Humanoid-Robotik: Auslieferungen 2026 verdreifacht auf 60.000 Einheiten
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wonik Robotics führt im Rahmen eines Proof-of-Concept-Verfahrens (PoC) Tests für radbasierte Menschenroboter bei Samsung Electronics und weiteren Halbleiterherstellern durch. Die Erprobung findet unter anderem in den Chipfabriken von Samsung statt und zielt auf die technische Validierung für den industriellen Einsatz in hochsensiblen Produktionsumgebungen ab.
Kim Min-cheol von Wonik Robotics bestätigte die laufenden Tests Mitte September 2026. Samsung evaluiert die Systeme dabei in einem dreistufigen Prozess: Zunächst steht die grundlegende Funktionalität im Fokus, gefolgt von Zuverlässigkeitstests, die insbesondere die Auswirkungen von Vibrationen und Staubentwicklung untersuchen.
Den Abschluss bildet eine finale Bewertung der Einsatztauglichkeit. Über konkrete Liefermengen oder Zeitpunkte für eine flächendeckende Implementierung liegen bislang keine Informationen vor.
Die eingesetzten Roboter verfügen über eine Fünffinger-Hand sowie eine KI-gestützte Objekterkennung. Zur Vorbereitung einer Massenproduktion errichtet Wonik Robotics derzeit ein neues Werk in Wanju (Nord-Jeolla), wobei das Unternehmen durch eine staatliche Förderung in Höhe von 350 Milliarden Won unterstützt wird.
UBTECH skaliert industrielle Fertigung in China
Parallel zu den Entwicklungen in Südkorea treibt der chinesische Hersteller UBTECH die industrielle Skalierung voran. In Liuzhou wurde Mitte September die nach Unternehmensangaben weltweit erste „Super-Smart-Fabrik“ für industrielle Menschenroboter in Betrieb genommen.
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Die Anlage erstreckt sich über 14.000 Quadratmeter und erreicht eine Höhe von 13,8 Metern. Das Werk ist auf eine Jahreskapazität von über 10.000 Einheiten der Modelle Walker S und Cruzr ausgelegt. Der Design-Durchsatz sieht die Fertigstellung eines Roboters alle zehn Minuten vor.
UBTECH setzt in der Produktion auf digitale Zwillinge und Simulationssoftware von Siemens Digital Industries Software. Trotz des technologischen Ausbaus bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt: Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte das Unternehmen zwar über 900 vollgroße Menschenroboter – was einer Verzwanzigfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht –, wies jedoch einen Verlust von 339 Millionen Yuan aus. Das Ziel für das Gesamtjahr 2026 liegt bei der Auslieferung von 10.000 Einheiten.
Marktdynamik und globaler Wettbewerb
Die Branche der humanoiden Robotik verzeichnete in den letzten Monaten eine erhebliche Beschleunigung. Das Unternehmen Unitree (Yushu Technology) feierte im August ein erfolgreiches Börsendebüt in Shanghai, bei dem der Aktienkurs am ersten Tag um 460 Prozent stieg und den Marktwert zeitweise auf 342 Milliarden Yuan hob.
Unitree lieferte im Jahr 2025 über 5.500 Menschenroboter aus und beansprucht damit die globale Marktführerschein in diesem Segment. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 274 Millionen Yuan bei einem Umsatz von 1,152 Milliarden Yuan.
Branchenanalysten von Counterpoint beobachten ein massives Wachstum des Gesamtmarktes. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die weltweiten Auslieferungen um 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf über 22.000 Einheiten. Dabei dominieren chinesische Hersteller mit einem Marktanteil von 86 Prozent das Geschehen.
Auch Agility Robotics aus den USA verstärkt seine Aktivitäten und stellte mit dem Digit 5 ein neues Modell vor, das eine Nutzlast von 22,7 Kilogramm bewältigen kann. Die Serienfertigung soll in einer Fabrik in Oregon erfolgen, wobei ein kommerzieller Marktstart in Europa für Ende 2027 geplant ist.
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Prognosen zur Marktentwicklung
Trotz der zunehmenden Produktionskapazitäten erreichen laut Marktbeobachtern derzeit weniger als 5 Prozent der produzierten humanoiden Roboter tatsächliche Fabrikproduktionslinien. In Pilotprojekten, wie im Xiaomi-EV-Werk, werden jedoch Fortschritte erzielt: Die Erfolgsrate bei automatisierten Schraubaufgaben stieg dort innerhalb von vier Monaten von initial 90,2 Prozent auf 98 Prozent.
Finanzexperten von Morgan Stanley hoben ihre Prognose für den chinesischen Markt im Jahr 2026 deutlich auf 50.000 Einheiten an. Goldman Sachs erwartet langfristig ein globales Potenzial von 6,5 Millionen ausgelieferten Einheiten bis zum Jahr 2035. Die Analysten von JPMorgan rechnen für das laufende Jahr 2026 mit weltweiten Auslieferungen von 60.000 Robotern, was eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr (18.000 Einheiten) bedeuten würde.
Die Branche steht jedoch weiterhin vor der Herausforderung, die hohen Entwicklungskosten durch Skaleneffekte zu senken, um die Profitabilität zu sichern.
