Hotel-WLAN-Angriff: Russische Hacker stehlen Microsoft-365-Daten
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine russische Hackergruppe nutzt manipulierte Hotel-WLAN-Netze, um an Zugangsdaten von GeschÀftsreisenden zu gelangen. Die Angreifer tÀuschen Login-Seiten von Microsoft vor und schleusen Schadsoftware ein.
Die Kampagne mit dem Namen âCaptiveCrunch" lĂ€uft nach Erkenntnissen von Microsofts Sicherheitsexperten seit Mai 2026 â erste AktivitĂ€ten reichen bis in den Februar zurĂŒck. Im Visier: Microsoft-365-Konten von HotelgĂ€sten, vor allem GeschĂ€ftsreisenden. Dahinter steckt der staatlich unterstĂŒtzte Akteur Storm-2945, der auch unter den Namen Midnight Blizzard oder APT29 bekannt ist. FĂŒr europĂ€ische Unternehmen ist die Bedrohung besonders relevant, da die Gruppe traditionell auch Ziele in Deutschland und der EU ins Visier nimmt.
TĂ€uschend echte Login-Seiten
Die Angriffsmethode ist ausgeklĂŒgelt: Die Hacker manipulieren die DNS- und HTTP-Weiterleitungen in den Anmeldeportalen von Hotel-WLANs. Wer sich einwĂ€hlen will, landet statt auf der gewĂŒnschten Seite auf gefĂ€lschten Microsoft-Login-Masken oder fingierten Update-Hinweisen. Die Betrugsseiten imitieren dabei Systemmeldungen wie âwinupdate", âdefender" oder âdirectx" â aber auch Aufforderungen zu Browser- oder PDF-Viewer-Updates kommen zum Einsatz.
Die Technik dahinter nennt sich âClickFix": Nutzer werden durch scheinbar harmlose Dialogfelder dazu gebracht, schĂ€dliche Inhalte zu bestĂ€tigen. Die Angreifer setzen zudem auf sogenannte DoppelgĂ€nger-Domains, die legitimen Adressen zum Verwechseln Ă€hnlich sehen.
Zwei Schadprogramme im Einsatz
Gelingt die TÀuschung, installieren die Angreifer eine von zwei Schadsoftware-Varianten: CornFlake, einen in Go programmierten Remote-Access-Trojaner, der dauerhaften Zugriff auf das GerÀt ermöglicht, oder ChocoShell, einen PowerShell-basierten Datendieb. Die Werkzeuge erlauben es den Angreifern, Tastatureingaben mitzulesen, Screenshots anzufertigen und sogar Audio- oder Videoaufnahmen zu aktivieren. In einigen FÀllen können sie das kompromittierte GerÀt vollstÀndig fernsteuern.
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UnabhÀngige Forscher von ReliaQuest haben kompromittierte WLAN-Zugangspunkte in den USA, Indien und Saudi-Arabien identifiziert. Welche Hotels konkret betroffen sind, lieà Microsoft offen.
Schutz fĂŒr unterwegs
Sicherheitsexperten raten Reisenden, Hotel-WLAN grundsĂ€tzlich als unsichere Umgebung zu behandeln. Wer sich einwĂ€hlt, sollte niemals sofort auftauchende Update-Aufforderungen bestĂ€tigen oder Software installieren. Sinnvoller ist es, auf den mobilen Hotspot des Smartphones zurĂŒckzugreifen. Wer auf das Hotel-WLAN angewiesen ist, sollte eine VPN-Verbindung mit Kill-Switch nutzen â sie beendet die Verbindung automatisch, wenn der Schutz abreiĂt.
ZusĂ€tzlich empfehlen Experten, Multi-Faktor-Authentifizierung fĂŒr alle Konten zu aktivieren und die GerĂ€tecode-Authentifizierung zu deaktivieren. Diese Funktion, die bei Microsoft-Konten standardmĂ€Ăig aktiviert ist, können Angreifer nutzen, um die Anmeldesicherheit zu umgehen.
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Das Problem ist bekannt: Viele Reisende klicken Anmelde- und Update-Aufforderungen im Hotel-WLAN gedankenlos weg, um möglichst schnell ins Internet zu kommen. Genau dieses Verhalten macht sich die Kampagne zunutze. Wer unerwartete Authentifizierungsanfragen wÀhrend des EinwÀhlvorgangs erhÀlt, sollte misstrauisch werden und die Verbindung abbrechen.
