Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: China liefert 12.868 Einheiten, USA nur 450

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 04:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Chinesische Firmen liefern 97 Prozent aller humanoiden Roboter aus, während US-Konzerne bei KI-Modellen führen. Milliarden-Subventionen treiben den Vorsprung.

China vs. USA: Wer dominiert die humanoide Robotik?
Humanoides Robot in einer chinesischen Fabrik, verschwommene US-Flagge im Vordergrund, symbolisiert Rückstand der US-Industrie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Peking dominiert die Produktion, während Amerika bei KI-Modellen führt.

Die Schere zwischen den humanoiden Robotiksektoren Chinas und der USA öffnet sich rasant. Während amerikanische Start-ups hohe Bewertungen und eine Führungsposition bei grundlegenden KI-Modellen halten, hat China eine dominante Stellung in der Hardware-Produktion, bei den Auslieferungszahlen und durch massive staatliche Förderung aufgebaut.

Gigantischer Vorsprung bei Auslieferungen

Die nackten Zahlen zeigen ein klares Bild: Im Jahr 2025 verkauften US-Firmen wie Figure, Agility und Tesla jeweils rund 150 humanoide Roboter – insgesamt etwa 450 Einheiten. Chinesische Unternehmen hingegen lieferten im selben Zeitraum rund 12.868 Einheiten aus.

Damit entfallen nach Angaben von Branchenanalysten und der Information Technology and Innovation Foundation (ITIF) zwischen 90 und 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter auf China. Einzelne Hersteller wie Unitree (5.500 Einheiten), AgiBot (5.168 Einheiten) und UBTECH (1.000 Einheiten) erzielten dabei bereits beachtliche Stückzahlen. Marktforscher von Morgan Stanley prognostizieren für China im Jahr 2026 sogar 50.000 Auslieferungen.

Staatliche Milliarden als Turbo

Ein entscheidender Faktor für das Ungleichgewicht ist die Industriepolitik. Den USA fehlt bislang eine umfassende nationale Robotik-Strategie. China dagegen hat die Robotik fest in seinem 15. Fünfjahresplan verankert. Dieser soll Subventionen in Höhe von umgerechnet rund 300 Milliarden Euro für Robotik und künstliche Intelligenz vorsehen.

Die Umsetzung erfolgt mit Nachdruck: Erst 2026 starteten das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) und die Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) eine Sonderaktion zur Schulung humanoider Roboter. Ziel sind mehr als 100 Anwendungsszenarien und die Inbetriebnahme von Zehntausenden Einheiten.

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Die Finanzierung des Sektors boomt entsprechend. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die Investitionen in Chinas humanoide Robotik umgerechnet rund 6,95 Milliarden Euro – mehr als das Sechsfache des Vorjahreszeitraums.

Börsengänge und Meilensteine

Chinesische Start-ups drängen nun an die Kapitalmärkte und in die Massenproduktion. Unitree erhielt am 2. Juli 2026 die Zulassung für seinen Börsengang an der STAR-Market, einem Technologie-Börsensegment in Shanghai. Der Emissionserlös wird auf rund 619 Millionen Euro geschätzt. Zuvor hatte das Unternehmen im Mai 2026 seinen bemannten Mech GD01 vorgestellt.

Weitere wichtige Entwicklungen:

  • LimX Dynamics sammelte in einer Pre-IPO-Runde 200 Millionen Euro ein und erreichte eine Bewertung von 2,21 Milliarden Euro. Das Unternehmen plant einen Börsengang in Hongkong und Lieferungen nach Südkorea und in den Nahen Osten.
  • UBTECH brachte am 30. Juni 2026 seine humanoide U1-Serie auf den Markt.
  • Ant Group führte eine Finanzierungsrunde für das Startup Zeroth in Höhe von umgerechnet rund 73 Millionen Euro an – die zwölfte Investition des Tech-Konzerns in den Sektor seit 2025.
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In den USA startete derweil Robot.com im Juni 2026 seinen rollenden humanoiden Roboter „R-noid". Das System nutzt FieldAI-Foundation-Modelle und soll innerhalb von acht bis zwölf Wochen in Küchen, Lagern und Hotels einsatzbereit sein. Zum Zeitpunkt des Starts waren jedoch weniger als 40 Einheiten ausgeliefert.

Lieferkette als Trumpf

Analysten sehen einen weiteren Vorteil Chinas in der etablierten Lieferkette für Elektrofahrzeuge. Viele Komponenten sind identisch, was die Produktion von Robotern günstiger und skalierbarer macht. Hinzu kommen die Lohnkosten: Während die US-Industrie mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von rund 30 Euro kalkuliert, treibt dies zwar den Automatisierungsdruck, der Fokus liegt aber weiterhin auf Innovation statt auf Massenproduktion.

Chinesische Firmen expandieren derweil global. Seer Intelligent ist bereits in 65 Ländern aktiv. Langfristige Prognosen von ABI Research sehen den globalen Markt für humanoide Roboter bis 2036 bei umgerechnet rund 150 Milliarden Euro. Der aktuelle trend deutet darauf hin, dass chinesische Unternehmen den Löwenanteil dieses Wachstums für sich beanspruchen werden.

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