Immunalterung, Millionen

Immunalterung: 3,8 Millionen Zellen zeigen zwei Schübe im Lebensverlauf

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen Immunalterung mit Hautentzündungen und zeigen neue Ansätze bei Biomarkern, Wundauflagen und klinischer Versorgung.

Immunalterung und Haut: Neue Erkenntnisse zu Entzündung und Wundheilung
Nahaufnahme mikroskopischer biologischer Zellstrukturen in der Haut. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die immunologische Alterung, das sogenannte Inflammaging, einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf chronischer Hauterkrankungen und die Effizienz der Wundheilung hat. Veränderungen im alternden Immunsystem sowie spezifische Zellzustände beeinflussen die Prognose bei schweren Entzündungsreaktionen und erschweren die Behandlung bei älteren Patienten.

Biomarker und Entzündungsmuster bei atopischer Dermatitis

Eine im Fachjournal Immunity, Inflammation and Disease veröffentlichte systematische Meta-Analyse untersuchte die chronische atopische Dermatitis bei über 60-jährigen Patienten. Die Analyse, die sechs Studien aus Datenbanken wie PubMed und CNKI bis zum Stand Dezember 2025 berücksichtigte, screenete insgesamt 106 Datensätze. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Biomarkern und dem Schweregrad der Erkrankung.

Das Gesamt-IgE korrelierte bei 139 Teilnehmern mit einem Wert von r=0,464 mit dem Schweregrad; ohne Berücksichtigung einer Surrogat-Studie stieg dieser Wert auf r=0,514. Die stärkste Korrelation mit der geringsten Heterogenität wurde bei den Eosinophilen mit r=0,522 beobachtet.

Weitere signifikante Zusammenhänge ergaben sich für Interleukin-4 (IL-4) mit r=0,571 und Interleukin-17 (IL-17) mit r=0,566. Auch Inflammaging-Marker wie IL-6, CXCL1, CCL7 und SELE wiesen in einer Kohorte von 21 Patienten Korrelationswerte zwischen r=0,45 und r=0,54 auf.

Remodeling-Marker wie MMP12, Ezrin und Cadherin 3 erreichten Werte von r=0,56 bis r=0,59. Die Autoren wiesen jedoch auf Limitationen hin, da nur vier Biomarker gepoolt wurden und überwiegend Querschnittsstudien vorlagen.

Die schubweise Alterung des menschlichen Immunsystems

Forschungsergebnisse der Duke-NUS Medical School, veröffentlicht in Nature Communications, geben Aufschluss über die Dynamik der Immunalterung. Durch die Analyse von 3,8 Millionen Immunzellen von fast 2.000 gesunden Personen im Alter zwischen 19 und 97 Jahren wurde festgestellt, dass Immunzellen nicht gleichmäßig altern. Stattdessen treten beschleunigte Verschiebungen der Genaktivität gehäuft um das 40. Lebensjahr und erneut nach dem 60. Lebensjahr auf.

T-Zellen zeigen dabei um das 40. Lebensjahr die stärksten Veränderungen und treiben auch die zweite Welle nach 60 an, wobei unterschiedliche T-Zell-Typen betroffen sind. Diese Prozesse verlaufen zwischen Männern und Frauen verschieden.

Die Forscher entwickelten zudem KI-Modelle zur Vorhersage des biologischen Alters. In Singapur sind demnach über 600.000 Menschen, etwa 11 Prozent der Bevölkerung, von Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoider Arthritis betroffen, deren Verlauf eng mit diesen Alterungsprozessen verknüpft sein könnte.

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Molekulare Mechanismen und neue technologische Ansätze

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Halle identifizierten das Protein PKP1 als zentralen Faktor der kutanen Immunantwort. Laut einer im Fachjournal Cell Molecular Immunology veröffentlichten Studie hemmt PKP1 die Immunantwort in Keratinozyten, indem es RNA-Helikasen bindet und zurückhält.

Bei einem Gefahrensignal, etwa durch doppelsträngige RNA, wird PKP1 abgebaut, wodurch die Helikasen zur Abwehr freigesetzt werden. Erstautor Dr. René Keil erklärte, dass ein PKP1-Mangel sowohl die Fragilität der Haut als auch chronische Entzündungen erklären könne. In Zellkulturen reagierten PKP1-Knockout-Zellen signifikant stärker auf UV-Strahlung und Virusimitationen.

Parallel dazu entwickelt das Fraunhofer IKTS Dresden neue Wundauflagen aus elektrogesponnener Polymilchsäure (PLA). Diese sollen antibakterielle Bakteriophagen, wundheilungsfördernde Proteins oder antiseptische MXene direkt in die Wunde abgeben.

Das Projekt AntiMicroMXen, das bis Mai 2027 läuft und von der EU sowie sächsischen Ministerien kofinanziert wird, adressiert ein massives Versorgungsproblem: In Deutschland werden jährlich rund eine Million Menschen wegen chronischer Wunden behandelt, was Kosten von etwa 7,5 Milliarden Euro verursacht.

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Strategien im klinischen Wundmanagement

Die klinische Praxis reagiert auf die Komplexität chronischer Wunden, die per Definition vorliegen, wenn nach acht bis zwölf Wochen keine Heilung eintritt. Das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) in Bad Oeynhausen setzt auf eine flächendeckende fachliche Spezialisierung.

Auf jeder Station der Fachbereiche Kardiologie, Diabetologie und Chirurgie ist mindestens eine weitergebildete Wundexpertin tätig. Diese Fachkräfte absolvieren eine zweimonatige Qualifizierung inklusive Theorie, Facharbeit und Hospitation.

Unter der Leitung der Supervisorin Janine Koch-Grabowski finden regelmäßige Abstimmungen der Wund-AG statt, um die Versorgung der oft multimorbiden Patienten zu optimieren.

Ergänzende Erkenntnisse aus Tierversuchen liefern Hinweise auf künftige Therapiemöglichkeiten. So führte die gezielte Aktivierung spezifischer Immunsystemanteile bei älteren Mäusen zu stärkeren Impfreaktionen.

Ein weiterer Ansatz mit der Substanz ABT-263 zeigte eine Verringerung von Alterungsmarkern wie p16 und p21 sowie eine Beeinflussung der T-Zell-Populationen, was die Grundlage für künftige senolytische Therapien bei Haut- und Immunerkrankungen bilden könnte.

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