Entzündungsmarker, CKM-Stadium

hsCRP: Entzündungsmarker steigt im ersten CKM-Stadium um 89 Prozent

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien untersuchen Stoffwechsel, Darmflora und Proteine als Hinweise auf Krankheitsrisiken und das biologische Alter.
Eine Laborpipette gibt eine Flüssigkeit in eine Petrischale auf einem sauberen, weißen Labortisch. Illustration mit AI erstellt.

Die kontinuierliche Überwachung von Blutwerten und feinen Stoffwechselspuren gewinnt in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung. Eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen verdeutlicht das Potenzial molekularer Marker, um entzündungsassoziierte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und Mechanismen eines gesunden Alterns besser zu verstehen.

Stoffwechselforschung im Darm: Das Projekt NAD-MAGIC

Einen gezielten Einblick in zelluläre Prozesse sucht das Verbundprojekt NAD-MAGIC unter der Koordination des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Kiel. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über 36 Monate mit 1.949.784 Euro geförderte Vorhaben untersucht frühe Stoffwechselveränderungen der Darmschleimhaut, die einer Krebsentstehung vorausgehen können.

Im Mittelpunkt steht der NAD?-Stoffwechsel: Die Forschenden vermuten, dass chronische Entzündungen und Alterungsprozesse die Verfügbarkeit von NAD? und damit die DNA-Reparatur beeinträchtigen.

Gemeinsam mit der Charité Berlin, dem Berliner Max-Delbrück-Centrum (MDC-BIMSB) und der TU München (TranslaTUM) kommen dabei Massenspektrometrie-Metabolomik, räumliche Stoffwechselkarten sowie Einzelzell- und Genomanalysen zum Einsatz.

Ziel ist die langfristige Entwicklung von Biomarkern. Eine pauschale Empfehlung zur Einnahme von NAD?-Präparaten lässt sich daraus nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht ableiten, da hierfür weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Entzündungsmarker und Herz-Kreislauf-Risiken

Auch bei kardiovaskulären und metabolischen Risikokonstellationen liefern molekulare Marker wichtige Hinweise. Eine im European Journal of Preventive Cardiology publizierte Analyse von Daten der US-Gesundheitsbefragung NHANES (2015–2018) an 4.315 Erwachsenen zeigte, dass der Entzündungsmarker hsCRP im ersten Stadium des kardiovaskulär-renalen Stoffwechselsyndroms (CKM) besonders deutlich zunimmt.

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Der Wert stieg von 1,09 mg/L in Stadium 0 auf 2,06 mg/L in Stadium 1 – ein Anstieg um 89 Prozent, der maßgeblich auf Körperfett zurückzuführen war. In den folgenden Stadien stieg der Wert auf 2,75 mg/L (Stadium 2), 2,80 mg/L (Stadium 3) und verharrte bei 2,79 mg/L in Stadium 4 auf einem Plateau.

Eine an der University of Eastern Finland und der Rutgers Robert Wood Johnson Medical School durchgeführte Auswertung derselben Kohorte unterstrich, dass sich der mittlere hs-CRP-Wert zwischen Stadium 0 und 1 nahezu verdoppelte und die Schwelle von 2 mg/L überschritt.

Eine weitere Auswertung in der Fachzeitschrift Diabetes, Obesity and Metabolism vom August 2026 an 86.829 Teilnehmern ergab, dass der Zusammenhang zwischen hsCRP und Mortalität in CKM-Stadium 1 am stärksten ausgeprägt war (Hazard Ratio 1,14 pro Einheit), während er in Stadium 4 nicht mehr nachweisbar war. Da es sich um Querschnittsdaten handelt, bleibt die Kausalität ungeklärt.

Zudem belegte eine prospektive Kohortenstudie aus China (CHARLS) mit 8.755 schlaganfallfreien Personen bei 515 aufgetretenen Schlaganfällen, dass eine Kombination aus erhöhtem C-reaktives Protein-Triglycerid-Glucose-Index (CTI) und einem hohen Frailty-Index (FI) das Schlaganfallrisiko besonders treffsicher vorhersagen konnte (Hazard Ratio 2,42; 95%-Konfidenzintervall 1,81–3,24).

Mikrobiom und Antikörper vor Krankheitsausbruch

Weitere Untersuchungen heben den Einfluss des Mikrobioms und des Immunsystems hervor. Laut einer dänischen Studie in Nature Communications mit 1.199 Erwachsenen im Alter von 20 bis 72 Jahren korrelierte die Zusammensetzung der Darmflora stärker mit Entzündungsmarkern als das Lebensalter.

Der sogenannte Bacteroides-2-Mikrobiomtyp war mit höheren Entzündungswerten, ungünstigeren Blutfetten und einem über einen Beobachtungszeitraum von bis zu neun Jahren um 21 Prozent höheren relativen Risiko für eine Krankenhausdiagnose verbunden.

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Auf der europäischen Fachtagung UEG Week 2026 in Barcelona präsentierte Forschungsergebnisse wiesen zudem darauf hin, dass Blutproben bereits bis zu zehn Jahre vor der Diagnose chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen Auffälligkeiten zeigen.

Ein Forschungsteam um Dr. Arno Bourgonje analysierte Antikörperprofile von 500 Personen (200 Morbus Crohn, 200 Colitis ulcerosa, 100 Kontrollen) gegen rund 357.000 Antigene.

Bei später Erkrankten war die Antikörperdiversität geringer; Machine-Learning-Modelle erreichten AUC-Werte von 0,90 für Morbus Crohn und 0,84 für Colitis ulcerosa. Auch hier steht die Validierung an unabhängigen Gruppen noch aus.

Biologische Alterungsuhren und Diagnostik

In der Alternsforschung eröffnen metabolische und proteomische Profile neue Perspektiven. Eine in Science Translational Medicine beschriebene metabolomische Blutalterungsuhr basiert auf Plasmaproben von 18.476 Personen aus der chinesischen Shanghai-Pudong-Kohorte und identifizierte 56 altersassoziierte Metaboliten.

Ergänzend zeigten Studien in Nature Medicine unter Leitung von Tony Wyss-Coray (Stanford University) an fast 45.000 Menschen, dass organspezifische Proteinmuster Rückschlüsse auf das biologische Alter einzelner Organe erlauben. Ein stark gealtertes Gehirn ging mit einem mehr als dreifach erhöhten Alzheimer-Risiko einher, ein gealtertes Herz mit späterer Herzschwäche.

Für die praktische Vorsorge betonen Mediziner neben komplexen Biomarkern weiterhin fundierte Basismessungen: Neben dem kleinen Blutbild gehören dazu das Lipidprofil mit ApoB, die einmalige Bestimmung des genetisch determinierten Lipoproteins(a), der Langzeitblutzuckerwert HbA1c sowie kombinierte Blut- und Urinmessungen zur Beurteilung der Nierenfunktion.

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