ImmungetrÀnke: Ingwer-Kurkuma-Tonics liefern weniger als erhofft
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ingwer-Shots, Kurkuma-Tonics und Karottensuppen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit als vermeintliche Waffen gegen ErkĂ€ltungen und EntzĂŒndungen. Mehrere Rezeptsammlungen und Ratgeberportale kursieren derzeit mit Anleitungen fĂŒr immunstĂ€rkende GetrĂ€nke und Suppen, die auf natĂŒrlichen Inhaltsstoffen basieren.
Ein Blick auf die zugrundeliegenden Zutaten und die tatsÀchliche Studienlage zeigt allerdings ein differenzierteres Bild als das der reinen Wundermittel-Versprechen.
Ingwer-Kurkuma-Zitrone als Klassiker
Eines der verbreiteten Rezepte ist ein Ingwer-Kurkuma-Zitrone-Tonic: FĂŒr ein Glas von rund 400 Millilitern werden 2,5 Zentimeter Ingwer, 2,5 Zentimeter Kurkuma oder ein halber Teelöffel Pulver, der Saft einer halben bis ganzen Zitrone, eine Prise Pfeffer sowie ein bis zwei Teelöffel Honig acht bis zehn Minuten in Wasser gekocht.
Pro Glas liefert das GetrĂ€nk demnach etwa 30 bis 45 Kilokalorien, 15 bis 20 Milligramm Vitamin C und 100 bis 200 Milligramm Curcumin. AusdrĂŒcklich betont wird dabei, dass es keinen Beleg dafĂŒr gibt, dass solche GetrĂ€nke Arterien binnen weniger Tage âreinigen" könnten â eine Behauptung, die in manchen Kreisen kursiert.
Suppen und SĂ€fte mit GemĂŒsebasis
Neben GetrĂ€nken spielen auch herzhafte Zubereitungen eine Rolle. Eine Karottencremesuppe fĂŒr vier Portionen benötigt in 35 Minuten Zubereitungszeit 700 Gramm Karotten, 200 Gramm Kartoffeln, eine Zwiebel, 20 Gramm Ingwer, 750 Milliliter GemĂŒsebrĂŒhe, 100 Milliliter Sahne, eine Orange, einen Esslöffel Butter und 50 Gramm KĂŒrbiskerne; eine vegane Variante ersetzt Butter und Sahne durch Ăl beziehungsweise Kokosmilch.
Ein Karottensaft fĂŒr zwei groĂe GlĂ€ser kombiniert 500 Gramm Karotten mit zwei Ăpfeln, einer Orange, einer Zitrone, einem StĂŒck Ingwer, 100 bis 150 Milliliter Wasser oder Orangensaft und einem Teelöffel Leinöl â Letzteres soll die Aufnahme von Beta-Carotin verbessern. Der Saft hĂ€lt sich im KĂŒhlschrank gut verschlossen etwa einen Tag.
FĂŒr abendliche Zwecke wird zudem ein Gurken-Petersilien-Ingwer-Drink beschrieben, der 30 Minuten vor dem Schlafen getrunken werden soll. Hier verweist eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 darauf, dass Ingwer bei ĂŒbergewichtigen Personen leicht zur Gewichtsreduktion und einem gĂŒnstigeren Taille-HĂŒfte-VerhĂ€ltnis beitrug. Ein gezielter Abbau von Bauchfett allein durch ErnĂ€hrung ist wissenschaftlich jedoch nicht möglich.
Weitere kalte und warme Zubereitungen
Zu den kursierenden Rezepten zĂ€hlen auĂerdem eine kalte Joghurtsuppe aus rund 900 Gramm Salatgurken, 400 Gramm griechischem Joghurt sowie Knoblauch, Zitrone, Olivenöl, Dill und Minze, die sich luftdicht gekĂŒhlt bis zu zwei Tage hĂ€lt, sowie ein Zitronen-Eistee auf Basis von schwarzem Tee, Zitronen und Honig mit Varianten wie Pfirsich oder grĂŒnem Tee.
Wie viel Ingwer ist sinnvoll?
Zur Dosierung von Ingwer kursieren unterschiedliche Angaben: Ein 20-Milliliter-Shot am Morgen soll die Immunabwehr unterstĂŒtzen, bei Magenbeschwerden werden ein bis zwei Gramm getrocknetes Pulver oder zehn bis zwanzig Gramm frischer Ingwer genannt, wobei tĂ€glich maximal vier Gramm getrocknetes Pulver empfohlen werden.
Bei Gelenkschmerzen verweisen Metaanalysen mit ĂŒber 590 Arthrose-Patienten ĂŒber einen Zeitraum von drei bis zwölf Wochen auf 500 bis 1.000 Milligramm Extrakt tĂ€glich. Nach dem Konsum eines Liters Ingwertee lassen sich die Scharfstoffe demnach nach 30 bis 60 Minuten im Blut nachweisen.
FĂŒr gesunde Erwachsene gelten laut anderen Angaben etwa zwei bis maximal fĂŒnf Gramm frische Ingwerwurzel als ĂŒbliche Tagesmenge. Rohe Ingwerwurzel enthĂ€lt dabei Gingerol, Vitamin C, Magnesium, Kalium, Eisen und Calcium; beim Erhitzen wandelt sich Gingerol in Zingeron und Shogaole um. Bei MagengeschwĂŒren kann die SchĂ€rfe von Ingwer Beschwerden auslösen.
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Zitrone senkt den Blutdruck nicht sofort
HĂ€ufig wird Zitrone eine blutdrucksenkende Sofortwirkung zugeschrieben â dafĂŒr fehlt jedoch der wissenschaftliche Nachweis. Eine Ăbersichtsarbeit aus dem Jahr 2012, die 29 Studien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass 500 Milligramm Vitamin C tĂ€glich ĂŒber acht Wochen den systolischen Blutdruck um bis zu 4,85 mmHg senken konnten. Eine einzelne Zitrone enthĂ€lt jedoch nur rund 50 Milligramm Vitamin C â deutlich weniger als die in der Studie verwendete Menge.
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Einordnung: Kein Ersatz fĂŒr Grundlagen der Immunabwehr
Insgesamt liefern die kursierenden Rezepte durchaus NĂ€hrstoffe wie Vitamin C, Curcumin oder Beta-Carotin, die fĂŒr den Körper von Bedeutung sind. Die verbreitete Vorstellung, einzelne GetrĂ€nke oder Suppen könnten kurzfristig âArterien reinigen", Bauchfett gezielt reduzieren oder den Blutdruck sofort senken, findet in den zugrundeliegenden Daten allerdings keine BestĂ€tigung.
Wer auf ernĂ€hrungsbasierte UnterstĂŒtzung der AbwehrkrĂ€fte setzt, sollte die genannten Rezepte demnach eher als ErgĂ€nzung im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen ErnĂ€hrung betrachten als als Allheilmittel.
