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Humanoide Roboter: Shanghai eröffnet Trainingsschule für 100 Maschinen

26.05.2026 - 11:31:07 | boerse-global.de

China eröffnet Trainingszentren für humanoide Roboter, während Figure AI einen 200-Stunden-Dauertest absolviert. Die Kosten sinken rasant.

Humanoide Roboter: Shanghai eröffnet Trainingsschule für 100 Maschinen - Foto: über boerse-global.de
Humanoide Roboter: Shanghai eröffnet Trainingsschule für 100 Maschinen - Foto: über boerse-global.de

Die globale Robotik-Branche macht einen entscheidenden Schritt von der Labor-Experimentierphase zur industriellen Massenanwendung. Während China auf zentral gesteuerte Trainingsinfrastruktur setzt, beweisen amerikanische Hersteller die Ausdauer ihrer Systeme in der Praxis. Derzeit eröffnet in Shanghai die weltweit erste „Trainingsschule" für humanoide Roboter – ein klares Signal, wohin die Reise geht.

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Chinas Strategie: Zentrale Datensammlung und digitale Identität

Im Juli 2026 öffnet im Shanghaier Bezirk Zhangjiang eine 5.000 Quadratmeter große Einrichtung ihre Tore. Betrieben vom Nationalen Innovationszentrum für humanoide Robotik, sollen dort über 100 Roboter von einem Dutzend verschiedener Hersteller an 45 grundlegenden Fertigkeiten feilen – vom Heben über das präzise Greifen bis zum Platzieren von Gegenständen.

Das ambitionierte Ziel: Täglich 50.000 Datenpunkte generieren, um die Lernkurve der Maschinen drastisch zu beschleunigen. Zehn Millionen Datensätze pro Jahr sollen so zusammenkommen – für den Einsatz in Industrie, Medizin und Landwirtschaft.

Bereits Mitte Mai 2026 öffnete ein zweites nationales Pilotzentrum in Hangzhou. Dort trainieren 130 Roboter in 30 verschiedenen beruflichen Szenarien, darunter Haushaltsaufgaben und Einzelhandel. Um den Überblick über die wachsende Flotte zu behalten, haben die Behörden eine Plattform für das gesamte Lebenszyklus-Management eingeführt. Jeder Roboter erhält eine 29-stellige Identifikationsnummer, die Hersteller, Hardware-Spezifikationen, KI-Fähigkeiten und Wartungshistorie von der Produktion bis zum Recycling dokumentiert.

Mehr als 28.000 Roboter mit 200 verschiedenen Modellen sind bereits registriert. Die Investitionen in die Robotik belaufen sich auf umgerechnet rund 3,4 Milliarden Euro – deutlich mehr als die vergleichbaren Ausgaben in den USA. Ab 2026 führen zudem neun chinesische Universitäten neue Studiengänge für verkörperte Intelligenz ein.

Figure AI: 200 Stunden Dauerbetrieb ohne Ausfall

Während China auf zentrale Steuerung setzt, zeigen amerikanische Entwickler, was ihre Systeme unter realen Bedingungen leisten. Figure AI hat einen 200-Stunden-Dauertest mit drei Figure-03-Robotern abgeschlossen, die von der Helix-02-KI gesteuert wurden.

Vom 14. bis 22. Mai 2026 sortierten die Roboter 249.560 Pakete – ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Die Maschinen wechselten sich dabei eigenständig ab, um ihre vierstündige Akkulaufzeit zu kompensieren. Mit einer Sortierrate von 1.248 Paketen pro Stunde bewies das System, dass humanoide Roboter in der Logistik mit menschlicher Ausdauer mithalten können.

Die Helix-02-Architektur arbeitet mit einem Dual-System-Ansatz: Ein 7-Milliarden-Parameter-Modell für das Szenenverständnis (System 2) arbeitet mit niedrigerer Frequenz, während ein 80-Millionen-Parameter-Modell (System 1) die Motorsteuerung mit Millisekunden-Präzision übernimmt. Diese technische Raffinesse hat Figure AI auf eine Bewertung von 39 Milliarden Euro katapultiert.

Die Vorgängergeneration Figure 02 ist bereits seit elf Monaten im BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, im Einsatz. Dort halfen die Roboter bei der Produktion von 30.000 BMW X3-Modellen und bearbeiteten rund 90.000 Blechteile. Auch Agility Robotics zeigt, was möglich ist: Deren Digit-Modelle haben bereits mehr als 100.000 Container für GXO Logistics verarbeitet.

Indische Start-ups: Der Preisverfall beginnt

Die Kosten für humanoide Hardware sinken rasant. In Bangalore hat Hegemon Robotics einen humanoiden Roboter speziell für den indischen Fertigungssektor vorgestellt. Der Preis: umgerechnet rund 59.000 Euro. Das Unternehmen verspricht eine Kostenersparnis von 40 Prozent über drei Jahre im Vergleich zu importierten Modellen. Die kommerzielle Einführung in der Automobilbranche ist für das zweite Quartal 2025 geplant.

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Noch günstiger ist der AE-1 von Aether Robotics, ebenfalls aus Bangalore. Mit einem Preis von rund 18.000 Euro und einem Leasing-Modell für 600 Euro monatlich will das Unternehmen bis Ende 2025 tausend Einheiten ausliefern.

Auch in China fallen die Preise. Kostete ein Unitree-Roboter 2023 noch umgerechnet 85.000 Euro, sind es heute nur noch rund 25.000 Euro. Allerdings geraten diese günstigen Modelle zunehmend unter politischen Druck. Am 21. Mai 2026 prüfte der US-Kongress den „Blocking CCP Spy Tech Act", der die Sicherheitsrisiken von Unitree-Hardware und deren Verbindungen zu chinesischen Staatsinteressen untersucht.

Vom Industrieroboter zum Balletttänzer

Die Fähigkeiten humanoider Roboter gehen längst über stupide Fließbandarbeit hinaus. UBTECHs Walker C1 beeindruckte auf der Chain Expo 2026 mit einer Ballett-Sequenz an der Seite menschlicher Tänzer. Der Roboter nutzt U-SLAM-Navigation und erreicht eine Gehgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde.

UBTECH sicherte sich 2025 Aufträge im Wert von umgerechnet rund 100 Millionen Euro von Partnern wie BYD, Geely und Foxconn. In Zusammenarbeit mit Siemens peilt das Unternehmen eine Produktionskapazität von 10.000 Einheiten pro Jahr bis Ende 2026 an.

Robots-as-a-Service: Der neue Trend

Die Art und Weise, wie Unternehmen humanoide Roboter nutzen, verändert sich grundlegend. Auf dem Robotics Summit in Boston, der am 25. Mai 2026 eröffnet wurde, betonten Branchenführer den Wandel hin zu „Robots-as-a-Service" (RaaS). Firmen wie Figure AI, Agility Robotics und Toyota Motor Manufacturing Canada setzen zunehmend auf dieses Modell. Es erlaubt Industriekunden, humanoide Arbeitskräfte zu integrieren, ohne die hohen Anfangsinvestitionen für Automatisierungstechnik stemmen zu müssen.

Zwei Strategien, ein Ziel

Die aktuelle Entwicklung der humanoiden Robotik zeigt zwei grundlegend unterschiedliche Ansätze. China setzt auf staatlich koordinierte Datensammlung und standardisierte Identifikationssysteme. Die Roboter-Ausbildung wird wie eine Berufsausbildung behandelt. Ziel ist ein „Full-Lifecycle"-Ökosystem, das bis Ende 2025 40 staatliche Rechenzentren umfassen soll. Bis 2030 soll der markt für verkörperte Intelligenz umgerechnet 50 Milliarden Euro erreichen, bis 2035 sogar 125 Milliarden Euro.

Die USA setzen dagegen auf hochbewertete Privatfirmen wie Figure AI und Boston Dynamics – letztere zeigte kürzlich ein Atlas-Modell, das ein 23 Kilogramm schweres Haushaltsgerät heben kann. Der Fokus liegt auf extremer Zuverlässigkeit in spezifischen Hochvolumen-Umgebungen wie Automobilmontage und Paketsortierung.

Der globale Markt für humanoide Roboter wuchs 2025 um 508 Prozent – rund 18.000 Einheiten wurden weltweit ausgeliefert.

Ausblick: Was bringt der Rest des Jahres 2026?

Wenn die Shanghaier Trainingsanlage im Juli ihren Betrieb aufnimmt, wird sich zeigen, ob zentralisierte Datensammlung die Trainingszeiten für neue Fähigkeiten drastisch verkürzen kann. Derzeit benötigt ein einzelner Roboterarm bis zu 10.000 Wiederholungen, um eine neue Aufgabe zu meistern. Die 50.000 täglichen Datenpunkte aus Shanghai könnten diese Zeiten deutlich reduzieren.

In den USA bleibt der Fokus auf der Produktionsskalierung. Figure AI plant in seiner BotQ-Anlage eine Kapazität von 12.000 Robotern pro Jahr. Die erfolgreiche Integration humanoider Roboter in Haushaltsaufgaben, wie sie derzeit im Pekinger Trainingszentrum für humanoide Robotik erprobt wird, deutet darauf hin, dass die nächste Wachstumsphase über die Fabrikhallen hinausgehen könnte – hin zu Dienstleistungen und privaten Haushalten bis Ende des Jahrzehnts.

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