Hyundai-Streik, Millionen

Hyundai-Streik: 472 Millionen Euro Schaden durch Roboter-Konflikt

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hyundai bestreitet Zusammenhang zwischen Automatisierung und Arbeitskampf. Gewerkschaft fordert Mitsprache bei Robotereinsatz.

Hyundai Aktie: Roboter-Streit und Tarifkonflikt belasten Produktion
Fortschrittlicher humanoider Roboter auf dem Boden einer modernen Autofabrik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der südkoreanische Autobauer weist Verbindungen zwischen seiner Automatisierungsstrategie und den aktuellen Arbeitskämpfen zurück. Die Gewerkschaft sieht das anders.

Eskalation in Ulsan

Seit Tagen brodelt es in den Hyundai-Werken. Am 20. Juli eskalierte der Arbeitskampf: Die Gewerkschaft, die 35.000 Beschäftigte im riesigen Ulsan-Komplex vertritt, rief zu Teilausständen auf. Vier Stunden pro Schicht legen die Arbeiter die Produktion lahm. Die Bilanz nach nur drei Tagen: rund 15.000 nicht gebaute Fahrzeuge, Umsatzverluste von umgerechnet knapp 472 Millionen Euro.

Der Konflikt hat einen Namen: Atlas. Hyundais humanoider Roboter, der ab 2028 in Serie gehen soll. Die Gewerkschaft fordert schriftliche Garantien, dass die Maschinen nur mit ihrer Zustimmung eingesetzt werden dürfen. Hyundai hingegen betont, die Automatisierungspläne seien kein Verhandlungsthema.

Milliardendeal mit Boston Dynamics

Hintergrund der Spannungen ist ein Coup, den Hyundai am 20. Juli perfekt machte: Die vollständige Übernahme von Boston Dynamics. Für rund 325 Millionen Euro kaufte der Konzern die restlichen 9,65 Prozent von SoftBank zurück. Der Gesamtwert des Robotik-Pioniers: rund 3,3 Milliarden Euro.

Die Pläne sind ambitioniert. Ab 2028 sollen die ersten Atlas-Roboter im US-Werk Metaplant America in Georgia arbeiten. Langfristig ist der Einsatz von 25.000 Einheiten in Hyundai- und Kia-Werken weltweit vorgesehen. Jeder Roboter kostet rund 130.000 Euro – und soll sich laut internen Berechnungen innerhalb von zwei Jahren amortisieren.

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Festgefahrene Tarifverhandlungen

Doch der Streit um die Roboter ist nur ein Teil des Problems. Seit Wochen ringen Gewerkschaft und Management um einen neuen Tarifvertrag. Die Fronten sind verhärtet. Im Juni stimmten 92 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für Streiks.

Die Forderungen der Arbeitnehmervertreter sind deutlich:

  • 149.600 Won (rund 100 Euro) mehr Grundgehalt pro Monat
  • Eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 30 Prozent des Nettogewinns von 2025
  • Verlängerung der Altersgrenze von 60 auf 65 Jahre
  • Wiedereinstellung entlassener Kollegen

Hyundais letztes Angebot: 89.000 Won mehr Grundgehalt, ein Bonus von 350 Prozent plus einer Einmalzahlung von 10 Millionen Won (rund 6.700 Euro) sowie 15 Firmenaktien. Konzernchef Choi Young-il bezeichnete dies als „bestmögliches Angebot". Die Gewerkschaft lehnte ab.

Ein neues Lohnmodell für das Roboterzeitalter

Parallel zu den Verhandlungen arbeiten Management und Gewerkschaft an einem zukunftsweisenden Modell. Ein gemeinsames Taskforce-Team prüft die Einführung eines vollständigen Monatsgehaltssystems. Die Idee: Variable Zuschläge für Überstunden und Nachtarbeit sollen in feste Monatsgehälter umgewandelt werden. Das Ziel: Einkommensstabilität in Zeiten zunehmender Automatisierung.

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Experten warnen allerdings: Die Umstellung dürfe nicht zulasten der Produktivität gehen.

Branchenweite Unruhe

Der Arbeitskampf bei Hyundai ist kein Einzelfall. Auch bei Kia, GM Korea und Renault Korea kam es Ende Juli zu Arbeitsniederlegungen oder drohenden Streiks. Die südkoreanische Autoindustrie erlebt eine Welle der Unruhe, wie sie die Branche seit Jahren nicht gesehen hat.

Die kommenden Wochen versprechen keine Entspannung. Das Asan-Werk von Hyundai steht vom 26. Juli bis zum 12. August für Umrüstungsarbeiten still. In der ersten Augustwoche folgt die allgemeine Sommerpause. Ob bis dahin eine Einigung erzielt wird, ist offen.

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