Ibuprofen und Blutdrucksenker: „Triple Whammy“ erhöht Nierenrisiko um 31 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Großbritannien werden nach Daten des National Health Service (NHS) täglich rund 1.000 ältere Patienten wegen arzneimittelbedingter Nebenwirkungen notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert. Fachkreise warnen vor allem vor den kritischen Wechselwirkungen gängiger Blutdrucksenker wie Ramipril oder Amlodipin mit weit verbreiteten Schmerzmitteln wie Ibuprofen.
Risikofaktor Polymedikation im Alter
Recherchen der britischen Zeitung The Times verdeutlichen das Ausmaß des Medikamentenkonsums: Rund 8 Millionen Briten nehmen mindestens fünf verschiedene Präparate ein, während 2,2 Millionen Menschen zehn oder mehr Arzneimittel verordnet bekommen. Besonders betroffen ist die ältere Bevölkerung.
In England nehmen über zwei Fünftel aller Patienten ab einem Alter von 70 Jahren fünf oder mehr Medikamente ein. Wer zehn oder mehr Präparate einnimmt, trägt laut den Erhebungen ein rund vierfach erhöhtes Risiko für eine Krankenhausaufnahme infolge toxischer Wechselwirkungen.
Kritische Kombinationen belasten Nieren und Kreislauf
Zu den riskanten Kombinationen zählt die gleichzeitige Einnahme von Ramipril und Amlodipin. Diese kann insbesondere bei älteren und dehydrierten Personen zu schwerer Hypotonie und Stürzen führen. Auch das Entwässerungsmittel Furosemid steigert die Sturzgefahr.
Eine erhebliche Rolle bei Komplikationen spielt der freiverkäufliche Entzündungshemmer Ibuprofen, der mit bis zu 30 Prozent der arzneimittelbedingten Krankenhausreaktionen in Verbindung gebracht wird.
Wissenschaftliche Daten zur sogenannten „Triple Whammy“-Kombination aus Ibuprofen, einem Diuretikum sowie einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker belegen ein um bis zu 31 Prozent höheres Risiko für akute Nierenschädigungen.
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Zudem reduzieren nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen die Nierendurchblutung durch die Blockade gefäßerweiternder Prostaglandine. Eine Meta-Analyse im Fachjournal BMC Nephrology zeigte, dass der aktuelle Gebrauch dieser Wirkstoffklasse in der Allgemeinbevölkerung mit einem fast doppelt so hohen Risiko für akutes Nierenversagen einhergeht.
Weitere dokumentierte Wechselwirkungen von Ibuprofen umfassen:
- Kombinationen mit anderen NSAR wie Naproxen, Celecoxib oder Acetylsalicylsäure (erhöhtes Risiko für Geschwüre und Blutungen)
- Antikoagulanzien wie Warfarin, Apixaban oder Rivaroxaban (Blutungsgefahr)
- Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und SNRI (Gastrointestinalblutungen)
- Kortikosteroide wie Prednison (Geschwüre und Blutungen)
- Lithium und Methotrexat (Gefahr toxischer Akkumulation)
Gefahren für das Herz-Kreislauf-System
Auch auf das kardiovaskuläre System wirken sich Schmerzmittel aus. Eine Studie des Universitätsspitals Zürich (USZ) aus dem Jahr 2017 an 444 Hochrisikopatienten zeigte deutliche Unterschiede im Blutdruckverhalten nach vier Monaten: Während Celecoxib den Blutdruck im Schnitt um 0,3 mmHg senkte, erhöhte Ibuprofen ihn um 3,7 mmHg und Naproxen um 1,6 mmHg.
Laut Fachberichten aus der Herzmedizin besteht bei regelmäßiger Einnahme von Ibuprofen über einen Zeitraum von ein bis sieben Tagen bereits ein um 100 Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko.
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Zu den Gegenanzeigen für den Wirkstoff gehören unter anderem unbehandelter Bluthochdruck, schwere Herzinsuffizienz sowie vorbestehende Nieren- oder Leberstörungen. Bereits eine Einnahmedauer von drei Tagen kann bei gefährdeten Personen schwere renale Komplikationen hervorrufen.
Notwendigkeit von Kontrollen und Warnsignale
Rund 6 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich nehmen laut Berichten der Zeitung Mirror Ramipril ein. Ein abrupter Blutdruckabfall kann lebensbedrohlich sein; Schwindel und Ohnmacht treten laut NHS besonders zu Behandlungsbeginn oder nach Dosiserhöhungen auf. Bei anhaltenden Beschwerden wird geraten, medizinische Hilfe zu suchen und die Dosierung keinesfalls eigenmächtig zu verändern.
Angesichts der Gefahren empfiehlt der NHS regelmäßige Überprüfungen des Medikationsplans. Für den kommenden Januar ist die Veröffentlichung eines nationalen Pflegeplans für gebrechliche ältere Menschen vorgesehen. Mediziner mahnen, vor einer regelmäßigen Einnahme von Schmerzmitteln ärztlichen Rat einzuholen, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen und auf Warnsignale wie verminderte Urinausscheidung, Ödeme, Atemnot oder Verwirrtheit zu achten.
