Immunsystem, Abwehrzellen

Immunsystem: 70% der Abwehrzellen sitzen im Darm

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bienenprodukte und Pflanzenstoffe können Beschwerden begleiten; Studien zeigen zugleich Grenzen von Vitamin C und D beim Erkältungsschutz.
Frische Ingwerknollen, eine kleine Schale mit Honig und Kurkuma auf einer dunklen Schieferplatte Illustration mit AI erstellt.

Zur Vorbeugung und Linderung saisonaler Beschwerden greifen viele Menschen auf traditionelle Hausmittel und Naturprodukte zurück. Insbesondere Bienenprodukte wie Propolis, Gelée royale und Honig sowie pflanzliche Stoffe wie Ingwer erfahren zur Unterstützung des körpereigenen Immunsystems regelmäßig breite Aufmerksamkeit.

Berichte aus der Medizin und Ernährungswissenschaft beleuchten, welche Wirkmechanismen diesen Naturstoffen zugeschrieben werden, was Studien belegen und wo die Grenzen der Selbstmedikation liegen.

Pflanzliche Wirkstoffe und Bienenprodukte im Einsatz

Bienenprodukte gelten traditionell als Mittel zur Unterstützung der Immunabwehr. Propolis, ein von Bienen aus Harzen, Wachs und Enzymen hergestellter Kittharz, dient im Bienenstock als Schutzschicht gegen Keime.

Berichten zufolge besitzt die Substanz antibakterielle sowie antimykotische Eigenschaften und wird unter anderem bei Reizungen im Mund- und Rachenraum oder saisonalen Infekten in Form von Tropfen, Kapseln, Sprays oder Tinkturen angewendet.

Bei der Nutzung ist allerdings Vorsicht geboten: Bei allergischen Reaktionen wie Schwellungen im Mundbereich oder Atemnot ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich. Für Schwangere, Stillende, Kindern sowie Personen unter Medikation wird vorab ärztlicher Rat empfohlen.

Beim Verzehr von Honig empfiehlt es sich, das Produkt nicht über 40 Grad Celsius zu erhitzen, da höhere Temperaturen wertvolle Enzyme zerstören können. Die US-amerikanische Cleveland Clinic verweist zudem darauf, dass Honig für Säuglinge unter einem Jahr wegen der Gefahr von Säuglingsbotulismus ungeeignet ist. Zudem widerlege die Studienlage die Annahme, dass regionaler Honig vor saisonalen Pollenallergien schütze.

Ergänzend zu Bienenprodukten werden häufig scharfe Knollen empfohlen. Ingwer enthält den bioaktiven Scharfstoff Gingerol, während Kurkuma durch Curcumin entzündungshemmende Eigenschaften aufweist.

Die Ernährungsberaterin Rana Adel empfiehlt für die Herbstzeit Heißgetränke aus Ingwer, Zimt und Kurkuma sowie grünen Tee, dessen Catechine antioxidativ wirken. Zur optimalen Nutzung von Allicin in Knoblauch und Schalotten wird geraten, die Zehen etwa zehn Minuten vor dem Verzehr zu zerkleinern.

Mikronährstoffe, Darmgesundheit und wissenschaftliche Evidenz

Fachleute weisen darauf hin, dass eine gezielte Nährstoffzufuhr das Immunsystem begleitet, akute Erkrankungen jedoch nicht vollständig verhindern kann. Rosanna Gardashnik vom Medical Center EMC empfiehlt in der Erkältungssaison Vitamin-C-reiche Lebensmittel wie Hagebutten, Zitrusfrüchte, Sanddorn und Sauerkraut sowie Zink und Selen.

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Eva Hummers von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und Sonja Siegert vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) betonen jedoch, dass Vitamin C Erkältungen nicht vorbeugt.

Eine regelmäßige Einnahme könne die Dauer einer Erkrankung lediglich um etwa 10 Prozent verkürzen, während ein Einnahmebeginn erst bei ersten Symptomen keinen Nutzen zeige.

Hinsichtlich Vitamin D zeigte eine Übersicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) über 73 Studien zwar einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Status und Atemwegsinfekten. Eine australische Studie aus dem Jahr 2021 mit über 21.000 Personen im Alter von 60 bis 84 Jahren ergab jedoch keinen signifikanten präventiven Schutz.

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Ein zentraler Pfeiler der Abwehr liegt im Verdauungstrakt: Rund 70 Prozent der Immunzellen befinden sich im darmassoziierten Gewebe. Eine ballaststoffreiche Kost mit fermentierten Lebensmitteln fördert die Mikrobiom-Vielfalt und regt die Bildung kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat an.

Hohe Zuckermengen hingegen können die Immunreaktion dämpfen; so können 75 Gramm Zucker die Aktivität von Fresszellen für mehrere Stunden um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Begleitende Maßnahmen und Warnsignale

Klassische Hausmittel wie Dampfinhalationen mit Salbei oder Kamille, Nasenspülungen mit Salzwasser sowie Erkältungsbäder bei 32 bis 38 Grad Celsius für 10 bis 20 Minuten dienen vorrangig der Linderung von Symptomen. Experten des Kantonsspitals Baselland raten zur Infektionsprävention vor allem zu konsequenter Basishygiene, regelmäßigem Lüften sowie sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht.

Naturheilkundliche Ansätze gelten medizinisch lediglich als Ergänzung. Treten schwere Symptome wie anhaltendes hohes Fieber, Atemnot oder starke Schmerzen auf, ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.

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