IdentitÀtsdiebstahl, GerÀte-Angriffe

IdentitÀtsdiebstahl: GerÀte-Angriffe steigen um 78 Prozent

24.06.2026 - 00:52:50 | boerse-global.de

GerĂ€te-Hacking löst klassischen Betrug als Hauptursache fĂŒr IdentitĂ€tsdiebstahl ab. Die Fallzahlen stiegen um 78 Prozent.

IdentitÀtsdiebstahl: Hacker-Angriffe auf Handys und PCs nehmen drastisch zu
IdentitĂ€tsdiebstahl - Shadowy hands typing on a laptop, with digital security elements projected around the screen, symbolizing mobile device security threats. 24.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Unbefugter Zugriff auf Handys und Computer hat klassische Betrugsmaschen als Hauptursache fĂŒr IdentitĂ€tsdiebstahl bei 35- bis 64-JĂ€hrigen abgelöst. Die Zahl solcher Angriffe stieg binnen eines Jahres um 78 Prozent.

Das zeigt der aktuelle „Trends in Identity Report" der ITRC, der zwischen April 2025 und MĂ€rz 2026 ĂŒber 9.250 FĂ€lle analysierte. Demnach machen Hacker-Angriffe auf GerĂ€te inzwischen 27,2 Prozent aller gemeldeten VorfĂ€lle aus. Klassische Betrugsversuche sind dagegen auf 36,1 Prozent gesunken – ein deutlicher Hinweis darauf, dass Kriminelle ihre Taktik geĂ€ndert haben.

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Mehr als ein Viertel der Betroffenen erlebte gleich mehrere SicherheitsvorfÀlle. Die Folgen sind unterschiedlich: WÀhrend 53 Prozent der Opfer keinen finanziellen Schaden meldeten, lag die Erholungsrate bei jenen mit drei oder mehr Konsequenzen bei null Prozent.

Phishing-Angriffe werden raffinierter

Die Zunahme gerÀtebasierter Bedrohungen geht mit einer dramatischen Eskalation spezialisierter Phishing-Techniken einher. Ein aktueller Bericht von Huntress dokumentiert einen Anstieg von Device-Code-Phishing-Angriffen um 1.380 Prozent in den ersten Worten 2026 im Vergleich zur zweiten JahreshÀlfte 2025.

Diese Angriffe nutzen kĂŒnstliche Intelligenz, um personalisierte Köder zu erstellen. Kein einziger Phishing-Versuch gleicht dem anderen – und die Automatisierung senkt die technischen HĂŒrden fĂŒr Angreifer massiv.

Google hat inzwischen rechtliche Schritte gegen ein chinesisches Phishing-Netzwerk namens „Outsider Enterprise" eingeleitet. Die Gruppe soll ĂŒber Telegram Phishing-Kits verteilt und mehr als 9.000 betrĂŒgerische Websites betrieben haben. Die Ermittler schĂ€tzen, dass die TĂ€ter 3,8 Millionen Kreditkartendaten gestohlen und SchĂ€den in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro verursacht haben. Die Operation umfasste ĂŒber 2,5 Millionen Nachrichten und wurde von Telekommunikationspartnern wie AT&T und Verizon aufgedeckt.

Acht Jahre alte SicherheitslĂŒcke bei Samsung entdeckt

Sicherheitsforscher haben zudem eine seit Jahren bestehende Schwachstelle in Samsungs KNOX-Sicherheitsplattform identifiziert. Der Fehler mit der Kennung CVE-2026-20971 existierte offenbar seit etwa 2017 im PROCA/FIVE-Treiber und betraf die Galaxy-Modelle S9 bis S25. Er hĂ€tte Speicherlecks und eingeschrĂ€nkte Schreibzugriffe ĂŒber lokalen Zugriff ermöglichen können. Ein Patch wurde bereits ausgerollt.

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Noch gravierender ist eine neue, nicht reparierbare Schwachstelle namens „usbliter8", die von der Sicherheitsfirma Paradigm Shift veröffentlicht wurde. Sie betrifft den Boot-ROM der Apple A12- und A13-Chips – verbaut im iPhone XS, XR und der 11er-Serie. Da die LĂŒcke im Nur-Lese-Speicher der Hardware sitzt, lĂ€sst sie sich nicht per Software-Update schließen. Die gute Nachricht: Eine Ausnutzung erfordert physischen USB-Zugriff. FĂŒr besonders gefĂ€hrdete Nutzer empfehlen Experten den Umstieg auf neuere Hardware.

KI-gestĂŒtzter Betrug auf dem Vormarsch

Internationale Strafverfolgungsbehörden melden einen starken Anstieg von Betrug mit Hilfe kĂŒnstlicher Intelligenz. Der INTERPOL-Bericht 2025/2026 identifiziert Phishing als die am weitesten verbreitete CyberkriminalitĂ€t im asiatisch-pazifischen Raum. Besonders Deepfake-gestĂŒtzte Romance- und Investment-Scamms in SĂŒdostasien verursachten SchĂ€den von ĂŒber 37 Milliarden Euro.

In Malaysia stieg die Zahl der entfernten Betrugsinhalte von rund 6.300 im Jahr 2023 auf fast 99.000 im Jahr 2025. Allein im ersten Quartal 2026 entfernten die Behörden ĂŒber 43.000 betrĂŒgerische BeitrĂ€ge. Aktuelle VorfĂ€lle umfassen Stimmklon-Betrug, bei dem Angreifer sich als Bankmitarbeiter oder Amazon-Support ausgeben, um an Finanzdaten zu gelangen.

EU treibt digitale IdentitÀt voran

Die EuropĂ€ische Union hat die EinfĂŒhrung der EUDI-Brieftasche (European Digital Identity) bis Ende 2026 verpflichtend gemacht. Starke Authentifizierungsanforderungen sollen bis 2027 folgen. Ähnliche Entwicklungen gibt es in Kalifornien und Großbritannien.

Sicherheitsfirmen wie Guardsquare betonen, dass diese digitalen Geldbörsen von Grund auf sicher sein mĂŒssen und auf Open-Source-Standards setzen sollten, um Risiken durch Malware und API-Missbrauch zu minimieren.

FĂŒr Privatnutzer und Unternehmen empfehlen Sicherheitsexperten einen jĂ€hrlichen umfassenden Check mobiler GerĂ€te. Dazu gehören die ÜberprĂŒfung von App-Berechtigungen, die Aktivierung der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) – möglichst nicht per SMS, da diese durch SIM-Swapping angreifbar ist – und der Einsatz von Mobile-Threat-Defense-Lösungen. Neue Kooperationen wie die zwischen Zimperium und Okta zielen darauf ab, in Echtzeit zu erkennen, wenn ein GerĂ€t kompromittiert ist, und automatisch Maßnahmen wie die beendigung von Sitzungen einzuleiten.

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