Hybrid-DRG, Ambulante

Hybrid-DRG: Ambulante Operationen sollen ab 2027 wieder nach EBM bezahlt werden

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Geplante Änderungen bei OP-Honoraren und DiGA-Vergütung stoßen auf Kritik; ein möglicher Abschlag ist noch nicht beschlossen.

Ambulante Eingriffe und DiGA: Streit um Vergütung und Zugang
Ein heller, steriler Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit medizinischem Instrumententisch und moderner Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Krankenkassen und Ärzteverbände äußern deutliche Bedenken hinsichtlich der Ambulantisierung medizinischer Leistungen sowie der Preisgestaltung bei digitalen Gesundheitsanwendungen. Beide Bereiche gelten als zentrale Bausteine für eine moderne medizinische Versorgung älterer Patienten, geraten jedoch zunehmend durch geplante regulatorische und finanzielle Anpassungen unter Druck.

Rückschritte bei der Ambulantisierung medizinischer Eingriffe

Sowohl Krankenkassen als auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung blicken mit Sorge auf die Entwicklung der Ambulantisierung, insbesondere mit Blick auf die Abschaffung der Hybrid-DRG. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg, die rund 5.000 Ärzte und Psychotherapeuten vertritt, übt deutliche Kritik an einem Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD zur Notfallreform.

Vorgesehen ist demnach, dass ambulante Operationen ohne Übernachtung ab 2027 wieder nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab bezahlt werden sollen. Fälle mit mindestens einer Übernachtung sollen hingegen ein höheres Honorar behalten.

Die Vorstandschefin der KVBB, Steiniger, bezeichnete diese Regelung als Prämie für das Dableiben in der Klinik. Niedergelassene Praxen hätten seit 2024 erhebliche Investitionen in Operationsräume, Personal und Technik getätigt.

Die Hybrid-DRG waren 2024 eingeführt worden, weil die EBM-Vergütung den tatsächlichen Aufwand vieler Eingriffe nicht adäquat abbildete. Berichten des Deutschen Ärzteblattes zufolge sollen die Hybrid-DRG im Jahr 2028 vollständig entfallen und durch Kurzzeitfallpauschalen abgelöst werden.

Konflikte um den Zugang und die Vergütung von DiGA

Gleichzeitig verschärft sich die Debatte um digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Die AOK fordert in einem Positionspapier ein Ende kommerzieller Rezept- und Verordnungsservices. Versicherte sollten den Zugang ausschließlich über Ärzte und Psychotherapeuten oder über das Antragsverfahren der Krankenkassen erhalten.

Anzeige

Ambulante Operationen ohne Übernachtung sollen ab 2027 wieder nach EBM vergütet werden — Fälle mit Übernachtung behalten ein höheres Honorar. Wer seit 2024 in OP-Räume, Personal und Technik investiert hat, braucht jetzt eine belastbare Kalkulation. Der kostenlose Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Ihre Eingriffe neu bewerten und Honorarverluste abfedern. Kostenlosen Praxis-Leitfaden jetzt anfordern

Die Kasse räumt dabei selbst ein, dass bereits 90 Prozent der DiGA ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden und lediglich rund 10 Prozent über Anträge bei den Kassen laufen.

Vertreter der Branche widersprechen den Kassenforderungen entschieden. DiGA-Gründer wie Rehbein von eCovery und Wülfing von Pink! betonen, dass die Verordnungsservices lediglich als Einlösehilfe dienten. Derzeit müssten Patienten zehn bis vierzehn Tage auf den postalischen Freischalt-Code warten. Sie fordern stattdessen, DiGA-Rezepte direkt in Vor-Ort-Apotheken einlösbar zu machen.

Zudem kritisiert Wülfing von den Kassen vorgeschlagene 14-tägige Testzeiträume als zu kurz, da therapeutische Erfolge sich oft erst nach drei Monaten zeigten. Eine Prüfung beim Gemeinsamen Bundesausschuss statt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hält er für den falschen Weg.

Zudem würden finanzielle Eigenbeteiligungen chronisch sowie psychisch Erkrankte von der Versorgung ausschließen. Das BfArM prüft im etablierten DiGA-Fast-Track bereits Kriterien wie Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Datenschutz, medizinische Qualität, Interoperabilität sowie Nachweise zu positiven Versorgungseffekten.

Debatte über Abschläge bei Behandlungsabbrüchen

Neben den Zugangswegen steht auch das Vergütungsmodell zur Disposition. In der politischen Diskussion befindet sich ein zusätzlicher DiGA-Preisabschlag, der sich an der Abbruchquote in den ersten vier Wochen orientiert, über den der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller Anfang Oktober 2026 im Kontext der Notfallreform berichtete.

Anzeige

Die Vergütungsumstellung ist noch nicht final beschlossen — doch die Planungsunsicherheit trifft Ihre Investitionsentscheidungen schon heute. Wer jetzt Personal und OP-Kapazitäten bindet, sollte wissen, welche Fälle künftig über EBM oder Kurzzeitfallpauschalen laufen. Der Leitfaden liefert eine Checkliste zur Risikobewertung und konkrete Verhandlungstipps für Kassenverträge. Checkliste zur Vergütungsplanung sichern

Laut dem Monitor Versorgungsforschung und Pharma Deutschland wird diskutiert, die Vergütung ab Januar 2027 rückwirkend um den Anteil jener Nutzer zu kürzen, die die Anwendung innerhalb der ersten 28 Tage abbrechen. Diese Regelung ist derzeit noch nicht final beschlossen, sorgt in der Branche jedoch für erhebliche Planungsunsicherheit.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70296294 |