Demokratische Republik Kongo, Deutschland

Ebola: Wettlauf gegen die Zeit - KapazitÀten problematisch

22.05.2026 - 08:37:02 | dpa.de

Im Kampf gegen die Ausbreitung von Ebola im Kongo muss nun vieles schnell gehen. Erfahrung mit der Krankheit hat das Land reichlich. Doch die KapazitÀten sind ein Problem, sagt ein deutscher Helfer.

  • Experten sind alarmiert ĂŒber die schnelle Ausbreitung und hohen Verdachtszahlen. (Archivbild) - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa
    Experten sind alarmiert ĂŒber die schnelle Ausbreitung und hohen Verdachtszahlen. (Archivbild) - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa
  • Medizinische HilfsgĂŒter sind bereits auf dem Weg in den Kongo, um den Ebola-Ausbruch zu bekĂ€mpfen (Archivbild) - Foto: Andrew Kasuku/AP/dpa
    Medizinische HilfsgĂŒter sind bereits auf dem Weg in den Kongo, um den Ebola-Ausbruch zu bekĂ€mpfen (Archivbild) - Foto: Andrew Kasuku/AP/dpa
  • Der Berliner Arzt Maximilian Gertler war fĂŒr Ärzte ohne Grenzen schon mehrfach im Ebola Einsatz (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa
    Der Berliner Arzt Maximilian Gertler war fĂŒr Ärzte ohne Grenzen schon mehrfach im Ebola Einsatz (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa
  • Der Berliner Arzt Maximilian Gertler kennt die Herausforderungen eines Ebola-Einsatzes aus eigener Erfahrung bei Ärzte ohne Grenzen (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa
    Der Berliner Arzt Maximilian Gertler kennt die Herausforderungen eines Ebola-Einsatzes aus eigener Erfahrung bei Ärzte ohne Grenzen (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa
Experten sind alarmiert ĂŒber die schnelle Ausbreitung und hohen Verdachtszahlen. (Archivbild) - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa Medizinische HilfsgĂŒter sind bereits auf dem Weg in den Kongo, um den Ebola-Ausbruch zu bekĂ€mpfen (Archivbild) - Foto: Andrew Kasuku/AP/dpa Der Berliner Arzt Maximilian Gertler war fĂŒr Ärzte ohne Grenzen schon mehrfach im Ebola Einsatz (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa Der Berliner Arzt Maximilian Gertler kennt die Herausforderungen eines Ebola-Einsatzes aus eigener Erfahrung bei Ärzte ohne Grenzen (Handout) - Foto: Medecins sans Frontieres/dpa

Hunderte von VerdachtsfĂ€llen, immer mehr bestĂ€tigte Infektionen und die Sorge vor einer Ausbreitung in die NachbarlĂ€nder: Eine Woche nach Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in der kongolesischen Ituri-Provinz befinden sich Experten, Gesundheitspersonal und Helfer im Wettlauf gegen die Zeit. «Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und BehandlungskapazitĂ€ten an unterschiedlichen Orten einzurichten», sagt Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner CharitĂ© und fĂŒr Ärzte ohne Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.

Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen im zweitgrĂ¶ĂŸten Land Afrikas sei gerade dies sehr kompliziert. «Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-AusbrĂŒchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstĂŒtzen», so Gertler ĂŒber das Vorgehen von MSF. Parallel dazu mĂŒsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.

Immerhin gelte fĂŒr den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo: In der Region gibt es viele Erfahrungen mit Ebola. «Kein Land auf der Welt hat so viele dieser AusbrĂŒche gehabt», betont Gertler.

Enorme logistische Herausforderungen

Die GrĂ¶ĂŸe der betroffenen Region, die an Uganda und den SĂŒdsudan grenzt, und das Ausmaß der Epidemie eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe durch die Gesundheitsbehörden stellen eine enorme logistische Herausforderung dar. Dabei kann nicht unbedingt auf vorhandene Strukturen gesetzt werden. Der Kongo ist ein riesiges Land, fast siebenmal so groß wie Deutschland, und viele Gebiete sind wenig entwickelt und von großer Armut geprĂ€gt. «Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel fĂŒr die Generatoren», so Gertler. «DafĂŒr haben wir Notfalllager in verschiedenen Orten der Region, in Kinshasa, in Kisangani und anderen Orten.»

«GegenwĂ€rtig ist Ärzte ohne Grenzen zum Beispiel dabei, tonnenweise SchutzausrĂŒstung und logistisches Material wie Generatoren, KĂŒhlgerĂ€te und natĂŒrlich zusĂ€tzliches Personal in die Region zu bringen, um zusĂ€tzliche Zentren aufzubauen», erlĂ€utert der Berliner Mediziner. Teams seien unterwegs in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie Bunia, Butembo oder Goma, um Orte fĂŒr die Errichtung solcher Zentren zu identifizieren.

Derzeit mobilisiert Ärzte ohne Grenzen zudem Logistik aus der Hauptstadt Kinshasa, aus dem Nachbarland Uganda und auch aus Europa. Die Organisation verfĂŒgt ĂŒber vorbereitete Ebola-Kits. Die kann man sich vorstellen wie Container mit vorbereiteter Packliste, die in LagerhĂ€usern von Ärzte ohne Grenzen deponiert sind - zum Beispiel in Kinshasa, aber auch in Bordeaux und BrĂŒssel, und die direkt ins Gebiet geflogen werden können. Darin sind SchutzausrĂŒstung, Betten, Zelte, Matten, Infusionen, aber auch logistisches Material wie Generatoren, Computer und dergleichen mehr, um vor Ort die Arbeit direkt aufnehmen zu können.

StÀndig neue VerdachtsfÀlle - IsolierkapazitÀten teils erschöpft

Dabei sind mancherorts die bestehenden KapazitĂ€tsgrenzen bereits erreicht. «Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen VerdachtsfĂ€lle vorstellen, fĂŒr die keine IsolierkapazitĂ€ten vorhanden sind», sagt Gertler, der in stĂ€ndigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort steht. «Dann steht fĂŒr diese Patienten unter UmstĂ€nden keine Behandlung zur VerfĂŒgung. Außerdem besteht natĂŒrlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.»

«Die kommenden Tage sind entscheidend»

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der VerdachtsfĂ€lle besorgt. «Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen hĂ€ufig GrenzĂŒbertritte stattfinden», so Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa. «Jetzt ist schnelles Handeln und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster PrioritĂ€t, denn die kommenden Tage sind entscheidend.» 

Kontaktverfolgung und AufklÀrungskampagnen

Die Behandlung von Ebola-Patienten und die Isolierung von VerdachtsfÀllen sind nur eine SÀule im Kampf gegen die Epidemie - und dabei sehr personal- und materialaufwÀndig. Um die Ausbreitung von Ebola einzudÀmmen, sind aber auch die Teams sogenannter Contact Tracer wichtig. Sie identifizieren die Infektionsketten, also die Kontaktpersonen von bekannten FÀllen. Diese Personen werden registriert, in einer Datenbank erfasst und idealerweise jeden Tag kontaktiert, um festzustellen, ob sie gesund sind. 

Solange sie gesund sind, sind die Kontaktpersonen, etwa Familienangehörige, nicht ansteckend bei normalem Umgang. «Aber bei Fieber mĂŒssen sie schleunigst und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und Behandlungszentrum gebracht werden», so Gertler. Die Kontaktpersonen mĂŒssen nach ihrem letzten Kontakt mit einem Ebola-Patienten 21 Tage lang nachverfolgt werden. 

Wichtig ist außerdem die GesundheitsaufklĂ€rung fĂŒr die örtliche Bevölkerung. HierfĂŒr sind derzeit Freiwillige des kongolesischen Roten Kreuzes im Einsatz. Sie gehen in den besonders betroffenen Regionen von TĂŒr zu TĂŒr und klĂ€ren ĂŒber die Verbreitung von Ebola. Auch ĂŒber ein Rundfunkprogramm der Organisation werden RatschlĂ€ge zu Symptomen erteilt - und nicht zuletzt dazu aufgerufen, bei Verdachtsanzeichen schnell Hilfe zu suchen.

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