Impf-Fieber, Darmbakterien

Impf-Fieber: Darmbakterien und Flagelline beeinflussen die Entzündungsreaktion

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 04:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Flagelline im Darm stehen mit stärkeren Entzündungsreaktionen in Verbindung; die schützende Antikörperantwort blieb davon unberührt.

Darmbakterien beeinflussen Fieberreaktionen nach einer Impfung
Nahaufnahme von sterilen Laborschalen mit biologischen Proben in einer klinischen Umgebung bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Wie stark der menschliche Körper nach einer Impfung mit Fieber reagiert, hängt offenbar auch von den im Darm angesiedelten Bakterien ab. Dies zeigt die wissenschaftliche Untersuchung namens µHEAT, die unter anderem vom Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen durchgeführt und am 8. Oktober 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bestimmte bakterielle Bestandteile das Immunsystem bereits vor einer Immunisierung beeinflussen können.

Bakterielle Flagelline als Impulsgeber für Entzündungen

Das Forschungsteam unter der Leitung von Kelsey E. Huus und Ruth E. Ley untersuchte 171 gesunde junge Erwachsene, die in den Jahren 2021 und 2022 gegen SARS-CoV-2 geimpft wurden. Die Analysen ergaben, dass Probanden mit einer ausgeprägteren Fieberreaktion bereits vor der Verabreichung des Vakzins spezifische Besonderheiten in ihrer Darmflora aufwiesen.

Dazu zählte eine erhöhte Aktivität von Genen, die für die bakterielle Beweglichkeit zuständig sind, insbesondere für die Ausbildung sogenannter Flagellen. Gleichzeitig war bei diesen Personen der Anteil an Bakterien der Familie Lachnospiraceae erhöht.

Die im Darm gebildeten bakteriellen Flagelline tragen den Untersuchungen zufolge maßgeblich zur systemischen Entzündungsreaktion bei, die schließlich den Temperaturanstieg nach der Injektion begünstigt.

Laborbefunde und experimentelle Bestätigung

Um den ursächlichen Zusammenhang genauer zu erforschen, führten die Wissenschaftler Experimente mit menschlichen Darmorganoiden sowie mit keimfreien Mäusen durch.

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Wurde das Mikrobiom von Personen mit starker Fieberreaktion auf die Labormäuse übertragen, entwickelten diese nach einer anschließenden Impfung ebenfalls stärkere Entzündungssymptome. Diese Reaktionen erwiesen sich als teilweise abhängig von der Erkennung des Flagellins durch das Immunsystem.

Zusätzlich analysierten die Forscher mögliche äußere Einflussfaktoren wie die Ernährungsweise. Bei den untersuchten Personen war eine pflanzlich geprägte Ernährung tendenziell mit schwächeren Fieberreaktionen verbunden.

Im Tiermodell führte eine fettreiche westliche Ernährungsweise dagegen zu einer Verstärkung der entzündlichen Impfreaktionen bei den Mäusen. In In-vitro-Versuchen konnte zudem beobachtet werden, dass bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe die Produktion von Flagellin durch Darmbakterien erhöhten.

Gleiche Schutzwirkung trotz unterschiedlicher Begleiterscheinungen

Trotz der unterschiedlichen körperlichen Reaktionen blieb die eigentliche Wirksamkeit der Impfung von diesen Prozessen unberührt. Die mikrobiellen Merkmale, die mit dem Auftreten von Fieber assoziiert waren, führten zu keinen Unterschieden in der schützenden Antikörperantwort.

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Die Studienautoren betonen zudem die Grenzen der bisherigen Erkenntnisse: Ein wissenschaftlicher Nachweis darüber, dass die Ernährungsweise beim Menschen die tatsächliche Impfantwort bestimmt, liegt bislang nicht vor.

Aus den Daten lasse sich derzeit auch keine klinische Empfehlung für die Einnahme von Probiotika im Umfeld von Impfungen ableiten. Die Ergebnisse liefern vor allem grundlegende Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Darmbakterien und dem menschlichen Immunsystem.

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