Impfangebote in Apotheken: 36 % der Patienten würden sie nutzen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Gesundheitslandschaft verschärft sich die Debatte um die Abgrenzung medizinischer Kompetenzen zwischen Arztpraxen und Apotheken. Im Zentrum steht die für Anfang Oktober geplante Kampagne „Impfen beim Profi“, mit der die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Bedeutung der ärztlichen Praxis als primäre Anlaufstelle für Diagnostik und Prävention hervorhebt.
Kritik der Ärzteschaft an Kompetenzverschiebungen
Die Vorstände der KBV, namentlich Gassen, Steiner und Hofmeister, machten im Rahmen des Welttags der Patientensicherheit Mitte September 2026 deutlich, dass Diagnostik nach ihrer Auffassung keinen Platz in Apotheken oder Drogerien habe. Die Organisation warnt vor einer zunehmenden Aufweichung der Kompetenzgrenzen. Ziel der neuen Kampagne sei es, Patienten für die qualifizierte Versorgung in den Praxen zu sensibilisieren.
Unterstützung erhält dieser Kurs durch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Deren Chef Spelmeyer warnte davor, die ärztliche Versorgung weiter auszulagern, und verknüpfte dies mit Risiken für die Patientensicherheit.
Der KVWL-Vorstand kritisierte Bestrebungen, Versorgungsangebote in Apotheken zu etablieren, als ein Versorgungsangebot zweiter Klasse. Auch das Vorstandsmitglied Richter-Scheer betonte, dass Impfleistungen konsequent in den Bereich der Praxen gehören.
Perspektiven der Apothekerschaft und aktuelle Umfragedaten
Gegenläufige Positionen wurden auf dem Deutschen Apothekertag 2026 in München unter dem Motto „Apotheken im Aufbruch“ sowie auf der Fachmesse Expopharm artikuliert.
ABDA-Präsident Preis forderte eine engere Einbindung der Vor-Ort-Apotheken in die Primärversorgung. Er verwies darauf, dass etwa die Hälfte aller Arzneimittelpackungen an Patienten abgegeben werde, die zuvor keinen Arzt konsultiert hatten. Durch Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterin-Screenings sowie Impfangebote könnten Apotheken die Hausarztpraxen entlasten.
Die Debatte um Kompetenzgrenzen zwischen Praxis und Apotheke läuft — doch eine Umfrage unter 5.000 Befragten zeigt: 36,2 Prozent würden Impfungen direkt in der Apotheke nutzen. Unser kostenloser Leitfaden erklärt in klaren Schritten, wie Sie Ihr Impfangebot rechtssicher aufsetzen und die geltenden Altersregeln korrekt einordnen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Eine im Auftrag von Pharma Deutschland durchgeführte Civey-Umfrage, die im Zeitraum vom 9. bis 15. September 2026 unter 5.000 Teilnehmern stattfand, liefert Daten zur Akzeptanz solcher Angebote. Demnach würden 36,2 Prozent der Befragten Impfungen direkt in der Apotheke nutzen.
Weitere Dienstleistungen wie die Impfberatung (32,9 Prozent), Blutuntersuchungen (29,6 Prozent) und die Analyse von Medikationsplänen (28,7 Prozent) stießen ebenfalls auf Interesse. Brakmann wertete diese Ergebnisse als einen Auftrag für die geplante Apothekenreform.
Systemische Einordnung und Präventionsstrategien
Der Diskurs findet vor dem Hintergrund einer kritischen Bewertung der öffentlichen Gesundheit in Deutschland statt. BÄK-Präsident Reinhardt verwies auf Daten, nach denen Deutschland im europäischen Public Health Index lediglich den 18. von 19 Plätzen belegt.
Während die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) durch Präsidentin Scharpf für mehr Impfangebote in Apotheken wirbt, um Impflücken zu schließen, wird die aktuelle Altersgrenze für Apotheken-Impfungen kritisch hinterfragt.
Da die STIKO die HPV-Impfung bereits für Kinder ab 9 Jahren empfiehlt, die Apotheken-Regelung jedoch erst ab 18 Jahren greift, merkte etwa der Experte Dingermann eine Diskrepanz in der Versorgungslogik an.
Deutschland belegt im europäischen Public Health Index Platz 18 von 19 — und die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung bereits ab 9 Jahren, während die Apotheken-Regelung erst ab 18 greift. Diese Diskrepanz ist Ihr Argument in der politischen Debatte. Der Leitfaden liefert Ihnen die passende Argumentationshilfe für die Apothekenreform. Argumentationshilfe jetzt sichern
Zusätzliche Dynamik erhält das Thema durch die Innovationspipeline der Industrie. Laut Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) befinden sich derzeit zwischen 90 und 100 Impfstoffe in der Entwicklung. Auf politischer Ebene gibt es bereits längerfristige Initiativen: Bayern etwa hatte bereits im Oktober 2025 einen Masterplan Prävention mit über 250 Einzelmaßnahmen aufgelegt.
Im Rahmen der aktuellen Strukturreformen forderte das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) verstärkte digitale Instrumente und klare Sicherheitsmechanismen, um die Versorgungsqualität unabhängig vom Ort der Leistungserbringung zu gewährleisten.
