Hotel-WLAN-Angriffe, APT28

Hotel-WLAN-Angriffe: APT28 stiehlt Microsoft-365-ZugÀnge seit Juni

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 13:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sicherheitsforscher enthĂŒllen eine Kampagne, die Hotel-WLAN-Netzwerke nutzt, um Zugangsdaten fĂŒr Microsoft 365 zu stehlen.

ReliaQuest deckt Spionage via Hotel-WLAN auf: APT28 im Visier
Ein Laptop auf einem Hotelzimmertisch symbolisiert die Gefahr von Phishing-Angriffen auf WLAN-Netzwerke. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Cybersicherheitsexperten des Unternehmens ReliaQuest haben eine umfassende Spionagekampagne aufgedeckt, die gezielt die WLAN-Infrastruktur in Hotels ausnutzt. Seit Juni dieses Jahres werden dabei sogenannte Captive-Portal-Appliances in den USA, Indien und Saudi-Arabien kompromittiert, um den Datenverkehr von HotelgĂ€sten zu manipulieren. Ziel der Angreifer ist der Diebstahl von Zugangsdaten fĂŒr Microsoft 365 durch technisch versierte Umleitungen.

Manipulation von Anmeldeseiten und DNS-Vergiftung

Im Zentrum der Angriffe steht die sogenannte DNS-Vergiftung (DNS Poisoning). Die HintermĂ€nner verschaffen sich Zugriff auf die Gateway-Systeme der Hotel-WLAN-Netzwerke, welche ĂŒblicherweise die Vorschaltseiten zur Anmeldung (Captive Portals) steuern. Durch die Manipulation dieser Systeme wird der Netzwerkverkehr fĂŒr legitime Microsoft 365-Login-Anfragen auf gefĂ€lschte DomĂ€nen umgeleitet.

Zu den identifizierten betrĂŒgerischen Webadressen gehören unter anderem m365-owa[.]com, owa-ms365[.]com, ms365-device[.]com sowie ms365-live[.]com. Diese DomĂ€nen sind so gestaltet, dass sie die offiziellen Anmeldeseiten von Microsoft tĂ€uschend echt imitieren, um Nutzer zur Eingabe ihrer Anmeldedaten zu bewegen. Die Kampagne zeichnet sich durch eine hohe geografische Fokussierung aus und betrifft insbesondere Reisende in wirtschaftlich und politisch bedeutenden Regionen.

Umgehung der Multifaktor-Authentisierung

Ein besonders kritisches Element der Kampagne ist die Methode zur Umgehung der Multifaktor-Authentisierung (MFA). ReliaQuest berichtete, dass die Angreifer den sogenannten Device Code Flow nutzen. Hierbei werden die Opfer dazu verleitet, OAuth-Tokens zu genehmigen, die zuvor vom Angreifer initiiert wurden. Sobald ein Nutzer diesen Prozess auf der gefĂ€lschten Seite autorisiert, erhalten die Akteure Zugriff auf das Konto, ohne das eigentliche Passwort oder den zweiten Faktor im klassischen Sinne entwenden zu mĂŒssen.

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ZusĂ€tzlich beobachteten die Sicherheitsanalysten in etwa einem Drittel der untersuchten FĂ€lle Versuche, das Web Proxy Auto-Discovery Protocol (WPAD) zu missbrauchen. Diese Technik ermöglicht es, den Datenverkehr eines infizierten Systems noch prĂ€ziser ĂŒber kontrollierte Server umzuleiten und so die Entdeckungswahrscheinlichkeit zu verringern.

Betroffene Branchen und Urheberschaft

Die Angriffe richten sich nach Erkenntnissen der Forscher nicht gegen Zufallsopfer, sondern folgen einem klaren Branchenfokus. Besonders betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Rechtsberatung, Gesundheitswesen und Energie. Auch der Einzelhandel sowie professionelle Dienstleister stehen im Visier der Akteure.

Die Experten von ReliaQuest bringen die Kampagne mit der Gruppierung APT28 in Verbindung. Diese Einheit wird seit Jahren mit staatlich motivierten Cyberoperationen assoiiert und ist fĂŒr ihre komplexen Angriffsmethoden bekannt. Die Wahl von Hotelnetzwerken als Angriffsvektor deutet darauf hin, dass gezielt GeschĂ€ftsreisende und EntscheidungstrĂ€ger wĂ€hrend ihrer Auslandsaufenthalte kompromittiert werden sollen.

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Empfehlungen zur Schadensbegrenzung

Um sich gegen diese Form der Netzwerkmanipulation zu schĂŒtzen, raten Experten zu verstĂ€rkten Sicherheitsvorkehrungen fĂŒr mobiles Arbeiten. Ein wesentlicher Schutzfaktor sei der konsequente Einsatz von Full-Tunnel-VPN-Lösungen, die den gesamten Datenverkehr verschlĂŒsselt an den Hotel-Gateways vorbeileiten. Zudem wird die Nutzung von verschlĂŒsseltem DNS in einem strikten Modus empfohlen, um DNS-Vergiftungen bereits auf Protokollebene zu verhindern.

Unternehmen sollten zudem prĂŒfen, ob die Funktion des Device Code Flow fĂŒr ihre Mitarbeiter deaktiviert werden kann, sofern diese im geschĂ€ftlichen Alltag nicht zwingend erforderlich ist. Durch diese Maßnahme ließe sich die primĂ€re Methode zur MFA-Umgehung in dieser Kampagne wirkungsvoll blockieren.

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