitstudie zeigt deutliche Risikosteigerung
Eine groß angelegte dänische Fall-Kontroll-Studie liefert die aktuellsten Zahlen. Die Mitte 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung wertete Daten von rund drei Millionen Frauen über 25 Jahre aus (2000 bis 2024). Die Forscher identifizierten 1.473 Meningeom-Fälle und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe.
Besonders die Drei-Monats-Spritze mit Medroxyprogesteron sticht hervor: Das Risiko lag hier etwa 4,5-mal höher als bei Nicht-Anwenderinnen. Auch andere Präparate zeigen statistisch signifikante Erhöhungen:
- Desogestrel-Pille: Faktor 1,73
- Kombinierte Präparate (Desogestrel + Ethinylestradiol): Faktor 1,66
- Cyproteron: Faktor 1,61
- Drospirenon: Faktor 1,58
- Hochdosierte Levonorgestrel-Hormonspiralen: Faktor 1,58
Die gute Nachricht: Etwa fünf Jahre nach dem Absetzen verschwindet das erhöhte Risiko wieder.
Frühere Studien stützen diese Ergebnisse. Eine BMJ-Studie von 2024 berichtete von einem 5,6-fach erhöhten Risiko bei mindestens einjähriger Anwendung von Medroxyprogesteron. Ergänzende Daten aus 2025 bezifferten das relative Risiko für dieses Präparat auf 2,43.
EMA verschärft Richtlinien für bestimmte Präparate
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) reagierte am 10. Juli 2026 mit neuen Maßnahmen. Verhütungsmittel mit Desogestrel und Etonogestrel sind künftig bei Frauen kontraindiziert, die aktuell an einem Meningeom leiden oder in der Vergangenheit erkrankt waren. Das absolute Risiko beziffert die EMA auf ein zusätzliches Meningeom pro 67.300 Anwenderinnen.
Bereits im Oktober 2024 hatte die britische MHRA ein Sicherheitsupdate veröffentlicht. Die US-Behörde FDA passte die Kennzeichnung betroffener Produkte im Dezember 2025 an. Ziel aller Maßnahmen: medizinisches Fachpersonal und Patientinnen frühzeitig über mögliche Langzeitfolgen informieren.
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Klinische Fälle und juristische Wellen
Die medizinische Relevanz zeigt sich in konkreten Einzelfällen. Patientin Lauren Lewington berichtete von inoperablen Tumoren nach langjähriger Anwendung der Drei-Monats-Spritze. Die Tumoren waren zu 80 Prozent Progesteronrezeptor-positiv. Nach dem Absetzen der Injektionen Anfang 2025 schrumpfte das Tumorgewebe tatsächlich.
Diese Entwicklung hat juristische Konsequenzen. Im Vereinigten Königreich haben sich rund 100 Frauen einer Sammelklage gegen Hersteller Pfizer angeschlossen. Auch in den USA, besonders im Bundesstaat New York, sind Dutzende Klagen anhängig. Die Klägerinnen werfen dem Unternehmen vor, nicht ausreichend vor den Risiken gewarnt zu haben.
Forschung an Alternativen und neuen Therapien
Die Debatte befeuert den Ruf nach Alternativen. EU-Parlamentarier Peter Liese fordert verstärkte Forschung zur Pille für den Mann. Verschiedene Ansätze befinden sich in der klinischen Prüfung – darunter ein hormonelles Gel zur täglichen Anwendung und hormonfreie Tabletten. Bereits im Herbst 2025 wandten sich Abgeordnete an die EMA, die auf fehlende Leitlinien für solche Präparate verwies.
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Parallel gibt es Fortschritte in der Hirntumor-Behandlung. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sowie der Universitäten Mannheim und Heidelberg berichteten in Nature Cancer über einen neuen Peptidimpfstoff. Eine Phase-I-Studie mit 33 Patienten zeigte vielversprechende Ergebnisse bei Gliomen mit einer spezifischen Mutation. Eine Phase-II-Studie ist für 2027 geplant.
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